{"id":345,"date":"2012-07-09T11:05:10","date_gmt":"2012-07-09T09:05:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=345"},"modified":"2017-01-22T09:53:08","modified_gmt":"2017-01-22T07:53:08","slug":"wenn-mitarbeiter-social-networker-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wenn-mitarbeiter-social-networker-werden\/","title":{"rendered":"Wenn Mitarbeiter Social Networker werden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Durch Social Media haben die Mitarbeiter von Unternehmen heute mehr M\u00f6glichkeiten als fr\u00fcher, Infos zu verbreiten. Dadurch erh\u00f6ht sich ihre \u201eKommunikationsmacht\u201c. Und die Grenze zwischen interner und externer Unternehmens-kommunikation? Sie l\u00f6st sich zunehmend auf.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMit Social Media k\u00f6nnt ihr euch eine Fangemeinde aufbauen, die treu eure Produkte kauft und bei Noch-nicht-Kunden f\u00fcr euch wirbt.\u201c Das versprechen viele Marketing- und Kommunikationsexperten den Verantwortlichen in den Unternehmen. Das mag sein. Doch f\u00fcr die Unternehmen sind die Social Media ein zweischneidiges Schwert \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob es sich um soziale Netzwerke wie Facebook und Xing, um Arbeitgeberbewertungs-Portale wie Kununu oder um Kurznachrichtendienste wie Twitter handelt. Denn durch die Omnipr\u00e4senz der sozialen Medien erh\u00f6ht sich auch die \u201eKommunikationsmacht\u201c ihrer Mitarbeiter.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Gefahren der Experten-Chats<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute stehen den Mitarbeitern nicht nur mehr Kan\u00e4le als fr\u00fcher zur Verf\u00fcgung, um ihre Gedanken zu verbreiten und ihr Wissen mit anderen zu teilen, sie werden von den Betreibern und \u201eUsern\u201c dieser Medien auch regelrecht zum Mitmachen stimuliert und dazu aufgefordert, das, was sie bewegt, anderen Menschen mitzuteilen \u2013 so zum Beispiel in Experten- oder Branchenforen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechend gro\u00df ist die Versuchung, sich in Chats durch pointierte Aussagen zu profilieren \u2013 insbesondere dann, wenn dies anonym und somit (scheinbar) gefahrlos geschieht. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich, wenn sich Mitarbeiter eines Unternehmens an einem Experten-Chat im Web beteiligen. Erfolgt dann eine Resonanz wie \u201eHochinteressant, was Du schreibst &#8211; zeugt von einer hohen Fachkompetenz. Kannst Du mir n\u00e4here Infos geben?&#8220;, ist die Gefahr gro\u00df, dass der so gelobte Mitarbeiter dies tut, ohne zun\u00e4chst zu reflektieren:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Wer ist mein Gegen\u00fcber, und warum m\u00f6chte er \u201en\u00e4here Infos\u201c haben?<\/li>\n<li>Welche Konsequenzen hat es f\u00fcr meinen Arbeitgeber (und eventuell f\u00fcr mich), wenn ich diese Informationen Dritten oder gar einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich mache?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz gleich, aus welchen Motiven (Ex-) Mitarbeiter Firmeninterna oder -geheimnisse ausplaudern: Nicht nur aufgrund der Existenz der sozialen Netze l\u00f6st sich aus Unternehmenssicht die Grenze zwischen interner und externer Kommunikation zunehmend auf. Fr\u00fcher waren die firmeninternen Kommunikationsabteilungen die Gralsh\u00fcter dar\u00fcber, welche Informationen nach drau\u00dfen gingen, heute k\u00f6nnen sie diese Funktion nur noch bedingt erf\u00fcllen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Infos dringen schneller nach drau\u00dfen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Erfahrung musste im Januar 2012 Apple-CEO Tim Cook machen. Nachdem sein Unternehmen in mehreren Medien heftig daf\u00fcr kritisiert worden war, dass es seine Produkte (wie seine Mitbewerber) unter fragw\u00fcrdigen Arbeitsbedingungen in Fernost produzieren l\u00e4sst, schrieb er eine Mail an die Apple-Mitarbeiter, in der unter anderem stand: \u201eJeder Unfall ber\u00fchrt uns zutiefst, und die Arbeitsbedingungen verdienen unsere Aufmerksamkeit. Jede Unterstellung, dies sei anders, ist falsch und ehrverletzend.