{"id":2868,"date":"2016-04-20T07:56:08","date_gmt":"2016-04-20T05:56:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=2868"},"modified":"2017-01-22T09:59:41","modified_gmt":"2017-01-22T07:59:41","slug":"horror-aufgabe-mitarbeiter-kuendigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/horror-aufgabe-mitarbeiter-kuendigen\/","title":{"rendered":"Horror-Aufgabe \u201eMitarbeiter k\u00fcndigen\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mitarbeiter k\u00fcndigen \u2013 vor dieser Aufgabe graust es vielen F\u00fchrungskr\u00e4ften speziell in Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Denn sie k\u00f6nnen sich anders als viele Konzernmanager nicht hinter der Entscheidung einer fernen Zentrale verstecken.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Antike wurde der \u00dcberbringer einer schlechten Botschaft gek\u00f6pft. Dieses Horrorszenario haben manche F\u00fchrungskr\u00e4fte vor Augen, wenn sie vor der Aufgabe stehen, einen Mitarbeiter zu entlassen \u2013 insbesondere in Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Denn in ihnen sind die Vorgesetzten nicht nur die \u00dcberbringer der schlechten Nachricht. Sie m\u00fcssen h\u00e4ufig auch diese folgenschwere Entscheidung treffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb w\u00e4lzen sich viele Inhaber und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von KMU oft n\u00e4chtelang schlaflos in ihren Betten hin und her, bevor sie beschlie\u00dfen: Ich entlasse diesen Mitarbeiter. Und scheinbar endlos \u00fcberlegen sie sich \u201eSoll ich oder soll ich nicht\u201c, bevor sie zur Einsicht gelangen: Daran f\u00fchrt kein Weg vorbei. Und nicht selten schieben sie diese Entscheidung so lange vor sich her, bis ein akuter Vorfall sie zur \u00dcberzeugung bringt: \u201eJetzt reicht\u2019s.\u201c Dann wird sozusagen \u00fcber Nacht ein Schlussstrich gezogen, und aus der sachlich notwendigen Entscheidung, wird pl\u00f6tzlich eine von Emotion gepr\u00e4gte Entscheidung \u2013 mit der Konsequenz, dass der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer letztlich im Zorn auseinander gehen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Problem: Pers\u00f6nliche Beziehung zu Mitarbeitern<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei f\u00e4llt auf: Selbst F\u00fchrungskr\u00e4ften, die ansonsten sehr entscheidungsfreudig sind, f\u00e4llt der Beschluss, sich von einem Mitarbeiter zu trennen, oft schwer. Selbst wenn sie sich beispielsweise zum Kauf einer Maschine noch so schnell entschlie\u00dfen, ist ihre Entscheidung, einen Mitarbeiter zu entlassen, h\u00e4ufig ein endlos langer, qu\u00e4lender Prozess. Daf\u00fcr gibt es viele Gr\u00fcnde. Der Wichtigste ist: Ein Mitarbeiter ist keine Maschine. Einen Mitarbeiter zu entlassen, hei\u00dft stets auch, sein k\u00fcnftiges Schicksal mit zu entscheiden. Doch nicht nur sein Schicksal. Teilweise auch das seines Lebenspartners und das seiner Kinder, die von dem Gehalt mitleben. Deshalb f\u00e4llt es vielen Inhabern von Kleinbetrieben so schwer, sich zu einer K\u00fcndigung durchzuringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt: In Klein- und Mittelunternehmen arbeiten der Chef und seine Mitarbeiter meist enger zusammen als in Gro\u00dfunternehmen. Sie sitzen sozusagen T\u00fcr an T\u00fcr, weshalb zwischen ihnen auch pers\u00f6nlichere Beziehungen wachsen. Entsprechend schwer f\u00e4llt es den Vorgesetzten, einem Mitarbeiter zu sagen: \u201eIch muss mich von Ihnen trennen\u201c. Dies gilt insbesondere dann, wenn die K\u00fcndigung nicht betriebsbedingt ist, sondern in Verhaltens- oder Kompetenzdefiziten begr\u00fcndet ist. Dann geht das Aussprechen der K\u00fcndigung meist mit dem Beendigen der pers\u00f6nlichen, zuweilen freundschaftlichen Beziehung einher. Denn eine Fiktion ist der Glaube, dem sich insbesondere j\u00fcngere, unerfahrene F\u00fchrungskr\u00e4fte zuweilen hingeben: \u201eIch kann den Mitarbeiter zwar entlassen, aber weiterhin eine gute, pers\u00f6nliche Beziehung mit ihm pflegen.