{"id":6529,"date":"2019-12-16T10:17:32","date_gmt":"2019-12-16T08:17:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=6529"},"modified":"2019-09-29T19:26:28","modified_gmt":"2019-09-29T17:26:28","slug":"agile-skalierung-und-strategieumsetzung-die-wichtigsten-agilen-prinzipien-im-ueberblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/agile-skalierung-und-strategieumsetzung-die-wichtigsten-agilen-prinzipien-im-ueberblick\/","title":{"rendered":"Agile Skalierung und Strategieumsetzung &#8211; Die wichtigsten, agilen Prinzipien im \u00dcberblick"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sind die agilen Methoden ein Allheilmittel beim Bew\u00e4ltigen der Herausforderungen, vor denen die Unternehmen in der VUKA-Welt stehen! Nein, denn Agilit\u00e4t bei der Strategieumsetzung zeigt sich gerade in einem differenzierten Vorgehen, das auch die Funktion der Bereiche in der Organisation ber\u00fccksichtigt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Management- und Beraterszene wird unter dem Stichwort \u201eAgile Skalierung\u201c aktuell lebhaft dar\u00fcber diskutiert, inwieweit sich die agilen Arbeitsweisen und -methoden, die ihre Wurzeln eigentlich alle in der Softwareentwicklung haben, auch auf andere T\u00e4tigkeitsfelder oder gar ganze Unternehmen \u00fcbertragen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unternehmen versprechen sich hiervon, in der von rascher Ver\u00e4nderung gepr\u00e4gten VUKA-Welt, in der immer h\u00e4ufiger \u201eSchwarze Schw\u00e4ne\u201c \u2013 also unvorhersehbare Ereignisse \u2013 ihre Planungen obsolet machen, eine M\u00f6glichkeit, schneller und flexibler auf Marktver\u00e4nderungen reagieren zu k\u00f6nnen. Und die Beraterbranche? Sie verspricht sich davon mehr Business, als wenn die agilen Methoden zum Beispiel nur im IT- und F&amp;E-Bereich eingef\u00fchrt werden \u2013 gerade weil, wie die Evangelisten einer Agilen Skalierung immer wieder betonen: Das effektive Nutzen der agilen Methoden setzt einen radikalen Wandel der Kultur in den Unternehmen und des Mindsets der Mitarbeiter voraus; deshalb ist deren unternehmensweite Einf\u00fchrung letztlich ein Mega-Change- bzw. Transformationsprojekt.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die wichtigsten, agilen Prinzipien<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch ist ein \u00dcbertragen der agilen Methoden und Arbeitsweisen auf weite Teile einer Organisation oder gar die ganze Organisation \u00fcberhaupt m\u00f6glich und sinnvoll? Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zun\u00e4chst vor Augen f\u00fchren, was die zentralen Elemente bzw. Prinzipien der agilen Methoden sind:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Eine konsequente Ausrichtung der Projekt- und Alltagsarbeit auf die Bed\u00fcrfnisse der Kunden.<\/li>\n<li>Eine weitgehende \u00dcbertragung der Entscheidungsbefugnisse auf die Mitarbeiter bzw. (interdisziplin\u00e4re)Teams, so dass diese eigenverantwortlich handeln k\u00f6nnen, und eine entsprechende F\u00fchrung.<\/li>\n<li>Eine bereichs- und funktions\u00fcbergreifende Zusammenarbeit z.B. in Scrum- oder Entwicklerteams, in denen alle n\u00f6tigen Kompetenzen bzw. Kompetenzbereiche vertreten sind, um das \u00fcbergeordnete Ziel zu erreichen.<\/li>\n<li>Eine inkrementelle Arbeitsweise, bei der gr\u00f6\u00dfere und komplexere Vorhaben, geleitet von einer Vision, nicht vorab im Detail, sondern schrittweise, in sogenannten Sprints geplant werden und den Kunden im Prozessverlauf regelm\u00e4\u00dfig sogenannte Inkremente \u2013 also (Teil-)L\u00f6sungen \u2013 ausgeliefert werden, die diese bereits nutzen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Ein iteratives Vorgehen, bei dem in den Gesamtprozess immer wieder Reflexionsschleifen eingebaut sind, um aus den gewonnenen Erfahrungen, neuen Informationen usw. Schl\u00fcsse f\u00fcr das weitere Vorgehen zu ziehen.