{"id":4553,"date":"2017-08-29T08:04:12","date_gmt":"2017-08-29T06:04:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=4553"},"modified":"2017-11-09T19:49:35","modified_gmt":"2017-11-09T17:49:35","slug":"bei-projekten-flexibel-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/bei-projekten-flexibel-bleiben\/","title":{"rendered":"Bei Projekten flexibel bleiben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Strategische Gro\u00dfprojekte scheitern oft, weil die Projektmanager weder die erforderliche Erfahrung, noch das n\u00f6tige Standing in der Organisation haben. Zudem werden die Projektpl\u00e4ne und <a href=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/projektmanagement\/\">Projektmanagement-Standards<\/a> h\u00e4ufig wie \u201eheilige K\u00fche\u201c behandelt, die man nicht schlachten darf.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den meisten gr\u00f6\u00dferen Unternehmen laufen heute mehrere strategische Projekte parallel, die sich \u00fcberlappen und wechselseitig beeinflussen. Also m\u00fcssen die Projekte koordiniert werden. Das haben die Entscheider in fast allen Unternehmen bereits vor Jahren erkannt. Deshalb etablierten sie in ihrer Organisation ein Projektmanagement-System, das Fragen beantwortet wie:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Was ist \u00fcberhaupt ein Projekt (und was nur eine Sonderaufgabe)?<\/li>\n<li>Wie sollten Projekte geplant, durchgef\u00fchrt und gesteuert werden? Und:<\/li>\n<li>Welche Instrumente nutzen wir hierf\u00fcr?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem hat sich das Ausbilden der Mitarbeiter im Bereich Projektmanagement zu einem festen Bestandteil der betrieblichen Weiterbildung entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also k\u00f6nnte man annehmen: Das Managen von Projekten bereitet den Unternehmen keine Schwierigkeiten. Schlie\u00dflich existieren die n\u00f6tigen Strukturen und haben die Mitarbeiter das erforderliche Know-how. In der betrieblichen Praxis werden die Ziele von Projekten aber oft nur teilweise erreicht. Das belegen zahlreiche Studien. Und noch h\u00e4ufiger werden die Ziele zwar auf dem Papier erreicht \u2013 doch nur zu dem Preis, dass Folgeprobleme in Kauf genommen werden. Etwa, weil das Projektteam ab irgendeinem Zeitpunkt nur noch nach der Maxime agiert: Wir m\u00fcssen, koste es, was es wolle, den gesteckten Zeit- und Kostenrahmen einhalten (sonst werden wir sanktioniert). Das bedeutet: Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel werden bewusst akzeptiert.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Projektmanager brauchen Verankerung in der Organisation<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Ursache hierf\u00fcr ist: In vielen Unternehmen besteht zwar ein Konsens dar\u00fcber, dass in den gro\u00dfen Changeprojekten die Basis f\u00fcr den k\u00fcnftigen Erfolg gelegt wird. Bei der Entscheidung, wer die Verantwortung f\u00fcr die Projekte \u00fcbernimmt, f\u00e4llt die Wahl aber oft auf Mitarbeiter, die zwar ein gro\u00dfes (Entwicklungs-)Potenzial haben, jedoch noch keine gereiften F\u00fchrungskr\u00e4fte und Projektmanager mit starkem R\u00fcckgrat und einer festen Verankerung in der Organisation sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Projekte werden also so besetzt, dass sie f\u00fcr die Projektleiter eine Chance sind, sich zu bew\u00e4hren. Nur selten wird ihre Leitung einem mit allen Wassern gewaschenen Projektmanagement-Profi \u00fcbertragen. Hieraus ergeben sich Folgeprobleme \u2013 zum Beispiel, weil die Youngsters von den Bereichsleitern und Spezialisten nicht als gleichrangige Gespr\u00e4chspartner akzeptiert werden. Oft sehen die \u201eBereichsf\u00fcrsten\u201c in den empor strebenden Projektmanagern auch Konkurrenten. Also versuchen sie, diese klein zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Nachteil eines solchen Vorgehens ist: Wenn die jungen \u201eStars\u201c ein, zwei Gro\u00dfprojekte erfolgreich gemanagt haben, erwarten sie die (zumindest zwischen den Zeilen) versprochene Belohnung: