{"id":6361,"date":"2019-09-09T10:35:54","date_gmt":"2019-09-09T08:35:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=6361"},"modified":"2023-02-03T16:48:55","modified_gmt":"2023-02-03T14:48:55","slug":"design-thinking-die-denkhaltung-um-in-einer-schnellebigen-mehrdeutigen-welt-erfolgreich-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/design-thinking-die-denkhaltung-um-in-einer-schnellebigen-mehrdeutigen-welt-erfolgreich-zu-sein\/","title":{"rendered":"Design Thinking \u2013 Die Denkhaltung, um in einer schnellebigen, mehrdeutigen Welt erfolgreich zu sein"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Design Thinking ist ein kreatives Herangehen an die Probleme und Herausforderungen einer mehrdeutigen Welt. Nur wer gelernt hat, empathisch mit Kunden\/innen zu werden, Ideen zu generieren, Probleme mittels Prototypen anzugehen und diese umgehend zu testen, kann in unserer schnelllebigen Welt beruflich erfolgreich sein. Wen Design Thinking als menschenzentrierte, iterative, kollaborative Herangehensweise genutzt wird, k\u00f6nnen auch f\u00fcr die komplexen Fragestellungen unserer Zeit innovative L\u00f6sungen gefunden werden.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Warum Design Thinking?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zahlreiche \u00fcbergeordnete Entwicklungen wie Digitalisierung und Globalisierung f\u00fchren dazu, dass wir in einer Welt leben, in der Entscheidungen immer \u00f6fter unter sogenannten VUCA-Bedingungen getroffen werden m\u00fcssen, d.h. unter volatilen (Volatility), unsicheren (Uncertainty), komplexen (Complexity) und mehrdeutigen (Ambiguity) Rahmenbedingungen. Dies betrifft vor allem die Gesch\u00e4ftswelt und damit die darin agierenden F\u00fchrungskr\u00e4fte. Welche Herangehensweise, welche Denkhaltung ist notwendig, um in so einem Umfeld erfolgreich zu sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Design Thinking, das leider oft als eine weitere Kreativit\u00e4tsmethode missverstanden wird, kann die Antwort zur L\u00f6sung schwieriger Fragen des Managements bzw. der Unternehmensf\u00fchrung sein. Um die aktuellen und zuk\u00fcnftigen Herausforderungen des Arbeitsmarktes zu meistern, muss Design Thinking in seiner ganzen Bandbreite verstanden, ge\u00fcbt und verinnerlicht werden \u2013 als Denkhaltung (Mindset) rund um die eigentliche Methode und eingebettet in die notwendige innovative Innovationskultur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Design Thinking ist weit mehr als eine Kreativit\u00e4tsmethode! Dies ergibt sich alleine schon aus dem Begriff Design, der ein soziales, allt\u00e4gliches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Ph\u00e4nomen beschreibt. Design ist nicht auf isolierte Artefakte beschr\u00e4nkt, sondern beinhaltet immer auch die gestalterische T\u00e4tigkeit, die Umgebung sowie individuelles und gesamtgesellschaftliches Verhalten. Design bzw. \u201eGestaltung\u201c muss als bewusste, ver\u00e4ndernde Einflussnahme auf die Erscheinung von Dingen und \u2013 grunds\u00e4tzlicher noch \u2013 wahrnehmbare Ph\u00e4nomene verstanden werden, mithin als Gestaltung sozialer Praxis. Dieser breite Zugang erkl\u00e4rt die Notwendigkeit der einzelnen Elemente der eigentlichen Design Thinking Methode.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Einf\u00fchlphase<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einf\u00fchlphase, auch Empathiephase, ist das Herzst\u00fcck eines menschenzentrierten Designprozesses. Dabei gilt es, die Menschen im Kontext der Designherausforderung zu verstehen. Es wird versucht herauszufinden, wie sie Dinge tun und warum, welche physischen und emotionalen Bed\u00fcrfnisse sie haben, wie sie \u00fcber die Welt denken und was f\u00fcr sie von Bedeutung ist. Wenn man beobachtet, was Menschen tun und wie sie mit ihrer Umgebung interagieren, erh\u00e4lt man Hinweise darauf, was sie denken und f\u00fchlen. Diese Erkenntnisse geben die Richtung vor, um innovative L\u00f6sungen zu schaffen. Die besten L\u00f6sungen ergeben sich aus den vertieften Einsichten in menschliches Verhalten. Folgende drei Herangehensweisen sind zentral, um empathisch zu sein und sich einzuf\u00fchlen: beobachten &#8211; engagieren\/&#8220;interviewen \u2013 schauen und zuh\u00f6ren.