\u201c Dies ist eine Illusion. Vor allem, weil der gek\u00fcndigte Mitarbeiter \u2013 auch aus Selbstschutz \u2013 die Ursache f\u00fcr die K\u00fcndigung in der Regel\u00a0 nicht bei sich selbst, sondern beim Chef\u201c sucht und ihn in KMU auch pers\u00f6nlich hierf\u00fcr\u00a0 verantwortlich macht. Hinzu kommt: Gerade weil in Kleinbetrieben zwischen Chef und Mitarbeiter oft eine pers\u00f6nliche Beziehung besteht, erlebt der Mitarbeiter die K\u00fcndigung auch als eine pers\u00f6nliche Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Notwendigkeit: sich eigene Fehler eingestehen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch noch aus weiteren Gr\u00fcnden f\u00e4llt vielen Chefs von KMU das K\u00fcndigen schwer. So m\u00fcssen sie sich zum Beispiel, wenn sie die Entlassung eines Mitarbeiters erw\u00e4gen, nicht selten eigene Fehler oder Vers\u00e4umnisse eingestehen. Zum Beispiel, dass sie<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>den falschen Mitarbeiter eingestellt haben,<\/li>\n<li>die Entwicklung des Gesch\u00e4fts falsch eingesch\u00e4tzt haben oder<\/li>\n<li>bei Fehlentwicklungen nicht rechtzeitig gegengesteuert haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb schreiben sie sich, wenn sie eine K\u00fcndigung aussprechen m\u00fcssen, oft eine gewisse Mitschuld zu. Auch dies erschwert es ihnen, die notwendige Entscheidung rechtzeitig zu treffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt: Viele F\u00fchrungskr\u00e4fte geraten, wenn sie einen Mitarbeiter entlassen, mit ihrem Selbstbild beziehungsweise mit dem Bild, das sie bei ihren Mitarbeitern hinterlassen m\u00f6chten, in Konflikt. Dies gilt speziell f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, die ansonsten einen partnerschaftlich-kooperativen Umgang mit ihren Untergebenen pflegen. Sie befinden sich pl\u00f6tzlich in einer Situation, in der sie die Macht, die sie aufgrund ihrer F\u00fchrungsposition haben, offen zeigen m\u00fcssen. Dies versetzt sie in innere Panik. Unter anderem, weil sie sich fragen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Was denken die anderen Mitarbeiter von mir, wenn ich einen ihrer Kollegen entlasse?<\/li>\n<li>\u00c4ndert sich durch die K\u00fcndigung auch ihr Verh\u00e4ltnis zu mir?<\/li>\n<li>Packt sie die Angst: Ich k\u00f6nnte der N\u00e4chste sein, der gehen muss?<\/li>\n<\/ul>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Verbleibende Mitarbeiter sehen K\u00fcndigung oft voraus<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Praxis zeigt: Diese Bef\u00fcrchtungen sind meist unbegr\u00fcndet. Die verbleibenden Mitarbeiter haben in der Regel mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Entscheidung der F\u00fchrungskraft, als diese glaubt. Gerade erfahrene Mitarbeiter haben in der Regel einen sechsten Sinn daf\u00fcr, was betrieblich notwendig ist \u2013 auch weil sie in vielen KMU fast alle Gesch\u00e4ftsprozesse hautnah miterleben. Zudem haben sie ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen ihrer Kollegen. Sie registrieren sehr wohl: Dieser Kollege ist zwar nett, aber \u00fcberfordert. Oder: Dieser Kollege tut zwar stets sehr besch\u00e4ftigt, doch in Wahrheit hat er das Arbeiten nicht erfunden. Also haben sie auch eine feine Nase daf\u00fcr, wann eine K\u00fcndigung \u201ef\u00e4llig\u201c ist. H\u00e4ufig haben sie sogar wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Langmut ihrer Vorgesetzten. \u201eWenn ich was zu sagen h\u00e4tte, w\u00e4re der schon lang geflogen.