{"id":336,"date":"2012-06-18T10:47:40","date_gmt":"2012-06-18T08:47:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=336"},"modified":"2017-01-22T09:52:35","modified_gmt":"2017-01-22T07:52:35","slug":"das-problem-mit-burnout","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/das-problem-mit-burnout\/","title":{"rendered":"Das Problem mit Burnout"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcber Burnout wird intensiv diskutiert. Es wogen die Wellen der Betroffenheit und auch der Ablehnung. Die Diskussion bleibt jedoch zu sehr an der Oberfl\u00e4che. Burnout ist ein sperriges Thema, ber\u00fchrt ein massives Tabu und ist noch dazu nicht sichtbar und schon gar nicht eindeutig diagnostizierbar. Burnout hat vielf\u00e4ltige Ursachen und ist ein komplexes Ph\u00e4nomen. Die Hirnforschung weist nach, dass Menschen Lust an Leistung haben. Also an der F\u00e4higkeit kann es nicht liegen.<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Worum geht es tats\u00e4chlich?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich meine um Leistung, Leistungsf\u00e4higkeit und die Angst nicht zu funktionieren. Das Tabu in einer Gesellschaft, die sich dem Fokus wirtschaftlichen Erfolgs verschrieben hat ist: Minderleistung aufgrund Ersch\u00f6pfung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgesehen von tiefliegenden psychischen Hintergr\u00fcnden (unerkannte oder unbehandelte Traumen, posttraumatische Belastung etc.) haben wir es im Kontext mit Burnout immer mit der Frage von Verhalten, Schuldzuweisungen und dem Wunsch nach einfachen Antworten zu tun. Unternehmen machen ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte verantwortlich, wenn die Mitarbeitenden nicht st\u00f6rungsfrei \u201efunktionieren\u201c; F\u00fchrungskr\u00e4fte ihre Mitarbeitenden, wenn sich diese nicht genug motiviert oder teamorientiert zeigen. Arbeitnehmer machen ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte und die Unternehmen verantwortlich, weil sie sich unter Druck gesetzt und nicht wertgesch\u00e4tzt f\u00fchlen. Das ergibt ein Patt, das L\u00f6sungsans\u00e4tze nicht gerade f\u00f6rdert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf allen betrieblichen Ebenen wird das gesamte technische Equipment permanent serviciert. Niemand glaubt, dass man, wenn in einem Fahrzeug das Benzin fehlt, einfach nur st\u00e4rker aufs Gaspedal steigen muss. Riskmanagement wird sehr ernst genommen, nur eben nicht bei den Menschen. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich hier Menschen nicht mit Maschinen gleichstellen. Was aber auff\u00e4llt ist, dass der Maintenance mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als der Sorge um Gesundheit (= Leistungsf\u00e4higkeit) der Mitarbeitenden. Studien zeigen, dass Unternehmen sich so lange nicht um die Ersch\u00f6pfung ihrer Mitarbeitenden k\u00fcmmern, bis die Fehlleistung im Au\u00dfen sichtbar wird, also die Kosten der Fehlerbehebung, bzw. Imagekorrektur beim Kunden jene der Fehlervertuschung \u00fcbersteigen. Das ist doch eigentlich absurd.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Wartung f\u00fcr Menschen?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maschinen und Ger\u00e4te geh\u00f6ren dem Unternehmen. Menschen haben Selbstverantwortung f\u00fcr ihre Gesundheit. Klar, aber pragmatisch gesehen bringt diese Sichtweise nichts. Diese Interesse- oder Hilflosigkeit, die ich in Unternehmen oft erlebe, dr\u00fcckt sich in Starrheit und radikalen L\u00f6sungen aus. Teams, die nicht die geforderten Leistungen bringen, werden aufgel\u00f6st. Menschen, die diese Leistungen nicht bringen, werden gek\u00fcndigt, oder zumindest auf das Abstellgleis gestellt. Niemand fragt, ob z.B. die Ziele falsch oder unklar sind, ob manche Wege nur aus Imagegr\u00fcnden oder Vertuschung von Fehlentscheidungen nicht ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir wieder auf die Wartungsfrage zur\u00fcckgehen, hie\u00dfe das, ich hole aus meiner Hochleistungsanlage alles heraus, ich lasse sie ununterbrochen laufen, spare mir das Service, f\u00fclle kein Schmiermittel oder Treibstoff nach &#8211;\u00a0 und wenn das Ding dann stehen bleibt, gebe ich der Maschine die Schuld. Das Ausquetschen (die maximale Nutzung der Betriebsmittel) d\u00fcrfte unser bevorzugter Weg in Zeiten des erh\u00f6hten wirtschaftlichen Drucks sein. W\u00e4hrend in diesem Bild klar ist, dass die Betreiber der Maschine f\u00fcr deren Funktionst\u00fcchtigkeit verantwortlich sind und man dem Ger\u00e4t nicht den Vorwurf der Faulheit macht, ist es im Falle von Ersch\u00f6pfung von Menschen ein weiterer Bezugsrahmen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Wer ist f\u00fcr \u201eFunktionst\u00fcchtigkeit\u201c verantwortlich<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder Mensch ist verantwortlich f\u00fcr seine Gesundheit. Das bedeutet, dass ich mich meiner eigenen Verantwortung nicht entziehen kann. F\u00fcr mich selbst zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob der Job zu mir passt. Ob ich mir selbst treu geblieben bin. Wie der deal aussieht (zwischen dem Sich-selbst-Verkaufen an ein Unternehmen) und der Leistung die ich daf\u00fcr bekomme (neben Gehalt, meist auch eine gewisse Sicherheit, Regelm\u00e4\u00dfigkeit, Image, Weiterbildungsm\u00f6glichkeit, &#8230;). Andererseits bin ich auch f\u00fcr mich selbst verantwortlich, in Bezug auf meine Leistungserhaltung. Welche eigenen Rahmenbedingungen und Glaubenss\u00e4tze bringen mich dazu, mich derart selbst zu \u00fcberfordern, dass ich am Ende gar zusammen breche? Da selbst einmal hin zu sehen, w\u00e4re wichtig.