{"id":5766,"date":"2019-01-17T10:20:30","date_gmt":"2019-01-17T08:20:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=5766"},"modified":"2018-11-21T12:23:36","modified_gmt":"2018-11-21T10:23:36","slug":"eine-fehlertolerante-lernkultur-unumgaenglich-um-fit-fuer-die-zukunft-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/eine-fehlertolerante-lernkultur-unumgaenglich-um-fit-fuer-die-zukunft-zu-sein\/","title":{"rendered":"Eine fehlertolerante Lernkultur: unumg\u00e4nglich, um fit f\u00fcr die Zukunft zu sein"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In klassischen Unternehmen findet man oft eine angstvolle Fehlerkultur. Hingegen haben Jungunternehmen l\u00e4ngst verstanden: Nur da, wo nichts passiert, passieren garantiert keine Fehler. Lernen ist ohne Fehler einfach nicht m\u00f6glich. Sie sind der Preis f\u00fcr den Fortschritt. Denn wer sich nie verirrt, findet auch keine neuen Wege. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jungunternehmen sind unglaublich flott unterwegs. Sie probieren alles M\u00f6gliche aus und kalkulieren das Scheitern mit ein. \u201eStart many, try cheap, fail early\u201d, hei\u00dft dieses Prinzip: Viele Projekte starten, sie mit kleinen Mitteln und permanenten Feedback-Schleifen testen, Flops schnell erkennen und sofort eliminieren. Das bedeutet: F\u00fcr den Fall, dass man scheitert, scheitert man fr\u00fch. Kosten halten sich so auch in Grenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Digitalwelt ist eine gesunde Fehlerkultur demnach v\u00f6llig normal. In manchen Unternehmen k\u00f6nnen sich die Mitarbeiter sogar f\u00fcr eine ungew\u00f6hnliche Auszeichnung qualifizieren: \u201eStelle ein Projekt vor, das so richtig gegen die Wand gefahren ist\u201c, lautet die Aufforderung dort. Der dahinterliegende Sinn. Alle sollen daraus lernen. Denn eine negative Haltung gegen\u00fcber Fehlern erstickt Evolution und Innovationen im Keim.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Jeder kann durch Fehler kl\u00fcger werden<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">In klassischen Unternehmen werden Fehler gerne vertuscht. In der digitalen Szene hingegen werden diese als Entwicklungschancen gesehen. Dort f\u00fchlt man sich inspiriert von den Geschichten bekannter Unternehmer, die vor ihrem Durchbruch einige Male gescheitert sind. Ob Richard Branson, Mark Zuckerberg oder Jack Ma, CEO der chinesischen Alibaba Group: Die Offenheit ihres Umfeldes f\u00fcr ihr Scheitern machte sie erst zu den Weltver\u00e4nderern, die sie nun sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sogenannte \u201cFuckup-Nights\u201d, bei denen Gr\u00fcnder von ihrem Scheitern berichten, liegen im Trend. Jeder kann dort kl\u00fcger werden. Denn wer offen f\u00fcr Fehler ist, kann zuk\u00fcnftige Fehler eher vermeiden. Ihren Ursprung hat die Bewegung in Mexico City, wo 2012 f\u00fcnf gescheiterte Unternehmer zusammenkamen, um sich gegenseitig von ihren Misserfolgen zu erz\u00e4hlen. Sie haben sich diesen Terminus \u00fcbrigens sch\u00fctzen lassen. Also Obacht, wie Sie Ihre Veranstaltung nennen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Woher die Angst vor Fehlern \u00fcberhaupt kommt<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der alten Industriekultur konnte jeder Produktionsfehler den Ruin bedeuten, weil klassische Herstellungsprozesse teuer waren. Heute gilt es zu differenzieren. Was folgenschwere Nachwirkungen haben kann, verlangt zwangsl\u00e4ufig eine Null-Fehler-Toleranz. Und nat\u00fcrlich will jeder Kunde eine fehlerfreie Leistung. Hingegen ist Fehlerfreundlichkeit in der Entwicklungs- und anschlie\u00dfenden Optimierungsphase elementar. Digitale Produkte sind eh niemals fertig. Sie kommen als Beta-Version auf den Markt und werden mithilfe der User st\u00e4ndig verbessert und weiterentwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Entscheidung tr\u00e4gt die M\u00f6glichkeit des Scheiterns in sich. Nur da, wo nichts passiert, passieren garantiert keine Fehler. Sie bergen neben Risiken immer auch Chancen, sind quasi sich \u00f6ffnende Fenster. \u201eEin Fehler ist ein Ereignis, dessen gro\u00dfer Nutzen sich noch nicht zu deinem Vorteil ausgewirkt hat\u201c, postuliert Peter Senge, Vordenker der \u201elernenden Organisation\u201c. Ohne Fehlermachen ist Lernen \u00fcberhaupt gar nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Auf der Suche nach einer besseren Wortwahl<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fehler in der Wissensarbeit kann man meistens nur Irrtum nennen. Und Irrt\u00fcmer sind unvermeidlich. Das gleiche gilt bei Entwicklungsprozessen. Hierbei befindet man sich ja erst auf dem Weg zur K\u00f6nnerschaft. Verschiedenes muss ausprobiert werden und dabei sind Fehlversuche zwangsl\u00e4ufig. Ganz wichtig auch: Einem Anf\u00e4nger d\u00fcrfen mehr Fehler passieren als einem Profi. Niemand ist gleich vom Start weg perfekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer die exakten Worte findet, wird zudem eher erkennen, weshalb etwas schieflaufen konnte, um den Schaden dann m\u00f6glichst emotionsfrei aus der Welt zu schaffen. So l\u00e4sst sich ein Fehler auch wie folgt umschreiben: Lapsus, Panne, Kinderkrankheit, R\u00fcckschlag, Schwachstelle, Anlaufschwierigkeit, Trugschluss, \u00dcbersehen, Experiment. Solche Formulierungen sch\u00fctzen vor dem Gef\u00fchl des Versagens und machen Fehler verzeihlich.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Jeder Fehler ist zugleich ein Erkenntnisgewinn<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um sich schnell zu verbessern, brauchen Unternehmen eine fehlertolerante Lernkultur. Sie brauchen F\u00fchrungskr\u00e4fte, die konstruktive Fehler-Feedbackgespr\u00e4che f\u00fchren k\u00f6nnen. Und sie brauchen folgenden Punkt auf der Meeting-Agenda: \u201eWelche Erfahrungen ich gemacht habe, die sich alle sparen k\u00f6nnen.\u201c Jeder Mitarbeiter wei\u00df damit sogleich: Das wird uns hier nie wieder passieren. Und sofort ist das gesamte Team einen Schritt weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Findet eine solche Aktivit\u00e4t intern statt, wird ein gesch\u00fctzter Rahmen ben\u00f6tigt, damit alles offen und ehrlich auf den Tisch kommen kann. Jede erz\u00e4hlte Geschichte hilft den Anwesenden dabei, genau die Fehler zu vermeiden, die andere hinter sich haben. Es gibt inzwischen Firmen, die Bewerber bevorzugen, die schon mit einem Projekt gescheitert sind. Sie wissen um den Wert dieser Erfahrung. In gescheitert steckt n\u00e4mlich gescheit.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Fehler machen hei\u00dft \u00fcben, um siegen zu lernen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine fehleroffene, sanktionsfreie Lernkultur ist essentiell f\u00fcr die Zukunftsf\u00e4higkeit eines Unternehmens. Denn Fehler machen hei\u00dft \u00fcben, um siegen zu lernen. Wenn man Fehler hingegen verbirgt, dann machen andere m\u00f6glicherweise bald den gleichen Fehler &#8211; und das ganze wiederholt sich unz\u00e4hlige Mal. Und wenn man Fehler verschleppt, macht man aus einem Mini- ein Maxiproblem. So entstehen am Ende dann Gro\u00dfbaustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pflegt man hingegen eine offene Fehlerkultur, dann bringt dies alle dazu, auch \u00fcber das \u201eUnsagbare\u201c nachzudenken. Das totale Scheitern wird als m\u00f6gliche Option ganz selbstverst\u00e4ndlich in die Arbeit von Mitarbeiterteams und Projektgruppen miteinbezogen. Wenn der Super-GAU dann tats\u00e4chlich eintreten sollte, ist man wenigstens darauf vorbereitet. Denn Fehlervermeidung ist ja das eigentliche Ziel.