eine exponierte F\u00fchrungsposition in der Linie, da diese meist besser dotiert und mit einem h\u00f6heren Ansehen verbunden ist. Das bedeutet: Die nun erfahrenen Projektmanager stehen als Leiter von Gro\u00dfprojekten nicht mehr zur Verf\u00fcgung. An ihre Stelle treten erneut unerfahrene Projektmanager, die oft dieselben Fehler wie ihre Vorg\u00e4nger begehen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Projektmanager ben\u00f6tigen F\u00fchrungserfahrung<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Knackpunkt ist: Das Leiten von Projekten wird in vielen Unternehmen prim\u00e4r als Management- und weniger als F\u00fchrungs- oder gar Leadership-Aufgabe betrachtet. Dabei kommen reine Macher beim Planen und Durchf\u00fchren gr\u00f6\u00dferer Projekte meist nicht weit. Denn aus ihnen erwachsen meist viele Ver\u00e4nderungen in der Organisation. Entsprechend skeptisch und abwartend stehen die Mitarbeiter den Projekten anfangs gegen\u00fcber. Und sei es nur aus Angst, dass bestimmte Arbeitsroutinen hinf\u00e4llig werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb m\u00fcssen Projektmanager f\u00fcr die geplanten Ver\u00e4nderungen werben. Und zwar prim\u00e4r dadurch, dass sie die Betroffenen so fr\u00fch und umfassend wie m\u00f6glich \u00fcber die Ziele des Projekts und dessen Verlauf informieren; au\u00dferdem, indem sie die Betroffenen, soweit m\u00f6glich, in das Projekt integrieren. Diese Aufgabe \u00fcberfordert viele Projektmanager \u2013 auch weil sie meist keine erfahrenen F\u00fchrungskr\u00e4fte sind. Hinzu kommt: Der Fokus der meisten Projektmanagement-Ausbildungen liegt auf den harten Erfolgsfaktoren. In ihnen lernen die Teilnehmer zwar \u201eWie erstelle ich einen Projektplan?\u201c und \u201eWie kontrolliere ich, ob die Zeit- und Kostenpl\u00e4ne eingehalten werden?\u201c. Nur gestreift werden aber Themen wie \u201eWie analysiere ich, wer betroffen ist?\u201c und \u201eWie erkenne ich Widerst\u00e4nde und wie gehe ich mit ihnen um?\u201c Und werden solche Themen doch behandelt? Dann wird den angehenden Projektmanagern meist nur Faktenwissen vermittelt. Selten sind in die Ausbildungen Projekte integriert, in denen die Teilnehmer zum Beispiel ihr Gesp\u00fcr daf\u00fcr sch\u00e4rfen: \u201eWo braut sich in der Organisation ein Unwetter zusammen?\u201c und \u201eWann sollten wir als Projektteam intervenieren?\u201c<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Projektmanager brauchen sensible Antennen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei w\u00e4re dies wichtig. Denn wer die m\u00f6glichen St\u00f6rfaktoren bei Projekten kennt, nimmt diese noch lange nicht rechtzeitig wahr und kann hierauf ad\u00e4quat reagieren. Hinzu kommt: Bei jedem Changeprojekt gibt es Verlierer \u2013 zumindest gibt es Personen, die sich als solche f\u00fchlen, Deshalb gibt es bei jedem Changeprojekt auch Widerst\u00e4nde. Die Frage ist nur: Wie gro\u00df sind beziehungsweise werden sie? Und: Werden Bedenken, aus denen sich Widerst\u00e4nde entwickeln k\u00f6nnten, rechtzeitig erkannt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit solchen Fragen ad\u00e4quat umzugehen, \u00fcberfordert viele Projektmanager \u2013 auch weil die Betroffenen ihren Widerstand selten offen zeigen. Doch pl\u00f6tzlich brodelt die Ger\u00fcchtek\u00fcche und Aufgaben werden nicht mehr zuverl\u00e4ssig wahrgenommen. Und treten die emotionalen Widerst\u00e4nde doch offen zutage? Dann meist in der Form, dass die Betroffenen sachliche Einw\u00e4nde gegen die geplanten \u00c4nderungen vortragen und Kleinigkeiten zu Schicksalsfragen hochstilisieren. Oft geschieht dies erst, wenn die Umsetzung beginnt und die Betroffenen allm\u00e4hlich die Folgen der Ver\u00e4nderung sp\u00fcren. Dann kochen pl\u00f6tzlich, f\u00fcr das Projektteam unerwartet, die Emotionen so hoch und die Diskussion \u00fcber scheinbare Kleinigkeiten gewinnt eine solche Eigendynamik, dass der Erfolg des gesamten Projekts gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Changeprozesse sind nur bedingt