Qualität

Zertifikate haben in der beruflichen Weiterbildung einen hohen Stellenwert. Dennoch gibt es keine verbindlichen Voraussetzungen, die zertifizierte Programme erfüllen müssen. Weiterbildungsinteressierte sind daher gefordert, selber die Qualität der Angebote unter die Lupe zu nehmen, bevor sie sich für eine konkrete Maßnahme entscheiden. Hier eine Übersicht, was bei der Auswahl der passenden Weiterbildung zu beachten ist.

Wenn wir als Konsumenten vor einer Kaufentscheidung für Produkte stehen, dann geben uns Qualitäts- und Gütesiegel eine Orientierung. Bei Waren mit dem Fairtrade-Gütesiegel können wir sicher sein, dass eine überregionale Institution über die Einhaltung der Qualitätsrichtlinien wacht. Bei Produkten, die den Stempel „Stiftung Warentest – sehr gut“ oder „Konsument – Testurteil sehr gut“ führen, wissen wir, dass unabhängige Prüfer die verschiedensten Angebote am Markt untereinander verglichen und beurteilt haben. Diese Qualitätsurteile bringen Übersicht in einem Markt mit einer Vielzahl von ähnlichen Produkten und geben Sicherheit bei der eigenen Kaufentscheidung. Während in vielen Bereichen der Wirtschaft solche Qualitätsvergleiche üblich sind, erscheint der Weiterbildungsmarkt in dieser Hinsicht wie eine Black-Box. In einem Markt, gekennzeichnet durch Unübersichtlichkeit, mit unzähligen Weiterbildungsanbietern und schwer miteinander vergleichbaren Produkten, stehen Weiterbildungswillige oftmals vor einer schwierigen Entscheidung, wenn es um die Auswahl des geeigneten Angebotes geht.

Kriterien für die Entscheidungsfindung

In Anlehnung an die „Checkliste – Qualität beruflicher Weiterbildung“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) soll ein Katalog für Qualitätsaspekte bei der Entscheidung und Auswahl einer zertifizierten beruflichen Weiterbildungsmaßnahme helfen:

Wie wird die Qualität gesichert?

Neben einem vorhandenen Qualitätsmanagementsystem (ISO, EFQM, LQW etc.), einer Akkreditierung und Zertifizierung des Anbieters oder des konkreten Weiterbildungsangebotes, sollte eruiert werden, ob das Lehrpersonal über die nötigen fachlichen und pädagogischen Qualifikationen verfügt. Werden die Lehrkräfte in der Ankündigung vorgestellt und sind Kontaktmöglichkeiten angegeben? Wie sind die Seminarräume ausgestattet? Sind die Räume technisch am neuesten Stand? Weiters ist abzuklären, ob regelmäßige Befragungen der Teilnehmerzufriedenheit durchgeführt werden und ob diese Ergebnisse auch veröffentlicht werden. Ein weiterer Qualitätsindikator bei abschlussbezogenen Weiterbildungen sind die Abbruchs- und Erfolgsquoten sowie allfällige Prüfungsergebnisse. Gerade bei längerfristigen Maßnahmen werden oft von den Anbietern Informationsveranstaltungen oder ein „Tag der offenen Tür“ angeboten, bei denen Interessenten einen Blick hinter die Kulissen werfen und offene Fragen klären können.

Welche Art der Weiterbildung wird geboten?

Interessente sollten abklären, was die rechtlichen Grundlagen des Weiterbildungsangebotes sind. Liegt eine genaue Bezeichnung des Abschlusses vor und stimmt diese auch mit den Inhalten und Lernzielen überein? Um das Zertifikat in Folge beruflich nutzen zu können, ist zu hinterfragen, ob es in der Wirtschaft anerkannt ist. Hierbei ist es sinnvoller, eine neutrale Stelle zu befragen, wie z.B. Recruiter oder Personalentwickler. Personen, die eine internationale Karriere anstreben, sollten herausfinden, ob das Zertifikat auch im Ausland gültig ist. Abzuklären ist auch die Erreichbarkeit des Lernortes. Wenn Praktika vorgesehen sind, wie sind diese Orte erreichbar? Dabei sollte geklärt werden, ob bei entfernten Seminarorten, die Kosten für Übernachtung, Verpflegung bereits in den Kurskosten inkludiert sind, oder ob diese extra anfallen. Auch bei Exkursionen und Praktika sollten allfällige Zusatzkosten erfragt und einkalkuliert werden. Ein weiteres wesentliches Kriterium ist die Dauer und die zeitliche Aufteilung der Maßnahme. Ist es eine Vollzeit-, eine berufsbegleitende Maßnahme oder ist gar ein Fernstudium möglich? Sind neben den Präsenzzeiten, auch Übungen außerhalb der Kurszeiten einzuplanen? Einige Veranstalter bieten Lehrgänge im Blended-Learning Verfahren an, um Präsenzzeiten zu reduzieren. Die Zeitfenster für die Übungen sind aber zusätzlich zeitlich einzuplanen. Zu achten ist, ob in den Ausschreibungen die exakten Kurszeiten angegeben sind und ob realistische Einschätzungen über die einzuplanenden Lernzeiten gegeben werden.

