{"id":2212,"date":"2015-04-23T07:31:33","date_gmt":"2015-04-23T05:31:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=2212"},"modified":"2017-11-09T18:49:02","modified_gmt":"2017-11-09T16:49:02","slug":"7-coaching-grundprinzipien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/7-coaching-grundprinzipien\/","title":{"rendered":"7 Coaching-Grundprinzipien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Coaches sind keine \u201eRezeptgeber\u201c oder \u201eL\u00f6sungslieferanten\u201c, sondern \u201eBef\u00e4higer\u201c und \u201eErm\u00f6glicher\u201c. Deshalb haben sie eine andere Arbeitsweise als Trainer und Berater. Das setzt auch ein anderes Selbstverst\u00e4ndnis sowie Verst\u00e4ndnis von Wirklichkeit voraus. Die Wiener Coach-Ausbilderin Sabine Prohaska nennt sieben Grundprinzipien, von denen sich Coachs bei ihrer Arbeit leiten lassen. <\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Prinzip 1: Zirkularit\u00e4t statt T\u00e4ter-\/Opferperspektive<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mittelpunkt der Coachingarbeit stehen der Klient und sein Beziehungssystem. Systemische Sichtweisen sind bem\u00fcht, die Probleme von Menschen im Kontext ihrer<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>biographisch bedingten Entwicklung sowie<\/li>\n<li>sozialen Vernetzung in ihrem privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zirkularit\u00e4t bedeutet in diesem Kontext: In komplexen, sozialen Prozessen (wie zum Beispiel bei der Zusammenarbeit in Unternehmen) kann zwischen Ursache und Wirkung nicht klar unterschieden werden. Denn: Jedes Verhalten einer Person wirkt auf das der relevanten Mitglieder ihrer Umwelt, und deren Reaktionen wiederum auf die Person zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zirkularit\u00e4t negiert somit eine lineare Kausalit\u00e4t, die Voraussetzung f\u00fcr ein Identifizieren von Verursachern ist. Folglich geht es beim Coachen nie um die Suche nach Schuldigen beziehungsweise den Ausl\u00f6sern einer Situation, weil alles mit allem verbunden ist. Vielmehr ist das Veranschaulichen und Ver\u00e4ndern von (Kommunikations-, Wahrnehmungs- und Interpretations-)Strukturen ein wesentliches Ziel system-orientierter Modelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An die Stelle linearer Betrachtungsweisen \u2013 A verursacht B \u2013 treten zirkul\u00e4re, kreisf\u00f6rmige Betrachtungsweisen: A wirkt auf B, und B wirkt auf A zur\u00fcck. Bei der zirkul\u00e4ren Betrachtungsweise geht es also um Wechselbeziehungen. Die Maxime lautet: Blicke weiter, schaue auf das Ganze.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Prinzip 2: Allparteilichkeit und Neutralit\u00e4t versus Parteilichkeit<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neutralit\u00e4t ist eine wichtige Haltung von Coaches. Sie beinhaltet eine gelassene Neugier gegen\u00fcber allen Sichtweisen, Erkl\u00e4rungen und Werten \u2013 und seien sie dem Coach noch so fremd. Neutralit\u00e4t zeigt sich auch in der Allparteilichkeit \u2013 also im Bestreben, alle Mitglieder des Systems aus ihrer Perspektive heraus zu verstehen und ihre Sichtweisen zu wertsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuweilen ist es sinnvoll, als Coach auch gegen\u00fcber Problemen und dem Wunsch nach Ver\u00e4nderung neutral zu sein. Fragen, die eine entsprechende Neutralit\u00e4t signalisieren, sind unter anderem:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>\u201eWie w\u00fcrde Herr\/Frau X das beschreiben?\u201c Und:<\/li>\n<li>\u201eWas spricht daf\u00fcr, alles so zu lassen, wie es ist?\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Prinzip der Allparteilichkeit hat jedoch Grenzen. Coachs haben als Konfliktlotsen auch die Aufgabe, die Coachees, also ihre Klienten, zu erm\u00e4chtigen, sich gegen ungerechte Strukturen zu wehren \u2013 die zum Beispiel eine \u00f6konomische, politische oder soziale Benachteiligung bewirken. Also m\u00fcssen sie beim Prinzip der Neutralit\u00e4t darauf achten, wann eine andere Grundhaltung der Situation angemessener ist.