Wie fasst man Alter, Behinderung, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Ethnie und Religion mit einem Wort zusammen? Diversity (Management) ist das Stichwort. Bei Diversität – oder sozialer Vielfalt – geht es um Gleichgültigkeit im wörtlichen Sinne: um gleiche Gültigkeit.

Soziale Vielfalt gibt es einfach

Wir Menschen tragen durch unsere Individualität und Verschiedenheit zur Diversität bei. Um Vielfalt verständlich zu machen, wird sie in sechs Kerndimensionen eingeteilt: Alter, Menschen mit Behinderung, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Ethnie sowie Religion. Vielfalt muss aber auch gehandhabt und in Organisationen bewusst integriert werden. Wir sprechen dann vom sogenannten Diversity Management (kurz: DiM).

Auf einen Menschen treffen immer mehrere – oftmals alle ­– Kerndimensionen zu. Also geht es im DiM nicht nur um vermeintliche Randgruppen. Sprechen wir von „Menschen mit Behinderung“, meinen wir weitaus mehr Personen als z.B. nur jene im Rollstuhl oder Blinde. Auch Menschen mit unsichtbaren Beeinträchtigungen wie chronischen Krankheiten oder Allergien zählen dazu: in Österreich insgesamt ein Fünftel der Bevölkerung – also rund 1,8 Mio. Menschen.

Wer profitiert?

Diversity Management ist nur dann als solches zu bezeichnen, wenn in einem Unternehmen alle sechs Kerndimensionen bearbeitet werden. So ist eine reine Frauenförderung eine sinnvolle Maßnahme, aber diese alleine macht noch kein DiM aus.

Unternehmen mit konsequent umgesetztem DiM sind nachweislich erfolgreicher. Die Berücksichtigung der sozialen Vielfalt bietet unzählige Möglichkeiten, von denen Personen wie Firmen profitieren können. Ein offener, wertfreier und vor allem wertschätzender Umgang ermöglicht stärkeres Wachstum, effizienteres Arbeitsklima, reduziert Reibungspunkte sowie Fluktuation etc. Wir Menschen fühlen uns in einer Arbeitsumgebung einfach wohler, wenn wir so sein können, wie wir sind. Durch ein diverses Team spiegeln Unternehmen aber auch die soziale Realität der Gesellschaft  und verbessern damit auch ihr (Arbeitgeber)Image.

Erfolgreiches DiM wirkt also nach innen und nach außen. Einerseits kann man dadurch die Belegschaft stärken, aber auch neue Zielgruppen (für Produkte etc.) erschließen oder neue KooperationspartnerInnen und LieferantInnen gewinnen. Selbst für Einpersonenunternehmen ist Diversity Management ein hilfreiches Instrument, um sich am Markt zu behaupten.

Kleine Schritte – große Wirkung

Oft wird Diversity „Management“ als aufwendiger Prozess angesehen. Vor allem kleinere Unternehmen scheuen sich aus diesem Grund, sich dem Thema Vielfalt zu widmen. Natürlich kann man die Diversität im großen Stil nutzbar machen, aber schon kleine Schritte bewirken hier Großes.

Wie gerade Klein-/Einpersonenunternehmen die zahlreichen Vorteile nutzen können, zeigt das Buch „Vielfalt bringt’s! – Diversity Management für Kleinunternehmen“ von Günter Horniak und Mathias Cimzar. Sie bieten in dem Praxishandbuch zahlreiche Tipps und Tricks und zeigen, dass auch ohne großen finanziellen oder personellen Aufwand viel erreicht werden kann. Die beiden Autoren bieten eine kompakte Einführung in jede Kerndimension und führen neben den unzähligen Handlungsempfehlungen auch Unternehmensbeispiele an, die bereits positive Erfahrungen bei der Umsetzung von Maßnahmen im DiM gemacht haben. Zusätzlich enthält das Buch weiterführende Leseempfehlungen und Weblinks.

Hier ein kleiner Überblick über die noch nicht genannten Dimensionen:

Hilfe, ich bin alt!