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Definitionsphase<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ziel der Definitionsphase ist es, eine aussagekr\u00e4ftige und umsetzbare Problemstellung zu erstellen \u2013 oft als Point-of-view (Standpunkt) bezeichnet. Dies sollte eine richtungsweisende Aussage sein, die sich auf die Einsichten und Bed\u00fcrfnisse eines bestimmten Benutzers\/einer Benutzerin konzentriert. Die Einblicke entstehen aus einem Prozess der Informationssynthese, um Zusammenh\u00e4nge und Muster zu entdecken. Kurz gesagt, der Definitionsmodus ist \u201eSensemaking\u201c. In dieser Definitionsphase werden die verstreuten Befunde zu aussagekr\u00e4ftigen Erkenntnissen zusammengefasst. Es ist diese Synthese der Ergebnisse der Empathiearbeit, die den Designdenkern den Vorteil bietet, den niemand sonst hat: Entdeckungen, die genutzt werden k\u00f6nnen, um die Designherausforderung anzugehen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Ideenfindungsphase<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die in dieser Phase gefundenen Ideen sind sowohl der Treibstoff als auch das Ausgangsmaterial f\u00fcr den Bau von Prototypen und die Bereitstellung innovativer L\u00f6sungen f\u00fcr die Benutzer\/in. Die Ideenfindung ist die Chance, das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Problemraum und die Personen, f\u00fcr die gestaltet wird, mit der Vorstellungskraft zu kombinieren, um L\u00f6sungskonzepte zu generieren. Besonders zu Beginn eines Designprojekts geht es bei Ideation darum, auf eine m\u00f6glichst breite Palette von Ideen hinzuarbeiten, aus denen man ausw\u00e4hlen kann. Auf keinen Fall soll nur eine einzige, \u201ebeste\u201c L\u00f6sung gesucht werden. Diese wird sp\u00e4ter durch Benutzertests und Feedback ermittelt. Verschiedene Formen der Ideenfindung werden eingesetzt. Zum Beispiel nutzt man in einem Brainstorming Synergien in der Gruppe, um wirklich neu Ideen zu finden, indem man auf den Ideen anderer aufbaut. Es gibt andere Ideenfindungstechniken wie Bodystorming und visuelle Synektik. Bei allen ist es zentral, die Bewertung aufzuschieben, d.h. die Ideengenerierung von der Beurteilung zu trennen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Prototypenphase<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Prototyping-Modus ist die iterative Generierung von Artefakten, die Fragen beantworten sollen, die n\u00e4her an die endg\u00fcltige L\u00f6sung f\u00fchren. In der Anfangsphase werden \u201egrobe\u201c Prototypen (low fidelity) schnell und kosteng\u00fcnstig hergestellt, die n\u00fctzliche R\u00fcckmeldungen bei den Benutzern\/innen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. In sp\u00e4teren Phasen kann sowohl der Prototyp als auch die damit verbundene Fragestellung etwas verfeinert werden. Ein Prototyp kann alles sein, mit dem ein Benutzer\/eine Benutzerin interagieren kann &#8211; eine Wand aus Haftnotizen, ein zusammengestelltes Gadget, eine Rollenspielaktivit\u00e4t oder sogar ein Storyboard. Idealerweise tendiert man zu etwas, was der Benutzer\/die Benutzerin erleben kann, um Emotionen und Reaktionen von dieser Person hervorzurufen. Man verwendet Prototyping vor allem dazu, um M\u00f6glichkeiten zu testen. Ein Prototyp sollte beim Testen immer eine bestimmte Frage, aufbauend auf einer dahinter liegenden Hypothese, beantworten. In \u201eniedriger Aufl\u00f6sung\u201c zu bleiben, erm\u00f6glicht es, viele verschiedene Ideen zu verfolgen, ohne sich zu fr\u00fch auf eine Richtung festzulegen. So verwaltet man den L\u00f6sungserstellungsprozess.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Testphase<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Testmodus holt man von den Benutzern\/innen Feedback zu den erstellten Prototypen ein und hat eine weitere Gelegenheit, Empathie f\u00fcr die Personen aufzubauen, f\u00fcr die man entwirft. Im Idealfall wird im realen Kontext des Benutzerlebens getestet. Man kann die Benutzer\/innen zum Beispiel bitten, ein physisches Objekt mitzunehmen und im Rahmen ihrer normalen Routine zu verwenden. Wenn das Testen eines Prototyps vor Ort nicht m\u00f6glich ist, kann eine realit\u00e4tsnahe Situation simuliert werden, indem die Benutzer dazu gebracht werden, eine Rolle oder Aufgabe zu \u00fcbernehmen, wenn sie sich dem Prototypen n\u00e4hern. Als Faustregel gilt: Man baut die Prototypen immer so, als ob man w\u00fcsste, dass man Recht hat, aber testet so, als ob man wei\u00df, dass man irrt. Testen ist die Chance, die L\u00f6sungen zu verfeinern und zu verbessern.