{"id":2823,"date":"2016-04-11T07:40:42","date_gmt":"2016-04-11T05:40:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=2823"},"modified":"2017-02-25T14:41:49","modified_gmt":"2017-02-25T12:41:49","slug":"die-balance-wahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/die-balance-wahren\/","title":{"rendered":"Die Balance wahren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie bewahre ich die rechte Balance zwischen den verschiedenen Zielen? Diese Frage spielt in der Managementdiskussion eine wachsende Rolle. Und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob es darum geht, als Manager Unternehmen zu steuern oder als Arbeitnehmer seine Leistungsf\u00e4higkeit und Lebensfreude zu bewahren.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie steuere ich die Entwicklung des mir anvertrauten Unternehmens \u2013 und zwar so, dass dieses sowohl kurzfristig, als auch mittel- und langfristig erfolgreich ist? Auf diese Frage m\u00fcssen alle Top-Manager eine Antwort finden. Deshalb wurden hierf\u00fcr schon viele Instrumente entwickelt \u2013 zum Beispiel die Balanced Scorecard (BSC). In diesem von Robert S. Kaplan und David P. Norton entwickelten System sahen viele F\u00fchrungskr\u00e4fte jahrelange das Mittel, um den Erfolg ihres Unternehmens(-bereichs) zu steuern. Denn im Gegensatz zu zahlreichen anderen Managementsystemen, die einseitig den kurzfristigen finanziellen Ertrag betonen, verbindet das BSC-Konzept folgende vier Perspektiven miteinander:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Finanzen (Was erwarten die Kapitalgeber?),<\/li>\n<li>Kunden (Worauf legen die Kunden Wert?),<\/li>\n<li>Prozesse (Wie m\u00fcssen die Abl\u00e4ufe gestaltet sein?),<\/li>\n<li>Mitarbeiter\/Entwicklung (Welche Potenziale brauchen wir k\u00fcnftig?).<\/li>\n<\/ul>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Kurzfristiges Denken und Handeln dominiert<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Euphorie, die vor einigen Jahren bez\u00fcglich des BSC-Konzepts herrschte, ist heute verflogen. Doch wenn es um das F\u00fchren von Unternehmen geht, st\u00f6\u00dft es immer noch auf eine gro\u00dfe Resonanz. Auch aus folgendem Grund: Viele Unternehmensf\u00fchrer \u2013 speziell von Kapitalgesellschaften \u2013 befinden sich heute in dem Dilemma, dass die Qualit\u00e4t ihrer Arbeit weitgehend an den Quartalszahlen gemessen wird. Weisen Umsatz und Ertrag gegen\u00fcber dem Vorjahr keine Zuwachsraten auf, sinken nicht nur die Aktienkurse, auch ihre Kompetenz wird hinterfragt. Folglich orientieren viele<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unternehmensf\u00fchrer ihr Alltagshandeln am kurzfristigen Ertrag \u2013 wohl wissend, dass mittel- und langfristig, wenn die n\u00f6tigen Investitionen zum Beispiel f\u00fcr Produktentwicklung und Markterschlie\u00dfung unterbleiben, die Erfolgschancen ihres Unternehmens sinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie diesem Dilemma entgehen? Auf diese Frage haben zahlreiche Top-Manager keine Antwort. Deshalb greifen sie nach Managementinstrumenten, die ihnen versprechen, die Z\u00fcgel wieder in den H\u00e4nden zu halten. Besonders attraktiv wirken diese, wenn sie wie die Balanced Scorecard alle strategischen Zielsetzungen mit Kennzahlen hinterlegen, die top-down heruntergebrochen werden. Denn dann erscheint die Entwicklung des Unternehmens wieder von oben steuerbar \u2013 zumindest in der Theorie!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders ist es in der Unternehmenspraxis. Hier l\u00e4sst sich auch mit der BSC die kurz- und langfristige Entwicklungsperspektive oft nur schwer verbinden. Ein Indiz hierf\u00fcr: Fast ein Drittel der Unternehmen, die mit der BSC arbeiten, verzichten in ihrer Scorecard auf die Entwicklungs- beziehungsweise Mitarbeiterperspektive, wodurch aus dem Instrument zur Erfolgssteuerung ein Controllinginstrument wird. Die gew\u00fcnschte Balance zwischen kurz- und langfristigen Zielen erreichen die Unternehmensf\u00fchrer so nicht.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Selbst-Unternehmertum gefragt<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur die Unternehmenslenker haben zunehmend Balance-Probleme \u2013 \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich mit den anderen Leistungstr\u00e4gern in den Unternehmen. Auch ihnen f\u00e4llt es zunehmend schwer, allen Anforderungen gerecht zu werden \u2013 weshalb sich das Thema \u201eWork-Life-Balance\u201c zu einem Standardthema der betrieblichen Weiterbildung entwickelt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So verschieden die Angebote in diesem Bereich auch sind, zwei Kernfragen lauten bei ihnen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Wie gelingt es mir, allen an mich gestellten Anforderungen gerecht zu werden? Und:<\/li>\n<li>Wie gelingt es mir, die rechte Balance zwischen meinen beruflichen und privaten Zielen zu wahren?