„Ab wann ist man alt bzw. wann jung?“ Dafür gibt es unterschiedliche Definitionen. Fakt ist, altersgemischte Teams profitieren einerseits von der Erfahrung und dem angesammelten Wissen älterer ArbeitnehmerInnen und andererseits von jugendlichen Strömungen. Der Verlust des Wissens der Älteren ist kaum aufzuholen. Obendrein bringt die demographische Entwicklung mit der Überalterung der Bevölkerung eine weitere Herausforderung mit sich. Ein Umstand, der Unternehmen sowohl bei der Arbeitskräftesuche als auch bei der Anpassung der Produkte betrifft.

Mann, Frau, und …

Die Debatte über Frauenquoten macht deutlich, wie ungleich Menschen aufgrund ihres Geschlechts behandelt werden. Und in dieser Diskussion geht es aber nur um Männer und Frauen. Dabei umfasst der Begriff „Geschlecht“ mehr als diese beiden Geschlechter. Unabhängig von der Begriffsdiskussion ist es aber Realität, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern immer mit stereotypen Rollenverteilungen und der Zuordnung verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten verbunden war und ist.

Eins, zwei, drei, vier, fünf, SEX

Für viele ist dieses Thema eine reine Privatangelegenheit. Beim DiM geht es auch nicht um die zwangsweise Offenlegung der eigenen sexuellen Orientierung. Es geht auch hier um das Schaffen von Rahmenbedingungen, innerhalb derer es jedem Menschen möglich sein muss, seine sexuelle Orientierung zeigen zu können, ohne dass er/sie Nachteile befürchten muss. Zu meinen, nur Homosexuelle betrifft diese Kerndimension, ist ein Irrglaube. Auch heterosexuelle Menschen betrifft dieser Bereich – denn jede/r von uns hat eine sexuelle Orientierung. Hoffentlich.

Vielvölkerstaat aus Tradition

Österreich kann auf eine lange Geschichte ethnischer Vielfalt zurückblicken. Vor allem zu Zeiten der Habsburger Monarchie war Österreich ein regelrechter Vielvo?lkerstaat, der innerhalb des Hoheitsgebietes zahlreiche – heute eigenständige – Länder vereinte. Zunehmende Globalisierung, gestiegene geografische Flexibilität der Menschen und auch vereinfachte Reisefreiheit haben eine stärkere Vermischung verschiedener Nationalita?ten, Ethnien und Volksgruppen zur Folge. Eine vollkommen normale und nicht mehr aufzuhaltende Entwicklung, die mit der ethnischen und damit einhergehenden kulturellen und sozialen Bereicherung großes Potenzial für viele Bereiche mit sich bringt. Klar ist, ohne MigrantInnen kein wirtschaftliches Wachstum.

Religion und Beruf

Für die katholische Mehrheitsgesellschaft lassen sich Arbeit und Religion leicht vereinbaren, fallen doch die Hochfeste der Kirche auf Sonntage und gesetzliche Feiertage. Wie sieht es aber mit muslimischen oder jüdischen Menschen aus, deren Hochfeste in die Arbeitswoche fallen? In Österreich gibt es von 13 gesetzlichen Feiertagen gerade mal drei nicht-kirchliche Anlässe. Da die Religion mitunter auch starken Einfluss auf das Wertesystem eines Menschen hat, wird im Diversity Management die Kerndimension „Religion“ oft um „Weltanschauung“ erweitert.

Über die Autoren:

Günter Horniak ist Kommunikationsexperte und war jahrelang CSR & Diversity Manager einer österreichischen Bank und ist nun an der Universität Wien tätig. Das Fachwissen und die langjährige Praxis in der Umsetzung von CSR- und Diversity-Projekten lässt er in dieses Buch einfließen.

Mathias_CimzarMathias Cimzar ist ausgebildeter Kommunikations- und Verhaltenstrainer und Coach, Gründer und Geschäftsführer von MTraining. Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen auf interkultureller Kompetenz, Diversity-Themen, Verkauf sowie Führungskräften und Teams.

Weitere Informationen über Mathias Cimzar

 

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