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">F\u00fcnffache Kosten bei falschem Umgang mit Fehlern<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einzigen Fehler, die nicht toleriert werden k\u00f6nnen, sind Absicht, Nachl\u00e4ssigkeit und Schlamperei. Ansonsten ist ein Fehler erst wirklich ein Fehler, wenn er zum zweiten Mal passiert. \u201eBei uns darf jeder Fehler machen, nur nicht den, ihn zum Schaden des Unternehmens zu vertuschen.\u201c Das sollte in den Leitlinien eines jeden Unternehmens stehen. Denn der falsche Umgang mit Fehlern verursacht gleich f\u00fcnffache Kosten:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Aufwendungen f\u00fcr die fehlerhafte Leistungserstellung,<\/li>\n<li>Aufwendungen f\u00fcr die notwendige M\u00e4ngelbeseitigung,<\/li>\n<li>Umsatzverluste durch die Abwanderung entt\u00e4uschter Kunden,<\/li>\n<li>Umsatzverluste, die aus negativer Mundpropaganda entstehen,<\/li>\n<li>Vertrauensverluste aufgrund einer schlechten Reputation.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort, wo keine Fehler zugelassen oder diese sogar geahndet werden, verbringen Mitarbeiter ihre Zeit damit, sich abzusichern. Kollegen werden belauert, um deren Fehler anzuprangern. Oder man l\u00e4sst sie wissentlich ins Messer laufen. Statt nach L\u00f6sungen wird nach S\u00fcndenb\u00f6cken gesucht. Besser, man entwickelt Fehlerkompetenz. Das bedeutet, Fehler schnellstm\u00f6glich aufzudecken, Missst\u00e4nde zu beseitigen und gemeinsam zu besprechen, wie Fehler in Zukunft umgangen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Wie man eine angstfreie Fehler-Lern-Kultur schafft<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede F\u00fchrungskraft kann, soll und muss eine Aus-Fehlern-lernen-Kultur etablieren. Um diesen Prozess in die richtige Richtung zu lenken, beginnen Sie im ersten Schritt so:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Verlangen Sie von Ihren Mitarbeitern, \u00fcber schlechte Nachrichten als Erster informiert zu werden.<\/li>\n<li>Verlangen Sie au\u00dferdem, dass Ihre Mitarbeiter Ihnen widersprechen, und loben Sie diese daf\u00fcr \u00f6ffentlich.<\/li>\n<li>Bedanken Sie sich ausdr\u00fccklich bei denen, die ihre Fehler z\u00fcgig offenlegen oder schlechte Botschaften \u00fcberbringen.<\/li>\n<li>Dr\u00fccken Sie starkes Missfallen aus, wenn Ihnen gezielt etwas verschwiegen wurde, wenn Fehler unter den Teppich gekehrt werden, wenn Berichte gesch\u00f6nt sind oder wenn ganz offensichtlich gelogen wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragen Sie sich vor allem aber auch, welche internen Strukturen und Prozesse individuelles Versagen \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich gemacht haben. Denn Fehler werden gerne personalisiert. Sind aber \u201eder Huber\u201c oder \u201edie M\u00fcller\u201c schuld, dann kann die Organisation selbst nichts f\u00fcr sich lernen. Zukunftsfitness erfordert mehr Fehlertoleranz als jemals zuvor. Und das ist zuvorderst eine Sache der Unternehmenskultur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Buch zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/amzn.to\/2OYz7du\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anne M. Sch\u00fcller, Alex T. Steffen: Fit f\u00fcr die Next Economy &#8211; Zukunftsf\u00e4hig mit den Digital Natives<\/a><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Feine-fehlertolerante-lernkultur-unumgaenglich-um-fit-fuer-die-zukunft-zu-sein%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Feine-fehlertolerante-lernkultur-unumgaenglich-um-fit-fuer-die-zukunft-zu-sein%2F&text=Eine%20fehlertolerante%20Lernkultur%3A%20unumg%C3%A4nglich%2C%20um%20fit%20f%C3%BCr%20die%20Zukunft%20zu%20sein\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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