\u201c Kaum hatte Cook diese Mail versandt, tauchte sie in Online-Portalen und Blogs auf, und Cook wurde heftig kritisiert. Seine \u00c4u\u00dferungen seien scheinheilig. Bei Apple seien seit Jahren die Arbeitsbedingungen zum Beispiel beim Lieferanten Foxconn bekannt. Das Unternehmen habe jedoch nichts dagegen getan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den Entr\u00fcstungssturm im Internet entstand Apple zumindest erkennbar kein Schaden \u2013 vor allem, weil das Unternehmen eine sehr gro\u00dfe und treue Fangemeinde hat, die es wenig schert, wie das neueste iPhone produziert wird (\u201eHauptsache, ich kann es mir leisten\u201c). Das Beispiel zeigt jedoch, wie schnell heute Firmeninterna den Weg nach drau\u00dfen finden und welche \u201eEmp\u00f6rungswellen\u201c sich hierdurch aufbauen k\u00f6nnen. Dies kann f\u00fcr Unternehmen, die anders als Apple keine stabile Fangemeinde haben und deren Produkte keinen Kultstatus genie\u00dfen, das Aus bedeuten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Emp\u00f6rungswellen bauen sich rasch auf<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch h\u00f6her war die Emp\u00f6rungswelle, als im M\u00e4rz 2012 ein Ex-Mitarbeiter von Goldman Sachs in einem Gastbeitrag in der \u201eNew York Times\u201c publik machte, dass Mitarbeiter der Investment-Bank in der internen Kommunikation immer wieder Kunden als \u201eMuppets\u201c (also \u201eIdioten\u201c) bezeichnen und damit prahlen, wie sie diese \u00fcber den Tisch gezogen haben. Noch vor wenigen Jahren w\u00e4re dieser Artikel vermutlich nur von den Lesern dieser Zeitung zur Kenntnis genommen worden. Und eventuell w\u00e4re er noch voller H\u00e4me in bestimmten Insiderkreisen herumgereicht worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders im Social-Media-Zeitalter: Im Handumdrehen griffen mehrere Blogger das Thema auf und erfanden unter anderem Dialoge zwischen Goldman-Sachs-Mitarbeitern, in denen diese sich abf\u00e4llig \u00fcber ihre Kunden \u00e4u\u00dfern &#8211; woraufhin sich im Netz eine immer h\u00f6here Emp\u00f6rungswelle aufbaute. Das wiederum veranlasste weltweit sehr viele Medien, das Thema aufzugreifen. Aus der Emp\u00f6rungswelle erwuchs ein regelrechter Tsunami \u2013 zumal das Thema alle (Vor-)Urteile best\u00e4tigte, die in der breiten \u00d6ffentlichkeit ohnehin gegen Investmentbanker bestehen. Die Kommunikationsabteilung von Goldman Sachs versuchte dem entgegenzuwirken, jedoch erfolglos. Dem Unternehmen entstand ein Imageschaden, dessen Ausma\u00df noch nicht absehbar ist.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Mitarbeitern fehlt Gefahrenbewusstsein<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beispiele zeigen: Die Mitarbeiter entwickeln sich zur neuen Kommunikationsdrehscheibe mit der Au\u00dfenwelt, und sie haben mehr Kommunikationsmacht als fr\u00fcher. Und mancher (Ex-) Mitarbeiter wird diese Macht k\u00fcnftig auch aktiv gebrauchen. Als Folge davon wird k\u00fcnftig manch Anekdote, die bisher nur die Mitarbeiter eines Unternehmens kannten, rasch an die \u00d6ffentlichkeit dringen. Denn in gr\u00f6\u00dferen Unternehmen gibt es stets einen (Ex-)Mitarbeiter, der \u201edenen da oben&#8220; mal eins auswischen m\u00f6chte. Entsprechendes gilt f\u00fcr gescheiterte Projekte. Auch hier\u00fcber dringen heute bereits viel h\u00e4ufiger und schneller Informationen an die \u00d6ffentlichkeit als noch vor wenigen Jahren. Nicht nur, weil die Unternehmen st\u00e4rker als fr\u00fcher zum Beispiel im Bereich Forschung und Entwicklung mit anderen Unternehmen kooperieren, sondern auch weil Mitarbeiter im Online-Kontakt mit ihren \u201efriends\u201c oft unbewusst Firmeninterna ausplaudern. H\u00e4ufig gen\u00fcgen den Konversationspartnern zwei, drei Detailinformationen, und sie k\u00f6nnen, wenn sie vom Fach sind, hieraus die