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">F\u00fchrungskr\u00e4fte sind verantwortlich f\u00fcr die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter F. Drucker sagt: \u201eIch f\u00fchre meine Leute dahin, wo ich selber stehe.\u201c\u00a0 Ich erlebe F\u00fchrungskr\u00e4fte oft als verantwortungsbewusst, aufopferungsbereit, enorm belastbar, mit zusammen gebissenen Z\u00e4hnen und einem massiven Stehverm\u00f6gen. Solange, bis sie am Weg zur n\u00e4chsten Sitzung einfach umkippen. Was ist das f\u00fcr ein Vorbild? Wenn Sie in eine Konkurrenz mit Ihren Mitarbeitenden eintreten, wer am meisten aush\u00e4lt, am l\u00e4ngsten da ist, am meisten Arbeit mit nach Hause nimmt und am intensivsten im Bett arbeitet, w\u00e4hrend eine Grippe einen niederstreckt, dann werden Sie genau das ernten. Ihr Team wird lernen, dass man sich verausgaben muss und nicht dar\u00fcber nachdenkt, wie man Leistung nachhaltig und langfristig abfragen kann.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Unternehmen sind verantwortlich f\u00fcr die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgesehen von der rechtlichen Verantwortung f\u00fcr die Arbeitssicherheit, sollten auch Personal-Riskmanagement und nachhaltiger Arbeitskraft-Ressourceneinsatz in der unternehmerischen Wirklichkeit Niederschlag finden. Der Verlust an Leistung, Fehlerfreiheit, Know How und Expertise ist nicht zu untersch\u00e4tzen. Pr\u00e4vention ist kein besonders beliebtes unternehmerisches Instrument, aber es lohnte sich, wenn Sie gerade ihre besten \u201ePferde im Stall\u201c so pflegen w\u00fcrden, dass diese m\u00f6glichst lang leistungsf\u00e4hig sind. Auf keinen Fall n\u00fctzt es, wenn Sie wegschauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Abschlie\u00dfend noch ein paar \u201eTipps\u201c um m\u00f6glichst rasch in eine Ersch\u00f6pfungssituation zu gelangen. Bitte auf keinen Fall nachmachen!:<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Arbeite so viel und so lange Du nur kannst. Besonders an den Wochenenden kann man endlich mal so richtig loslegen, da rufen einen nicht so viele Leute an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. K\u00fcmmere Du dich immer pers\u00f6nlich um die unangenehmsten und unl\u00f6sbarsten Probleme. Vor allem um jene, die niemand vor Dir geschafft hat. Und wenn Sie dich pers\u00f6nlich belasten, dann z\u00e4hlt es gleich doppelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Lege immer die heikelsten und schwierigsten Termine hintereinander. Am besten so, dass keine Pausen dazwischen liegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Nimm h\u00f6chstens einmal im Jahr Urlaub. Und wenn es sich partout nicht vermeiden l\u00e4sst, dann nimm\u2019 wenigstens ausreichend Fachliteratur mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Merke Dir besonders, wie fies Deine Mitarbeiter und Kunden sind. Male Dir mehrmals t\u00e4glich besonders jene F\u00e4lle aus, in denen sie Dich ungerecht und abwertend behandelt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. Mache Dein Selbstbewusstsein ausschlie\u00dflich von Deiner Arbeit abh\u00e4ngig. F\u00fcr Privatleben hast Du wahrscheinlich ohnedies keine Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7. Glaube fest daran, dass Du jedes Problem l\u00f6sen kannst. Du musst dich nur einfach noch mehr anstrengen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8. Lebe ohne Freunde, Familie und Partner. Solltest Du dennoch zuf\u00e4llig noch eine Familie haben, ignoriere sie einfach. Das Problem l\u00f6st sich durch Zeitablauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. Wenn Du zuf\u00e4llig Kinder hast, lese unbedingt Erfolgsstories in Ratgebern und Frauenzeitschriften, die wissen n\u00e4mlich, wie man alles unter einen Hut bekommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10. Gib unter keinen Umst\u00e4nden Geld f\u00fcr Sch\u00f6nes, Nettes oder Erfreuliches aus. Auf jeden Fall nicht f\u00fcr Dich selbst. Und wenn schon, dann bitte wenigstens f\u00fcr das Fitnesscenter. Die freuen sich \u00fcber jede Spende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11. Sei keinesfalls an Deinem Wohlergehen interessiert. Rede nie \u00fcber die positiven Seiten Deiner Arbeit oder \u00fcber Erfolge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">12. Verhindere jedenfalls, Dich durch die vorher genannten Tipps nachdenklich machen zu lassen. Nur nichts ver\u00e4ndern. Es k\u00f6nnte anders werden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Autorin:<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mag. Gabriele Kypta<\/strong> ist ist akkreditierte Wirtschaftstrainerin und systemischer Coach: Ihre Trainings- und Beratungsschwerpunkte sind: Gesundheitsorientiertes F\u00fchren, Salutogenese und Resilienz, Gelassenheit durch Achtsamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Informationen \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/trainer-wien-gabriele-kypta-81\" target=\"_blank\">Mag. Gabriele Kypta<\/a><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fdas-problem-mit-burnout%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fdas-problem-mit-burnout%2F&text=Das%20Problem%20mit%20Burnout\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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