Wie sieht der Aufbau der Weiterbildungsmaßnahme aus?

Die Qualität einer zertifizierten beruflichen Weiterbildung hängt stark von der Strukturierung, der zu vermittelnden Inhalte, den eingesetzten Methoden und Medien und der Sicherstellung eines konkreten Praxisbezuges ab. Gute Anbieter machen darüber genaue Angaben in ihren Ausschreibungen. Aus der Ankündigung sollte klar herausgehen, welche Lernziele verfolgt werden. Welche Methoden und Medien werden eingesetzt? Gibt es einen Methoden-Mix und entspricht dieser auch den Qualifikationen der Lehrenden? Um die fachliche Qualität während der Durchführung sicherzustellen, sollten auch Angaben über notwendige Vorkenntnisse der Teilnehmenden gemacht werden. Zu hinterfragen ist, ob diese bei der Anmeldung auch überprüft werden. Einige Anbieter führen kurze Erstgespräche über die Vorkenntnisse und Motivation der Teilnahme mit den Interessenten.

Sind Prüfungen geplant, gilt es herauszufinden, in welcher Form eine Evaluierung des Lernerfolges stattfindet.

Ist die Weiterbildung praxisrelevant?

Ein ganz wesentliches Kriterium ist der Praxisbezug der Weiterbildung. Um einen möglichst guten Lerntransfer zu ermöglichen, sollte die Weiterbildung an den beruflichen Qualifikationen und Erfahrungen der Teilnehmenden anknüpfen. Hierfür sind ausreichende Übungen und Praxisphasen notwendig. Es ist abzuklären, ob die Maßnahme genügend Praxisanteile eingeplant und die Lehrkräfte über einschlägige Praxiserfahrung verfügen. Werden Praktika durchgeführt so, ist es interessant, mit welchen Betrieben der Anbieter zusammenarbeitet.

Welche Bedeutung hat das Zertifikat für die berufliche Entwicklung?

Bevor die Entscheidung über ein konkretes Weiterbildungsangebot getroffen wird, sollten zuvor noch einmal die eigenen beruflichen und persönlichen Ziele hinterfragt werden. Wird die Weiterbildung gemacht, um den Arbeitsplatz zu sichern? Soll diese einen Karrieresprung vereinfachen, oder der Wiedereinstieg oder gar eine Existenzgründung ermöglicht werden? Jedenfalls ist abzuklären, ob die Weiterbildung den betrieblichen Anforderungen entspricht und die erworbenen Kenntnisse später in diesem Berufsfeld verwertet werden können. Vorsicht ist geboten bei Angeboten, die einen Karrieresprung in Aussicht stellen. In den seltensten Fällen ist der Abschluss einer einzelnen Weiterbildungsmaßnahme der Garant für den beruflichen Aufstieg.

Die Mühe lohnt sich

Zugegebenermaßen ist das Einholen aller, oben genannter Informationen kein leichtes Unterfangen. Da es sich bei vielen zertifizierten beruflichen Weiterbildungen aber um sehr kostenintensive und längerfristige Maßnahmen handelt, die einen beruflichen Nutzen bringen sollen, lohnt sich eine Auseinandersetzung mit Fragen der Qualität und der Produktvergleich jedoch.

Anbieter können es in dieser Hinsicht ihren Kunden leichter machen, indem sie die oben beschriebenen Informationen in ihren Ausschreibungen zugänglich machen.

Andrea Jindra

Über den Autor: Andrea Jindra

Mag. Andrea Jindra ist Geschäftsführerin des Beratungs- und Trainingsinstituts Die BILDUNGSMANAGER sowie Günderin und Geschäftsführerin von Weiterbildungsmarkt.net. Mit dem Fokus auf online Vermarktungslösungen für Weiterbildungsanbieter ist sie beratend und trainierend für namhafte Weiterbildungsinstitute und Hochschulen tätig.

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