planbar<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies geschieht auch deshalb immer wieder, weil viele Projektmanager nicht ausreichend f\u00fcr die Dynamik sozialer Systeme wie Unternehmen sensibilisiert sind. Und schon gar nicht beherrschen sie das Instrumentarium, um auf Turbulenzen angemessen zu reagieren. Eine Ursache hierf\u00fcr ist: Oft wird angehenden Projektmanagern in ihren Ausbildungen \u2013 gerade wegen deren Fixierung auf Methoden und Standards \u2013 das Gef\u00fchl vermittelt, Changeprozesse lie\u00dfen sich wie der Bau einer Maschine planen und steuern. Das ist nicht m\u00f6glich, denn soziale Systeme sind lebende Gebilde. Au\u00dferdem nimmt jeder Projektentwurf die Zukunft gedanklich vorweg. Entsprechend viele Annahmen flie\u00dfen in ihn ein, die sich als falsch erweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Ursache f\u00fcr das Scheitern von Projekten ist: Oft werden die Projektpl\u00e4ne so erstellt, als f\u00e4nde deren Umsetzung in hermetisch geschlossenen Labors ohne externe Einfl\u00fcsse statt. Im betrieblichen Alltag ist dies nie der Fall. Hier \u00e4ndern sich die Rahmenbedingungen kontinuierlich. Zwei Mitbewerber fusionieren. Neue technische L\u00f6sungen kommen auf den Markt. Der alte Vorstand wird durch einen neuen ersetzt. Die Ertr\u00e4ge entwickeln sich nicht wie geplant. Dies sind nur einige der m\u00f6glichen Faktoren, die neben dem Projektplan auch die Projektziele in Frage stellen k\u00f6nnen. Deshalb d\u00fcrfen gr\u00f6\u00dfere Projekte, die teils Jahre dauern, nicht mechanistisch geplant werden. Es gen\u00fcgt nicht, vor Projektbeginn einen Projektplan zu erstellen, der blind abgearbeitet wird. Vielmehr muss regelm\u00e4\u00dfig gepr\u00fcft werden: Ist das geplante Vorgehen noch geeignet, die definierten Ziele zu erreichen oder sollten wir es modifizieren? In das Projektdesign sollten also Reflexionsschleifen integriert sein, bei denen analysiert wird: Was hat sich in der Organisation und deren Umfeld ge\u00e4ndert? Was bedeutet das f\u00fcr das Projekt? Welche Konsequenzen hat dies f\u00fcr das Vorgehen? Analysiert werden sollte auch: F\u00f6rdern oder behindern die geltenden Projektmanagement-Standards und genutzten Instrumente das Erreichen der Ziele?<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Definierte Standards sind nur Werkzeuge<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Fragen stellen sich die Projektverantwortlichen selten. Sie halten sich zuweilen sklavisch an die definierten Standards, weil sie wissen: Ein Abweichen von ihnen wird sanktioniert. Dabei ist jeder Standard ebenso wie jedes Projektmanagement-Tool nur ein Werkzeug. Also sollte ein begr\u00fcndetes Abweichen von den Standards in der Organisation nicht nur erlaubt, sondern sogar erw\u00fcnscht sein. Das setzt eine Unternehmenskultur voraus, die dem Erreichen der Ziele eine h\u00f6here Priorit\u00e4t beimisst als dem Einhalten starrer Regeln.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den\u00a0Autor:<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-662\" src=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-120x120.jpg\" alt=\"Georg Kraus\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-120x120.jpg 120w, https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-210x210.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/>Dr. Georg Kraus<\/strong> ist Inhaber der Unternehmensberatung Dr. Kraus &amp; Partner, Bruchsal f\u00fcr die \u00fcber 100 Berater, Trainer und Projektmanager arbeiten. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur ist Autor mehrerer Change- und Projektmanagement-B\u00fccher. Er ist Lehrbeauftragter an der Universit\u00e4t Karlsruhe, der IAE in Aix-en-provence und der technischen Universit\u00e4t Clausthal.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fbei-projekten-flexibel-bleiben%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fbei-projekten-flexibel-bleiben%2F&text=Bei%20Projekten%20flexibel%20bleiben\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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