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Design Thinking hei\u00dft Iteration<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Iteration ist eine Grundvoraussetzung f\u00fcr gutes Design. Man iteriert sowohl, indem der Prozess mehrmals durchlaufen wird, als auch innerhalb eines Schritts, indem beispielsweise mehrere Prototypen erstellt oder Variationen eines Brainstormingthemas mit mehreren Gruppen ausprobiert werden. Wenn der Entwurfsprozess in mehreren Zyklen durchlaufen wird, wird der Umfang im Allgemeinen enger, und man wechselt von der Arbeit am umfassenden Konzept zu den differenzierten Details. Der Prozess unterst\u00fctzt diese Entwicklung jedoch weiterhin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Einfachheit halber wurde der Prozess hier als eine lineare Abfolge dargestellt, aber Entwurfsherausforderungen k\u00f6nnen durch Verwenden der Entwurfsmodi in verschiedenen Reihenfolgen angenommen werden. Dar\u00fcber hinaus gibt es eine unbegrenzte Anzahl von Design-Frameworks, mit denen gearbeitet werden kann. Der hier vorgestellte Prozess ist ein Vorschlag f\u00fcr ein Framework. Letztendlich gilt es den Prozess zu seinem eigenen machen und ihn an den eigenen Stil und die eigene Arbeitsweise anzupassen. Der Prozess, der f\u00fcr einen selbst funktioniert, wird dann in der allt\u00e4glichen Anwendung verfeinert. Das Wichtigste ist, dass man, wenn man Innovationen \u00fcbt und praktiziert, eine gestalterische Denkweise entwickelt, die die eigene Arbeitsweise durchdringt, unabh\u00e4ngig davon, welcher Prozess verwendet wird.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Anwendungsgebiete<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die mit diesem Vorgehen einhergehenden F\u00e4higkeiten sind vor allem dort gefragt, wo es in den n\u00e4chsten Jahren durch die Digitalisierung zur Ver\u00e4nderung bestehender Gesch\u00e4ftsmodelle und damit zu neuen Managementherausforderungen kommen wird. Dies kann in der produzierenden Industrie, im Dienstleistungssektor oder im \u00f6ffentlichen Dienst der Fall sein. \u00dcberall dort, wo neue innovative L\u00f6sungen gefragt sind, bedarf es dieser \u201eDesign Thinking\u201c-Denkhaltung. Eine kund\/innenorientierte, interdisziplin\u00e4re und agile Vorgehensweise, wird immer st\u00e4rker als Grundvoraussetzung gesehen, um Schl\u00fcssel- und F\u00fchrungspositionen in Unternehmen zu besetzen oder eigene Unternehmen zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Autor:<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-6363\" src=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Wecht-120x120.jpg\" alt=\"Wecht\" width=\"120\" height=\"120\" \/>Univ.-Prof. (NDU) Dipl.-Ing. Dr. Christoph H. Wecht, MBA \u00a0\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christoph Wecht ist seit September 2017 Studiengangsleiter des Bachelorstudiengangs Management by Design an der New Design University (NDU) in St. P\u00f6lten, wo er zum Professor f\u00fcr Management berufen wurde. Er ist als Berater, Coach und Vortragender t\u00e4tig und publiziert wissenschaftliche und anwendungsbezogene Zeitschriftenartikel und Buchbeitr\u00e4ge. Vor seinem Wechsel an die NDU leitete er das Kompetenzzentrum f\u00fcr Open Innovation am Institut f\u00fcr Technologiemanagement (ITEM-HSG) am Lehrstuhl f\u00fcr Innovationsmanagement (Prof. Dr. Oliver Gassmann) an der Universit\u00e4t St. Gallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Informationen \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/institut-niederoesterreich-new-design-university-privatuniversitaet-gesmbh-41\">New Design University (NDU)<\/a><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fdesign-thinking-die-denkhaltung-um-in-einer-schnellebigen-mehrdeutigen-welt-erfolgreich-zu-sein%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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