<\/li>\n<\/ol>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Alter Wein in neuen Schl\u00e4uchen?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies sind die zentralen S\u00e4ulen einer agilen Arbeitsweise bzw. eines agilen Projektmanagements. Doch sind diese Prinzipien neu? Die konsequente Ausrichtung der Projekt- und Alltagsarbeit auf die Bed\u00fcrfnisse der Kunden ist es nicht! Sie wird in allen Managementsystemen propagiert, die in den letzten Jahrzehnten en vogue waren \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob diese KVP, TQM, Kaizen, Six Sigma oder Lean Management hie\u00dfen. Inwieweit dieser Anspruch im Betriebsalltag eingel\u00f6st wurde, ist eine andere Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bezogen auf die geforderte weitgehende \u00dcbertragung der relevanten Entscheidungsbefugnisse auf die Mitarbeiter bzw. Teams, so dass diese im Arbeitsalltag selbstbestimmt und eigenverantwortlich handeln k\u00f6nnen. Auch sie ist ein zentrales Element aller vorgenannten Managementsysteme ebenso wie die Forderung: Die F\u00fchrung muss sich \u00e4ndern; die F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen sich als Coach bzw. Bef\u00e4higer und Erm\u00e4chtiger ihrer Mitarbeiter verstehen. Auch diesbez\u00fcglich wurden in vielen Unternehmen schon umfangreiche Initiativen ergriffen. Inwieweit sie Fr\u00fcchte trugen, ist erneut eine andere Frage.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zerrbilder von F\u00fchrung wirken kontraproduktiv<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungeachtet dessen sollte man diese Historie vor Augen haben, wenn es um das Thema Agile Skalierung nicht in irgendwelchen Start-ups, sondern gr\u00f6\u00dferen, gewachsenen Organisationen geht. Denn wenn die Agilen Evangelisten betonen \u201eDer Mindset muss sich grunds\u00e4tzlich \u00e4ndern\u201c, malen sie oft ein Zerrbild von F\u00fchrung an die Wand, das rein auf dem Befehl-Gehorsam-Prinzip basiert. Dies birgt die Gefahr, dass die Adressaten denken: \u201eDas entspricht doch nicht der betrieblichen Realit\u00e4t.\u201c Zurecht! Denn dieser F\u00fchrungsstil mag zwar in den Teilen der Unternehmen noch dominieren, die aufgrund ihrer geringen Relevanz f\u00fcr den Unternehmenserfolg in den letzten Jahren weitgehend in Tochtergesellschaften ausgelagert wurden; in den Kernbereichen der Unternehmen ist dies in der Regel jedoch nicht mehr der Fall. Denn ansonsten h\u00e4tten diese Bereiche, die meist im Team komplexe Probleml\u00f6sungen f\u00fcr ex- oder interne Kunden entwerfen, ihre Leistung gar nicht erbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Zerrbilder von F\u00fchrung sind plakativ. Sie sind jedoch nicht zielf\u00fchrend, wenn es um das Thema Kulturwandel geht, denn sie desavouieren neben der Leistung, auch die in der Vergangenheit bereits gezeigte Ver\u00e4nderungsf\u00e4higkeit und -bereitschaft der Mitarbeiter (inklusive F\u00fchrungskr\u00e4fte). Zudem verkennen sie die realen Ursachen, warum gerade F\u00fchrungskr\u00e4fte auf der unteren und mittleren Ebene im Betriebsalltag zuweilen ein autorit\u00e4res oder autorit\u00e4r wirkendendes Verhalten zeigen. Dies liegt eher selten daran, dass sie \u201eautorit\u00e4re Charaktere\u201c sind; weit h\u00e4ufiger ist die Ursache: Aufgrund ihrer Sandwich-Position stehen sie, zumindest gef\u00fchlt, unter einem so hohen Leistungs- und Erfolgsdruck, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen \u2013 auch aufgrund von Kompetenzdefiziten im Bereich F\u00fchrung.