{"id":4677,"date":"2017-10-17T08:09:43","date_gmt":"2017-10-17T06:09:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=4677"},"modified":"2017-07-13T19:56:22","modified_gmt":"2017-07-13T17:56:22","slug":"reverse-mentoring-wenn-der-junior-den-senior-coacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/reverse-mentoring-wenn-der-junior-den-senior-coacht\/","title":{"rendered":"Reverse Mentoring: Wenn der Junior den Senior \u201ecoacht\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im klassischen Mentoring k\u00fcmmert sich ein Dienst\u00e4lterer um eine noch weniger kundige j\u00fcngere Person, damit diese sich in vordefinierten Bereichen weiterentwickeln kann. Im Reverse Mentoring funktioniert das genau andersherum: Der Junior \u201ecoacht\u201c den Senior auf solchen Themengebieten, die \u201eJung\u201c besser kann als \u201eAlt\u201c. So entsteht eine lernende Organisation, die zukunftsfit macht.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ziel des Reverse Mentoring ist es, die digitale Fitness im Unternehmen insgesamt zu erh\u00f6hen, Prozesse und Strukturen zu verj\u00fcngen, altgewohnte Denk- und Arbeitsweisen an die Erfordernisse der Zukunft anzupassen sowie \u00e4ltere Kollegen, F\u00fchrungskr\u00e4fte und das Topmanagement mit der Lebenswelt der Millennials besser vertraut zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir wollen mit dem Programm eine Br\u00fccke zwischen jungen und \u00e4lteren Mitarbeitern bauen und deren Zusammenwirken verbessern. Wenn jede Generation in ihrer Ecke verharrt, entstehen keine Neuerungen\u201c, erkl\u00e4rt Christine Jordi als Head of Diversity and Inclusion bei der Credit Suisse. Dort trafen sich seit 2012 jeweils bis zu 34 Tandems insgesamt sechs Mal im Rahmen eines halbj\u00e4hrlichen Durchgangs.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr jedes Unternehmen geeignet<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bislang haben vor allem Konzerne und Gro\u00dfunternehmen wie IBM, Henkel, Merck, Bosch, Continental, die Allianz, die Lufthansa und neben der Credit Suisse auch die Bank Austria Reverse-Mentoring-Programme aufgelegt. Das Konzept eignet sich nat\u00fcrlich auch f\u00fcr mittelst\u00e4ndische und kleinere Unternehmen. Diese stehen genauso wie die Gro\u00dfen vor den vielf\u00e4ltigen Herausforderungen durch die digitale Transformation. Und sie m\u00fcssen sich mit den neuesten gesellschaftlichen Entwicklungen ebenfalls auseinandersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grunds\u00e4tzlich ist dabei zu beachten: Zwischen Mentor und Mentee darf keine Konkurrenzsituation und auch keine hierarchische Abh\u00e4ngigkeit bestehen. Zuverl\u00e4ssigkeit, Integrit\u00e4t, Offenheit und Ehrlichkeit sind ein Muss. Zudem braucht es Freiwilligkeit auf beiden Seiten verbunden mit absoluter Diskretion. Die Akteure m\u00fcssen menschlich zueinander passen sowie Vertrauen und Respekt f\u00fcreinander empfinden. Sie betrachten sich als gleichwertig und begegnen sich auf Augenh\u00f6he.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Der Mehrwert f\u00fcr das Unternehmen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den meisten Organisationen gibt es einen anhaltenden Lernbedarf f\u00fcr digitale Nachz\u00fcgler. Das hat mit Vorbehalten, mit pers\u00f6nlichem Desinteresse, aber auch mit der rasanten Entwicklung der Digitalwirtschaft und den knappen Zeitbudgets in den oberen Etagen zu tun. Der Dialog zwischen Jung und Alt zu unterschiedlichen Ans\u00e4tzen und Standpunkten \u00fcber Generationen und Hierarchien hinweg kann die Unternehmenskultur insgesamt befruchten und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander verbessern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wissenstransfer wird optimiert und die Lernpyramide auch mal auf den Kopf gestellt. Zudem wird eine gr\u00f6\u00dfere Aufgeschlossenheit f\u00fcr Zukunftsthemen erreicht und der digitale IQ im gesamten Unternehmen gesteigert. Werden neben den eigenen Digitalprofis auch Ehemalige in das Programm involviert, finden diese wom\u00f6glich den Weg zur\u00fcck ins Unternehmen. Schlie\u00dflich kann Reverse Mentoring ein Alleinstellungsmerkmal f\u00fcr das Employer Branding sein und sollte deshalb aktiv vermarktet werden.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Der Mehrwert f\u00fcr den Mentor<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mentoren, die aus dem Kreis der Auszubildenden, Berufseinsteiger und High Potentials rekrutiert werden k\u00f6nnen, erfahren durch ihren Einsatz eine hohe Wertsch\u00e4tzung. Sie bekommen Sichtbarkeit im Unternehmen, verbreitern ihre fachlichen und zwischenmenschlichen Kompetenzen, erweitern ihr pers\u00f6nliches Netzwerk, gewinnen direkten Zugang zur Unternehmensspitze und pushen damit auch ihren Karriereweg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie erlangen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die andere Seite und Respekt vor dem, was in fr\u00fcheren Jahren unter ganz anderen Umst\u00e4nden geschaffen worden ist. Ferner erhalten sie detaillierte Einblicke in das klassische Management und lernen ihrerseits vom Mentee. Zudem sammeln sie w\u00e4hrend ihrer Mentorent\u00e4tigkeit einen Erfahrungsschatz, der f\u00fcr jede Art von Projektarbeit von Nutzen sein kann.