\u201c Sie erwarten von ihrem Vorgesetzten geradezu, dass er die n\u00f6tigen Konsequenzen zieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier liegt das Hauptproblem, wenn F\u00fchrungskr\u00e4fte notwendige K\u00fcndigungen auf die lange Bank schieben. Bei ihren Mitarbeitern verdichtet sich das Gef\u00fchl: Die F\u00fchrungskraft misst mit zweierlei Ma\u00df: \u201eW\u00e4hrend sie von uns ein professionelles Arbeiten fordert, l\u00e4sst sie beim Kollegen Nachl\u00e4ssigkeiten durchgehen.\u201c \u201eVon uns erwartet sie Engagement, und der Kollege darf eine ruhige Kugel schieben.\u201c Verdichtet sich dieses Gef\u00fchl \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum bei ihnen, stellen sie auch ihr eigenes Verhalten in Frage:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Warum soll ich stets die Vers\u00e4umnisse meines Kollegen ausbessern?<\/li>\n<li>Warum soll ich mich stets verausgaben, wenn mein Kollege sich einen faulen Lenz macht?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Folge: Auch die Leistung der anderen Mitarbeiter leidet unter dem Fehlverhalten des Kollegen und das Leistungsniveau sinkt insgesamt.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Kernfrage: Was passiert, wenn der Mitarbeiter bleibt?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb sollten sich F\u00fchrungskr\u00e4fte der Aufgabe, notwendige K\u00fcndigungen auszusprechen, stellen. Sie ist ein Teil ihrer F\u00fchrungsaufgabe \u2013 zumindest dann, wenn<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>es aus betrieblichen Gr\u00fcnden unvermeidbar ist, dass der Mitarbeiter geht, und<\/li>\n<li>alle alternativen Handlungswege (wie F\u00f6rder- und Kritikgespr\u00e4ch, Abmahnung, Ver\u00e4nderung des Aufgabenfelds) ausgesch\u00f6pft sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entscheidung \u201eIch entlasse diesen Mitarbeiter\u201c m\u00fcssen die F\u00fchrungskr\u00e4fte von KMU \u2013 wie alle unternehmerischen Entscheidungen \u2013 meist alleine treffen. Diese Last nimmt ihnen niemand von den Schultern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilfreich ist es in solchen Situationen h\u00e4ufig, mit einem unbeteiligten Dritten \u2013 zum Beispiel einem Coach \u2013 die Pro&#8217;s und Contra&#8217;s abzuw\u00e4gen. Hilfreich ist es auch, sich die Frage zu stellen: Welche Konsequenz hat es, wenn der Mitarbeiter bleibt? F\u00fcr mich als F\u00fchrungskraft? F\u00fcr das Unternehmen? F\u00fcr das Verhalten der Kollegen? Danach f\u00e4llt es dem Vorgesetzten meist leicht, sich zu entscheiden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcber den Autor: <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1812\" src=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Voss-Reiner-120x120.jpg\" alt=\"Voss, Reiner\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Voss-Reiner-120x120.jpg 120w, https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Voss-Reiner-210x210.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><strong>Reiner Voss<\/strong> ist der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Trainings- und Beratungsunternehmens Voss+Partner, Hamburg.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fhorror-aufgabe-mitarbeiter-kuendigen%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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