{"id":1600,"date":"2014-03-25T08:30:03","date_gmt":"2014-03-25T06:30:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=1600"},"modified":"2014-03-06T12:28:27","modified_gmt":"2014-03-06T10:28:27","slug":"entreprenieurship-wie-viel-unternehmertum-ist-im-unternehmen-gefragt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/entreprenieurship-wie-viel-unternehmertum-ist-im-unternehmen-gefragt\/","title":{"rendered":"Entreprenieurship: Wie viel Unternehmertum ist im Unternehmen gefragt?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eWir brauchen unternehmerisch denkende und handelnde Mitarbeiter\u201c \u2013 das betonen fast alle Unternehmen. Doch k\u00f6nnen gute Manager zugleich gute Unternehmer \u2013 und umgekehrt \u2013 sein? Und verderben zu viele \u201eK\u00f6che\u201c, sprich Unternehmer im Unternehmen, nicht \u201eden Brei\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle reden von ihm und alle w\u00fcnschen sich ihn. Zudem fehlt er in keinem anspruchsvollen Inserat, und er wird in den meisten Unternehmensvisionen heraufbeschworen: der unternehmerische Mitarbeiter. \u00dcberall ist vom unternehmerisch denkenden und handelnden Mitarbeiter die Rede \u2013 oder kurz: vom Unternehmer im Unternehmen. Doch was passiert, wenn ein Mitarbeiter die Aufforderung w\u00f6rtlich nimmt, sich engagiert und Risiken eingeht oder gar bei der Unternehmensstrategie mitreden m\u00f6chte? Dann werden ihm rasch Grenzen gesetzt, und er wird von der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung oder vom Vorstand zur\u00fcckgepfiffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen Unternehmern und Managern besteht in der Tat ein systemischer Unterschied. Der klassische Unternehmer ist auf sich gestellt. Er tr\u00e4gt die Verantwortung und Risiken f\u00fcr sein Unternehmen und sein Handeln. Und er verf\u00fcgt in der Regel aufgrund seines Naturells \u00fcber besondere Voraussetzungen: Er wei\u00df, was zu tun ist. Ein Unternehmer braucht keine Beratung. Firmen wie Siemens und Bosch wurden in der ersten Generation auch ohne Beratungsbudgets gro\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Unterschied dazu ist der Manager in erster Linie ein Angestellter. Er bezieht jeden Monat seinen Lohn. Er tr\u00e4gt das Risiko f\u00fcr seinen eigenen Marktwert, nie aber die volle Verantwortung f\u00fcr die Risiken, die er f\u00fcr das Unternehmen eingeht.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Manager-Angestellter oder Unternehmer-Angestellter?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist angesichts dieses Befunds vom Unternehmertum im Unternehmen zu halten? Alles nur Wunschdenken, ein Thema f\u00fcr theoretische Abhandlungen, ein Hirngespinst? Um diese Fragen zu beantworten, ist es sinnvoll, den 1985 erschienenen Klassiker \u201eInnovation and Entrepreneurship\u201c von Peter F. Drucker wieder einmal hervorzuholen und zu Rate zu ziehen. In ihm legt der US-amerikanische Managementvordenker sein Konzept des unternehmerischen Mitarbeiters dar \u2013 in seiner typischen Art, praktisch und verst\u00e4ndlich. Und auch heute noch, fast 30 Jahre sp\u00e4ter, sind seine \u00dcberlegungen relevant und aktuell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drucker unterscheidet den Manager-Angestellten vom Unternehmer-Angestellten mit folgendem typologischen Ansatz:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Ein Manager befasst sich mit dem Bestehenden. Er verbessert und optimiert. Das gilt f\u00fcr die Produkte, die Prozesse, die Beziehungen, die Organisation. Dabei wirkt er durchaus nicht nur als \u201epassiver\u201c Verwalter. Er ist aktiv, verantwortungsvoll und initiativ \u2013 aber immer im Rahmen des gegebenen Gesch\u00e4fts.<\/li>\n<li>Ein Unternehmer betreibt das, was Schumpeter \u201edie kreative Zerst\u00f6rung\u201c nannte. Er stellt alles dauernd infrage, macht den Gr\u00fcne-Wiese-Ansatz und kennt das Argument \u201ebisher hat man es immer so gemacht\u201c nicht. Er stellt das bestehende Gesch\u00e4ftsmodell auf den Kopf und kennt keine Tabus. Er passt auch nicht in Routinearbeiten. Sobald etwas funktioniert, verliert er das Interesse und sucht neue Herausforderungen. Er kreiert neue Produkte und Gesch\u00e4fte und f\u00fchlt sich in einem Start-up wohler als in der Buchhaltung.