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Der Mehrwert f\u00fcr den Mentee<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich kann man private Internetnutzungsfragen mit den eigenen Kindern besprechen, wenn diese im passenden Alter sind. Im Reverse Mentoring hingegen geht es um den betrieblichen Kontext. Es ist ein sanftes Programm, das gegen\u00fcber klassischen Weiterbildungskonzepten viele Vorteilen bietet. So k\u00f6nnen unter vier Augen auch solche Fragen zur Sprache kommen, die man in einer Trainingssituation vor versammelter Mannschaft nie stellen w\u00fcrde, um sich keine Bl\u00f6\u00dfe zu geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem kann die digitale Medienkompetenz individuell und punktuell verbessert werden. Etwaige Technologieblockaden, die oft auf Unsicherheit basieren, k\u00f6nnen gel\u00f6st, Ver\u00e4nderungs\u00e4ngste abgebaut, festgefahrene Gedankengeb\u00e4ude gelockert und Generationenvorurteile beseitigt werden. Der Mentee kann von der unverstellten Wahrnehmung der jungen Kollegen profitieren und neue Sichtweisen gewinnen. Schlie\u00dflich kann es auch darum gehen, wie die Millennials gef\u00fchrt werden wollen, um so die eigenen Leadership-Kompetenz zu optimieren.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Reverse Mentoring als Kulturbefruchter<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das klassische Mentoring entspringt der alten Topdown-Denke. Es impliziert ein ungleiches G\u00f6nner-Sch\u00fctzling-Verh\u00e4ltnis, Proteg\u00e9 werden die Mentees dort oft auch genannt. Das Reverse Mentoring hingegen entspricht dem Sharing-Ansatz von Geben und Nehmen, bei dem am Ende beide Seiten profitieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn im Idealfall kann sich ein Tandempaar gegenseitig coachen, also gleichzeitig voneinander und miteinander lernen. Junges Wissen und wertvolle Managementerfahrungen werden dabei getauscht. Solche Perspektivwechsel sch\u00e4rfen den Blick f\u00fcr alternative L\u00f6sungsmodelle, erweitern den Horizont und sorgen f\u00fcr neue Vorgehensweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kollektives Wissen wird angezapft, bereichert, professionalisiert und freigiebig weitergereicht. Insofern ist das Reverse Mentoring ein hervorragendes Tool, um eine lernende Organisation aufzubauen. Es nutzt vorhandenes Wissen, ganz egal, wo es herkommt, um sich fit f\u00fcr die Zukunft zu machen. Ganz abgesehen davon ist es eine sehr kosteng\u00fcnstige Form der freiwilligen Mitarbeiterentwicklung.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Eine lernende Organisation aufbauen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBeim Reverse Mentoring geht es darum, in der Hierarchie eines Unternehmens gezielt von unten nach oben Wissen und Erfahrungen weiterzugeben\u201c, bekr\u00e4ftigt Michael Heuser, Professor f\u00fcr Internationales Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn. \u201eDabei lernen nicht nur Individuen, sondern die Organisation als Ganzes.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus wird das gegenseitige Verstehen gef\u00f6rdert. Denn so, wie es den \u201eAlten\u201c nicht leichtf\u00e4llt, sich in die junge Welt hineinzudenken, so f\u00e4llt es den Juniors mitunter schwer, zu verstehen, warum die Seniors so ticken, wie sie es tun. \u201eJungspunde\u201c neigen ja ganz allgemein gerne dazu, alles anders zu machen, quasi das Rad st\u00e4ndig neu zu erfinden und die n\u00fctzlichen \u201ealten Weisheiten\u201c einfach zu ignorieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So f\u00fchrt mangelnde Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr das Lebenswerk fr\u00fcherer Generationen nicht selten zu Unverst\u00e4ndnis und Zwist. Allerdings sind die Young Professionals ausgesprochen lernbereit. Zudem sind sie an klassischem Mentoring sehr interessiert. \u00dcber zwei Drittel k\u00f6nnten sich Unterst\u00fctzung durch einen Mentor vorstellen. Zwei von zehn Millennials w\u00fcnschen sich diesen sogar explizit, fand die \u201eWorld of Work\u201c- Studie von Monster heraus.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Freverse-mentoring-wenn-der-junior-den-senior-coacht%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Freverse-mentoring-wenn-der-junior-den-senior-coacht%2F&text=Reverse%20Mentoring%3A%20Wenn%20der%20Junior%20den%20Senior%20%E2%80%9Ecoacht%E2%80%9C\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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