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Prinzip 3: Grundhaltung des Nicht-Wissens<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hiermit ist nicht gemeint, dass professionelle Caches so tun, als w\u00fcssten sie nichts. Vielmehr bezieht sich diese Grundhaltung auf die Art des Umgangs mit ihrem Wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Coaches formulieren und artikulieren Hypothesen nicht aus der \u00fcberlegenen Haltung eines Experten heraus, der mehr als der Klient wei\u00df (und\/oder kann), sondern aus der bescheidenen Haltung des Nicht-Wissens. Denn professionelle Coaches wissen zwar viel, sie wissen aber nicht, was das Beste f\u00fcr ihre Gespr\u00e4chspartner ist. Das m\u00fcssen diese selbst entdecken. Au\u00dferdem kennen oder erahnen die Coaches aufgrund ihrer Erfahrung und Profession zwar m\u00f6gliche L\u00f6sungen des Problems. Doch sie wissen nicht, was die L\u00f6sung des Coachees ist \u2013 denn sie sind keine \u201eRezeptgeber-\u201c oder gar \u201e-lieferanten\u201c, sondern \u201eBef\u00e4higer\u201c und \u201eErm\u00f6glicher\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Zwangskontexten ist es besonders wichtig, die Grundhaltung des Nicht-Wissens einzunehmen beziehungsweise durchzuhalten; au\u00dferdem in Situationen, in denen der Coach vom Coachee (oder vom ihn beauftragenden System) als Experte, sprich Probleml\u00f6ser angefragt ist. In ihnen k\u00f6nnen Coaches zwar durchaus eine erste eigene Meinung kundtun oder Einsch\u00e4tzung geben, diese sollte jedoch stets als vorl\u00e4ufige sowie zu \u00fcberpr\u00fcfende und gegebenenfalls revidierbare gekennzeichnet sein. Denn der Coachee ist und bleibt auch dann der Experte f\u00fcr das Problem und seine L\u00f6sung. Und dies gilt es zu artikulieren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Prinzip 4: Wertsch\u00e4tzung und Respekt f\u00fcr die Person<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein systemisches Coaching setzt Respekt und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Person des Coachees voraus. Diese Haltungen sind die Basis f\u00fcr eine fruchtbare Zusammenarbeit. Respektlos kann sich ein Coach jedoch gegen\u00fcber dem Problem des Coachees und seinen Symptomen zeigen \u2013 nicht selten ist dies sogar n\u00f6tig, um Impulse zur Ver\u00e4nderung zu setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist jedoch nur m\u00f6glich, wenn die Beziehung Coach-Coachee f\u00fcr den Coachee erkenn- und erfahrbar von Respekt und Wertsch\u00e4tzung gepr\u00e4gt ist. Sonst besteht die Gefahr, dass der Coachee die Respektlosigkeit gegen\u00fcber seinem Problem als Ausdruck mangelnder Wertsch\u00e4tzung seiner Person interpretiert.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Prinzip 5: L\u00f6sungs- und Ressourcenorientierung<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim systemischen <a href=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/top-thema-coaching\/\">Coaching <\/a>erfolgt eine Fokusverschiebung vom Individuum hin zum Kontext der Problementstehung. Eine Kernfrage lautet: Wer ist an der Problemerzeugung und am Aufrechterhalten des Problems beteiligt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00f6sungsorientierung bedeutet: Der Fokus wird vom Problemsystem zum L\u00f6sungssystem verlagert: Wer (und was) ist wichtig f\u00fcr die L\u00f6sung des Problems?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der amerikanische Psychotherapeut und Fachbuchautor Steve de Shazer und sein Team haben die L\u00f6sungsorientierung zu einer eigenen Beratungsform ausgebaut. Sie stellen standardm\u00e4\u00dfig folgende Fragen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>\u201eAngenommen Ihr Problem ist gel\u00f6st: Was ist dann anders?\u201c Und:<\/li>\n<li>\u201eWelche Ausnahmen vom Problem gab es? Wann und wo war das? Was war damals anders?