<\/li>\n<\/ul>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Unternehmen brauchen Manager und Entrepreneurs<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Druckers Definition des Entrepreneurs sprengt die g\u00e4ngige Vorstellung vom Unternehmer, der selbstst\u00e4ndig ein kleines Gesch\u00e4ft f\u00fchrt. Entrepreneurship macht Drucker auch in gro\u00dfen etablierten Unternehmen und im \u00f6ffentlichen Verwaltungsbereich aus. \u201eGr\u00f6\u00dfe\u201c ist f\u00fcr ihn kein Hindernis f\u00fcr unternehmerisches und innovatives Denken und Handeln. F\u00fcr Drucker macht zudem nicht eine \u201eunternehmerische Pers\u00f6nlichkeit\u201c mit einem \u201eHang zur Risikofreude\u201c den Entrepreneur aus, sondern seine Haltung. F\u00fcr den Entrepreneur ist Ver\u00e4nderung und nicht der Status quo das Normale, und im Wandel sieht er stets die Chance f\u00fcr Innovationen. Und: Jeder f\u00e4hige Manager kann auch als Entrepreneur wirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drucker geht es nicht darum, Unternehmer gegen Manager auszuspielen. Im Gegenteil: Die beiden Funktionen erg\u00e4nzen sich zwingend. Ein Unternehmen, das nur Manager hat, ver\u00e4ndert sich zu wenig, verpasst neue Technologiespr\u00fcnge oder Umw\u00e4lzungen im Kundenverhalten. Ein Betrieb mit lauter Unternehmern bringt es auf keinen gr\u00fcnen Zweig, weil immer etwas Neues versucht wird und Managementkenntnisse fehlen. Nur die richtige Kombination von Managern und Unternehmern garantiert den Erfolg.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Konzept des \u201eEntrepreneurial Managements\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Basis dieser Erkenntnis entwickelte Drucker sein Konzept des \u201eEntrepreneurial Managements\u201c. So wie der Manager mit Methoden und Tools arbeitet, soll auch der Entrepreneur systematisch vorgehen und dabei bew\u00e4hrte Prinzipien und Methoden anwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEntrepreneurial Management\u201c bedeutet demnach, systematisch Innovation zu betreiben. Drucker macht deutlich, dass Innovationen nur selten spontan aus genialen Ideen hervorgehen. Sie beruhen zu \u00fcber 90 Prozent auf gezielter, organisierter Innovationsarbeit. Diese Innovationsarbeit ist gewissen Prinzipien verpflichtet. Dabei gilt es insbesondere in sieben Bereichen Anzeichen und Symptome des Wandels aufzusp\u00fcren, die auf g\u00fcnstige Neuerungschancen hinweisen, und diese zu analysieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Drucker ist \u201eunternehmerisches Management\u201c also einerseits eine Disziplin, die spezifische Konzepte und Methoden anwendet und sich erlernen l\u00e4sst. Andererseits erfordert \u201eEntrepreneurial Management\u201c, dass die organisatorischen Voraussetzungen f\u00fcr erfolgreiche In\u00adnovationsarbeit geschaffen werden. Und die Unternehmensleitung? Sie hat daf\u00fcr zu sorgen, dass ein Betrieb f\u00fcr Innovation offen und empf\u00e4nglich ist und muss dazu die notwendigen Strukturen sowie Anreiz-, Kontroll- und Steuerungsinstrumente schaffen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Konsequenzen f\u00fcr die Unternehmensf\u00fchrung<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Betriebsf\u00fchrung bedeutet Druckers Konzept des \u201eEntrepreneurial Managements\u201c vor allem eines: Innovationsmanagement ist im Unternehmen als Handwerk zu etablieren, damit Innovation auch praktisch realisierbar wird. Das hat weitreichende Konsequenzen f\u00fcr die meisten Dimensionen der Unternehmensf\u00fchrung. Die vier wichtigsten werden hier kurz erl\u00e4utert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Strategieentwicklung:<\/i> In der Ausgangslage muss klar aufgezeigt werden, wie viel Wachstum das bestehende Gesch\u00e4ft hergibt, um danach den strategischen Gap zu bestimmen. Diese L\u00fccke ist durch Innovationen zu f\u00fcllen. Zum Erarbeiten neuer strategischer Projekte steht \u2013 f\u00fcr alle zug\u00e4nglich \u2013 eine breite Palette von Methoden und Tools zum Thema Innovationsmanagement zur Verf\u00fcgung. Wichtig ist es, danach die Umsetzungsma\u00dfnahmen nach bestehendem und neuem Gesch\u00e4ft zu trennen. W\u00e4hrend Bestehendes zur Umsetzung in die Linie gegeben wird, ben\u00f6tigt das neue Gesch\u00e4ft besondere Sorgfalt. \u201eTrenne Altes von Neuem\u201c, empfahl Drucker \u2013 und genau hier k\u00f6nnen die Kompetenzen und F\u00e4higkeiten von unternehmerischen Mitarbeitern genutzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Organisation:<\/i> In der Organisation m\u00fcssen Freir\u00e4ume f\u00fcr unternehmerisches, kreatives