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Manko: Bereichs\u00fcbergreifende Teamarbeit<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wie sieht es mit der bereichs- und funktions\u00fcbergreifenden Zusammen- und Teamarbeit aus, um das \u00fcbergeordnete Ziel zu erreichen? Dass diesbez\u00fcglich noch oft ein gro\u00dfes Manko in den Unternehmen besteht, belegen viele Studien. Zwar wird eine solche Kooperation bei manchen Managementsystemen wie Hoshin Kanri bzw. Policy Deployment gefordert, in den meisten Unternehmen wurden jedoch prim\u00e4r die Zusammen- und Teamarbeit in den einzelnen Bereichen optimiert. Bereichs- und funktions\u00fcbergreifend wurden aus den Schnittstellen keine Nahtstellen. Sie blieben Schnittstellen, und das Bereichs- bzw. Silodenken wurde selten durchbrochen. Hier ruhen denn auch noch zahlreiche ungenutzte Potenziale, wenn es um das Steigern der Agilit\u00e4t, also Reaktionsgeschwindigkeit und Effektivit\u00e4t der Unternehmen geht.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Inkrementelles Vorgehen ist oft nicht m\u00f6glich<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wie sieht es nun bez\u00fcglich der inkrementellen Arbeitsweise aus, bei der den Kunden im Prozess- bzw. Projektverlauf regelm\u00e4\u00dfig sogenannte Inkremente ausgeliefert werden? Sie w\u00e4re bei komplexeren Vorhaben durchaus erstrebenswert. Doch ist sie in allen Branchen und Unternehmensbereichen realisierbar?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Entwicklung und Produktion von Software ja. Ein Softwareunternehmen oder der IT-Bereich eines Unternehmens kann an seine Kunden die Alpha-Version einer Software ausliefern \u2013 zumal diese als digitales Produkt leicht distribuierbar ist \u2013 und zu ihnen sagen: \u201eArbeitet schon mal damit und sammelt damit Erfahrung; die Beta-Version wird dann auch die Funktionen a, b und c enthalten.\u201c Und wenn im laufenden Betrieb bei den Kunden schwerwiegende Bugs auftreten? Dann ist dies auch kein Problem, denn in den meisten Gro\u00dfunternehmen ist es bei der Einf\u00fchrung einer neuen systemrelevanten Software \u00fcblich: Die alte und die neue Software laufen einige Zeit im Parallelbetrieb, um zu vermeiden, dass ein folgenschwerer Bug den gesamten Betrieb lahmlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders ist dies bei der Produktion von T\u00fctensuppen. Ein T\u00fctensuppenhersteller kann zu seinen Kunden nicht sagen: \u201eIch liefere euch heute schon mal das Suppenextrakt, die Verpackung bekommt ihr in ein paar Wochen.&#8220; Und ein Autoproduzent? Er kann zu seinen Kunden nicht sagen: Ich liefere euch schon mal den Motor \u2013 zum Ausprobieren. In drei Monaten folgen dann die Kupplung und Bremse.\u201c Ebenso kann er sich Bugs beim Betrieb nicht leisten \u2013 zumindest wenn er teure R\u00fcckrufaktionen und Schadensersatzklagen vermeiden m\u00f6chte. Insofern stellt sich sowohl bei der Produktion von T\u00fctensuppen, als auch Autos, oder allgemein bei der Produktion industriell gefertigter (Massen-)Produkte die Frage,<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>inwieweit ist bei ihr eine inkrementelle Arbeitsweise \u00fcberhaupt m\u00f6glich (und n\u00f6tig) bzw.<\/li>\n<li>was hei\u00dft agiles Arbeiten in diesem Kontext \u00fcberhaupt oder in welchen Verhaltensweisen zeigt es sich.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur weil sich eine Arbeitsweise bei der Entwicklung und Produktion von Software bew\u00e4hrt hat, l\u00e4sst sich diese nicht 1 zu 1 auf alle Branchen und Unternehmensbereiche \u00fcbertragen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Iteratives Vorgehen ist auch nicht neu<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bliebe als letztes Prinzip das iterative, schrittweise Vorgehen, bei dem bei komplexen Projekten und Vorhaben in den Prozess Reflexionsschleifen eingebaut sind, um aus den bereits gesammelten Erfahrungen und neu gewonnenen Informationen Schl\u00fcsse f\u00fcr das weitere Vorgehen zu ziehen? Auch dieses ist nicht neu! Wozu dienten denn