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Grund: Vielen Leistungstr\u00e4gern in den Unternehmen f\u00e4llt es aufgrund des gestiegenen Arbeitsdrucks und geforderten Flexibilit\u00e4t zunehmend schwer, ihre verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen und (mit ihren Lebenspartnern) langfristige Lebenspl\u00e4ne zu entwerfen. Denn als beruflich stark engagierte Personen sind sie mit \u00e4hnlichen Anforderungen wie die Unternehmensf\u00fchrer konfrontiert: Einerseits sollen sie kurzfristig einen m\u00f6glichst hohen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten, andererseits daf\u00fcr sorgen, dass langfristig ihre Qualifikation gefragt und ihre Leistungskraft gewahrt bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies setzt nicht nur eine kontinuierliche Weiterbildung und pers\u00f6nliche Weiterentwicklung voraus. Vielmehr gilt es auch, durch eine entsprechende Lebensf\u00fchrung gesundheitliche und psychische Probleme zu vermeiden. Doch auch das regelm\u00e4\u00dfige Joggen und das Pflegen der famili\u00e4ren sowie freundschaftlichen Bande, die emotionalen Halt vermitteln, erfordern Zeit. Diese Zeit fehlt vielen beruflich stark engagierten Personen immer h\u00e4ufiger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb plagt viele Arbeitnehmer zunehmend das Gef\u00fchl: Irgendetwas kommt stets zu kurz. Wenn ich versuche, den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden, kommen meine Familie und meine Hobbys zu kurz. Wenn ich hingegen meinen privaten Interessen die gew\u00fcnschte Aufmerksamkeit schenke, werde ich den beruflichen Anforderungen nicht gerecht. Dies ist kein Einzelschicksal. Das zeigt sich darin, dass immer mehr Leistungstr\u00e4ger von Unternehmen \u00fcber Burn-out-Symptome klagen oder den Wunsch \u00e4u\u00dfern, bereits vor dem Rentenalter aus dem Berufsleben auszusteigen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Kernkompetenz: Balance wahren<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Deshalb ist die These nicht gewagt: Die F\u00e4higkeit, die rechte Balance zu wahren, wird sich zu einer Schl\u00fcsselkompetenz entwickeln \u2013 auf der unternehmerischen und der individuellen Ebene.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch gibt es keine Patentrezepte, wie die Balance hergestellt und gewahrt werden kann \u2013 hierf\u00fcr sind neben den Unternehmen auch die handelnden Personen zu verschieden. Deutlich ist aber bereits: K\u00fcnftig m\u00fcssen alle beruflich stark engagierten Personen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, welche Position sie in ihren Unternehmen innehaben \u2013 genauer analysieren: Welche Anforderungen werden von au\u00dfen an mich herangetragen und auf welche will und kann ich reagieren? Sonst werden sie zum Spielball der Kr\u00e4fte, die auf sie einwirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang gewinnt auch das Thema Pers\u00f6nlichkeit weiter an Bedeutung \u2013 denn sie ist ein zentraler Erfolgsfaktor, wenn es um das Wahren der erforderlichen Balance geht. So werden zum Beispiel die Unternehmensf\u00fchrer k\u00fcnftig ein noch st\u00e4rkeres R\u00fcckgrat als bisher brauchen, um sich zumindest teilweise den kurzfristigen Forderungen der (Kapital-)M\u00e4rkte zu entziehen und ihre eigene unternehmerische Strategie weiter zu verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechendes gilt f\u00fcr alle Arbeitnehmer: Sie m\u00fcssen eine Lebensvision entwickeln und nach dieser handeln. Das hei\u00dft, auch sie m\u00fcssen lernen, zu Anforderungen, die an sie gestellt werden, mal \u201eNein\u201c zu sagen. Sonst ist die Gefahr gro\u00df, dass sie mittelfristig \u201eausgebrannt\u201c sind und vom Arbeitsmarkt ausgespuckt werden.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Autor:<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-662\" src=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-120x120.jpg\" alt=\"Georg Kraus\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-120x120.jpg 120w, https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-210x210.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/>Dr. Georg Kraus<\/strong> ist gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Unternehmensberatung Dr. Kraus &amp; Partner, Bruchsal. Er ist unter anderem Lehrbeauftragter an der Universit\u00e4t Karlsruhe, der IAE in Aix-en-provence, der St. Gallener Business-School und der technischen Universit\u00e4t Clausthal.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fdie-balance-wahren%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fdie-balance-wahren%2F&text=Die%20Balance%20wahren\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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