\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Fragen verlagern den Schwerpunkt der Aufmerksamkeit vom Problem und dem, was nicht funktioniert, hin zur m\u00f6glichen L\u00f6sung. Au\u00dferdem wird nach Ressourcen gefragt: Welche Beteiligten haben welche F\u00e4higkeiten, St\u00e4rken, kraftvollen und \u201egesunden\u201c Seiten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ressourcenorientierung bedeutet: Coaches gehen davon aus, dass ihre Klienten die erforderlichen M\u00f6glichkeiten und Potenziale haben, ihre Probleme selbst (oder mit selbst organisierter Unterst\u00fctzung) zu l\u00f6sen. Dieses Bewusstsein gilt es ihnen auch zu vermitteln. Doch wie fast immer gibt es Ausnahmen von der Regel. Deshalb lautet ein weiteres wesentliches Coaching- Prinzip: einen Unterschied machen, der einen wirklichen Unterschied macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft f\u00fcr Coaches konkret, dass sie sich in Klienten-Gespr\u00e4chen zum Beispiel fragen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>\u201eIst es in dieser Situation (in dieser Familie, bei diesem Klienten) wirklich zielf\u00fchrend, den Blick vor allem auf die Ressourcen zu richten, oder<\/li>\n<li>w\u00e4re es zielf\u00fchrender, das \u201areale\u2018 Problem zu analysieren und zu \u201abearbeiten\u2018?\u201c (also das Gespr\u00e4ch zum Beispiel auf die materielle Existenzsicherung des Klienten zu fokussieren oder die konkrete Sachhilfe, die er ben\u00f6tigt)?<\/li>\n<\/ul>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Prinzip 6: Kunden-\/Klientenorientierung<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Coaches sind pers\u00f6nliche Dienstleister, die f\u00fcr ihre Leistungen bezahlt werden \u2013 direkt oder indirekt. Folglich orientiert sich der Coachingprozess prim\u00e4r an den Interessen und Zielen ihrer Klienten beziehungsweise Coachees und nur sekund\u00e4r an ihren eigenen Zielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb ist ein zentrales Element des Coachings die Kl\u00e4rung der Auftr\u00e4ge der Klienten. Diese werden so weit operationalisiert, dass m\u00f6glichst allen Beteiligten klar wird, wie die Zielerreichung aussieht und woran man sie erkennt. Ob und wann das Ziel erreicht ist, entscheidet jedoch der Klient oder Kunde. Er ist der Experte in Bezug auf die Inhalte der Beratung, also der \u201eKundige\u201c seiner Probleme. Folglich ist er auch der Experte f\u00fcr seine L\u00f6sungen \u2013 der Coach ist nur der Experte f\u00fcr den Prozess.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Prinzip 7: Die Wirklichkeit ist eine subjektive Konstruktion<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gefragt wird im systemischen Coaching nicht danach, wie es \u201ewirklich\u201c ist, sondern nach Ideen und Bedeutungsgebungen. Denn die \u201eWirklichkeit\u201c (einer Person) wird stets als eine subjektive, also vom Individuum selbst konstruierte erachtet, in die unter anderem individuelle Erfahrungen und Werte einflie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die Probleme sowie deren Symptome? Sie werden im Zusammenhang mit erstarrten Wirklichkeitskonstruktionen gesehen, aus denen der Coachee sich ohne Unterst\u00fctzung nicht oder nur schwer l\u00f6sen kann. Aufgabe des Coaches ist es, dem Coachee neue Perspektiven\/Sichtweisen und somit neue M\u00f6glichkeiten zu er\u00f6ffnen und nicht \u201efalsche\u201c durch \u201erichtige\u201c Wirklichkeitskonstruktionen zu ersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Systemische Praxis wird \u2013 in Anlehnung an Heinz von Foerster, einem Mitbegr\u00fcnder der kybernetischen Wissenschaft \u2013 oft verstanden unter dem Leitmotiv: \u201eAnders sehen \u2013 anders handeln\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine beobachter-unabh\u00e4ngige Wirklichkeit gibt es beim systemischen Coaching nicht (beziehungsweise ist uns Menschen nicht zug\u00e4nglich). Denn, alles was wir wahrnehmen, was um uns passiert sowie was andere tun, hat immer auch mit uns zu tun beziehungsweise damit, wie wir die Ereignisse und Wahrnehmungen interpretieren. Unsere subjektive \u201eWirklichkeit\u201c ist somit auch eine Reaktion auf unser Dasein und Verhalten.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2F7-coaching-grundprinzipien%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2F7-coaching-grundprinzipien%2F&text=7%20Coaching-Grundprinzipien\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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