erforderlichen Schl\u00fcsse ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Unternehmen haben sich noch keine Gedanken gemacht, wie sie mit der ver\u00e4nderten Kommunikationssituation umgehen sollen, und reagieren mit herk\u00f6mmlichen Mitteln. Sie dehnen die bestehenden Richtlinien, die festschreiben, wer welche Informationen bekommen und an wen weitergeben darf, auf die sozialen Netze aus. Dabei \u00fcbersehen sie, dass die gr\u00f6\u00dfte Gefahr von der Online-Kommunikation ausgeht, die die Mitarbeiter als Privatpersonen und oft unter Pseudonym f\u00fchren. Sie sperren gewisse Web-Seiten und Online-Plattformen f\u00fcr die Mitarbeiter und \u00fcbersehen dabei, dass die meisten von ihnen ein Smartphone in der Tasche haben, mit dem sie jederzeit die gesperrten Seiten besuchen k\u00f6nnen. Und: Sie haben, wenn es um die \u201eInformationslecks\u201c geht, prim\u00e4r (Ex-)Mitarbeiter vor Augen, die sich am Unternehmen r\u00e4chen wollen. Dabei geht die gr\u00f6\u00dfte Gefahr von eigentlich loyalen Mitarbeitern aus, die sich zum Beispiel in Expertenportalen mit digitalen \u201efriends\u201c austauschen und diesen ohne entsprechendes Gefahrenbewusstsein die fehlenden Teile des Informationspuzzles geben.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Management muss sich mit dem Thema befassen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgereifte Konzepte, wie Unternehmen mit dieser ver\u00e4nderten Lage umgehen sollten, gibt es noch nicht \u2013 weil die sozialen Medien noch recht jung sind und sich durch die starke Verbreitung von mobilen Ger\u00e4ten die Kommunikations-Rahmenbedingungen erneut stark wandeln. Topmanagern sollte jedoch klar werden, dass sich die Grenzen zwischen interner und externer Kommunikation zunehmend aufl\u00f6sen. Sie m\u00fcssen zudem begreifen, dass ihre Mitarbeiter heute mehr Kommunikationsmacht als fr\u00fcher haben. Entsprechend wichtig ist es in einem zweiten Schritt, den Mitarbeitern bewusst zu machen, welche Macht und Einflussm\u00f6glichkeiten sie heute besitzen und wie genau sie folglich, bevor sie Infos verbreiten, analysieren m\u00fcssen, mit wem und \u00fcber welche Kan\u00e4le sie sich austauschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich damit zu befassen, ist nicht nur notwendig, um Schaden von den Unternehmen abzuwenden, sondern auch um zu verhindern, dass diese zunehmend erpressbar werden \u2013 zum Beispiel durch entt\u00e4uschte (ehemalige) Mitarbeiter. Dabei muss es sich keineswegs um die klassischen Geheimnistr\u00e4ger handeln. Eine mindestens ebenso gro\u00dfe Gefahr geht von den Mitarbeitern aus, die aufgrund ihrer jahrelangen Arbeit f\u00fcr das Unternehmen dessen Schwachstellen (zum Beispiel im Qualit\u00e4ts-Management) und ausreichend \u201eAnekdoten\u201c kennen, um eine Emp\u00f6rungswelle auszul\u00f6sen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Autor:<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-662\" alt=\"Kraus, Georg Dr - ohne Brille-2007\" src=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-120x120.jpg\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-120x120.jpg 120w, https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-210x210.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/>Dr. Georg Kraus <\/strong>ist gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Unternehmensberatung Dr. Kraus &amp; Partner, Bruchsal. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur promovierte an der TH Karlsruhe zum Thema Projektmanagement. Seit 1994 ist er Lehrbeauftragter an der Universit\u00e4t Karlsruhe, der IAE in Aix-en-provence und der technischen Universit\u00e4t Clausthal.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fwenn-mitarbeiter-social-networker-werden%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fwenn-mitarbeiter-social-networker-werden%2F&text=Wenn%20Mitarbeiter%20Social%20Networker%20werden\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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