Denken und Handeln geschaffen werden. Aber auch Abgrenzungen sind n\u00f6tig, damit das bestehende Gesch\u00e4ft nicht dauernd infrage gestellt wird. Ein erfolgreiches Unternehmen sch\u00f6pft das bestehende Gesch\u00e4ft aus und besitzt die F\u00e4higkeit zugleich Neues zu schaffen. So arbeitet zum Beispiel in der Forschung &amp; Entwicklung ein Teil der Mitarbeiter an Verbesserungen bestehender Produkte, w\u00e4hrend ein Think Tank Projekte auf der gr\u00fcnen Wiese entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Personalentwicklung:<\/i> Mitarbeiter haben unterschiedliche F\u00e4higkeiten. F\u00fcr deren Nutzung gilt das Prinzip auf St\u00e4rken aufbauen. \u201eGeborene\u201c Buchhalter sind nur gl\u00fccklich, wenn jeden Abend Soll und Haben sowie Passiva und Aktiva \u00fcbereinstimmen, und kreative Chaoten bringen nie die Buchhaltung in Ordnung. Eine Unterst\u00fctzung bieten hierbei solche Analyseinstrumente wie das DISG-Pers\u00f6nlichkeitsprofil, mit denen mit den Mitarbeitern eruiert werden kann, wer wo am besten eingesetzt wird. Eine Evaluation der Denkstile und Verhaltenspr\u00e4ferenzen sowie Kompetenzen und St\u00e4rken der Mitarbeiter hilft dabei, den strategischen Aufbau von Neugesch\u00e4ften abzusichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Controlling:<\/i> Innovationen und neue Gesch\u00e4fte m\u00fcssen anders gemessen und beurteilt werden als Bestehendes. F\u00fcr Start-ups sind der Kundennutzen und die relative Qua\u00adlit\u00e4t wichtiger als Umsatz und Ergebnis. W\u00e4hrend zwei Prozent Umsatzwachstum in einem stagnierenden Markt ein gutes Ergebnis sein kann, muss die gleiche Kennzahl f\u00fcr ein neues Gesch\u00e4ft viel h\u00f6her liegen \u2013 jedenfalls h\u00f6her als das Marktwachstum. Innovationscontrolling unterscheidet sich demnach grunds\u00e4tzlich vom klassischen Controlling und muss getrennt gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Unternehmer im Unternehmen entwickeln<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Fazit der Besch\u00e4ftigung mit Peter F. Drucker ist: Sein Ansatz des \u201eEntrepreneurial Management\u201c zeigt, dass es sehr wohl Sinn macht, vom Unternehmertum im Unternehmen zu sprechen, denn unternehmerische Mitarbeiter sind letztlich unentbehrlich, um die Innovationsf\u00e4higkeit und damit \u00dcberlebensf\u00e4higkeit einer Organisation langfristig zu sichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch unternehmerisch denkende und handelnde Mitarbeiter fallen, ebenso wie Manager, nicht vom Himmel. Sie m\u00fcssen von den Unternehmen gezielt entwickelt werden \u2013 zum Beispiel, indem die Unternehmens- oder Bereichsleitung Mitarbeiter mit einem entsprechenden Potenzial gezielt in die Strategieentwicklung integriert. Oder indem sie im Unternehmen Start-ups schafft, in denen der F\u00fchrungsnachwuchs seine unternehmerischen F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten austesten und entfalten kann. Ansonsten verpufft das Potenzial der Mitarbeiter wirkungslos.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Autor:<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1475\" alt=\"Furger, Ignaz_Portrait\" src=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Furger-Ignaz_Portrait-120x120.jpg\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Furger-Ignaz_Portrait-120x120.jpg 120w, https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Furger-Ignaz_Portrait-210x210.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/>Ignaz Furger<\/strong> ist Inhaber der Furger und Partner AG Strategieentwicklung, Z\u00fcrich, die Unternehmen beim Entwickeln und Umsetzen nachhaltiger Strategien unterst\u00fctzt und ihre Mitarbeiter im strategischen Management qualifiziert. Er ist Autor des Ende 2013 erschienenen Hand- und Arbeitsbuchs \u201eLeitfaden Strategie\u201c, das den Mitarbeitern und Entscheidern in Unternehmen eine praktische Anleitung f\u00fcr das eigenst\u00e4ndige Entwickeln und Umsetzen von Unternehmensstrategien gibt.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fentreprenieurship-wie-viel-unternehmertum-ist-im-unternehmen-gefragt%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fentreprenieurship-wie-viel-unternehmertum-ist-im-unternehmen-gefragt%2F&text=Entreprenieurship%3A%20Wie%20viel%20Unternehmertum%20ist%20im%20Unternehmen%20gefragt%3F\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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