in der Vergangenheit die Meilensteine in Projekten? Unter anderem dazu, um bei ihrem (Nicht-)Erreichen zu \u00fcberpr\u00fcfen: Sind wir (noch) auf dem richtigen Weg das \u00fcbergeordnete Ziel zu erreichen oder sollten wir \u00c4nderungen an unserer Planung vornehmen? Ein Projektmanager bzw. Projektteam, das dies nicht tat, war entweder unf\u00e4hig oder nahm seinen Job nicht wahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich verhielt es sich im B2B-Vertrieb, wenn ein Vertriebsteam nicht selten in monate-, teils sogar jahrelanger m\u00fchsamer Kleinarbeit versuchte, beispielsweise eine Maschinenanlage zu verkaufen. Dann waren in diesen Prozess selbstverst\u00e4ndlich Reflexionsschleifen eingebaut, in denen sich die Mitglieder des Vertriebsteams zum Beispiel fragten: Welche neuen Informationen und Erkenntnisse haben wir bei unserem j\u00fcngsten Meeting mit dem Buying-Team auf der Kundenseite gewonnen? Was hei\u00dft dies f\u00fcr unser weiteres strategisches und taktisches Vorgehen? Und, und, und? Ein Vertriebsteam bzw. ein Vertriebsleiter, der dies mit seinem Team nicht tat, war schlicht unf\u00e4hig &#8230; und gewiss auch nicht sehr erfolgreich.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Mitarbeiter nicht br\u00fcskieren, sondern mitnehmen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil es solche Vertriebsleiter oder F\u00fchrungskr\u00e4fte vereinzelt noch gibt, allen F\u00fchrungskr\u00e4ften indirekt zu unterstellen, ihr Mindset und ihr F\u00fchrungsverhalten seien antiquiert, um die Notwendigkeit eines agilen Changes zu propagieren, ist arrogant: Dies ist zudem kontraproduktiv, denn ein Steigern der Agilit\u00e4t von Unternehmen ist nur mit den betroffenen Mitarbeitern m\u00f6glich. Also m\u00fcssen diese als Mitstreiter gewonnen werden. Dies gelingt nicht, indem man zu ihnen sagt \u201eIhr habt bisher alles falsch gemacht; Euer Mindset muss sich radikal ver\u00e4ndern\u201c, sondern indem man zum Beispiel als F\u00fchrungskraft oder Projektmanager<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>ihre bereits vorhandenen zielf\u00fchrenden Verhaltensweisen lobt und verst\u00e4rkt,<\/li>\n<li>sie dazu motiviert und inspiriert, ihre nicht zielf\u00fchrenden Einstellungen und Verhaltensmuster zu \u00fcberdenken, und<\/li>\n<li>die erforderlichen Rahmenbedingungen schafft, dass sie neue, zielf\u00fchrende Verhaltensweisen zeigen (k\u00f6nnen).<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierin zeigt sich letztlich, ob eine F\u00fchrungskraft ein Erm\u00e4chtiger und Bef\u00e4higer ihrer Mitarbeiter ist.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Bei agiler Skalierung differenziert vorgehen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wie sollten Unternehmen nun vorgehen, die erw\u00e4gen, in weiten Teilen ihrer Organisation die agilen Methoden einzuf\u00fchren? In der Regel befassen sich Unternehmen mit diesem Thema erst, nachdem sie in ihrer Organisation bereits in ein, zwei Bereichen \u2013 zum Beispiel der IT oder Forschung &amp; Entwicklung \u2013 positive Erfahrungen mit dieser Arbeitsweise gesammelt haben. Das ist gut so! Denn dann existieren schon Mitarbeiter, die ihren Kollegen von ihren Erfahrungen mit den agilen Methoden berichten und ihnen erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, warum eine Besch\u00e4ftigung mit diesen auch f\u00fcr die anderen Bereiche oder gar die gesamte Organisation sinnvoll sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besteht diese Ausgangssituation kann das Thema Agile Skalierung in Angriff genommen werden. Ein erster Schritt in diese Richtung k\u00f6nnen Workshops mit Entscheidern aus den adressierten Bereichen sein. Diese k\u00f6nnen wie folgt konzipiert sein: Zun\u00e4chst erl\u00e4utern Vertreter des Managements, warum sich das Unternehmen \u00fcberhaupt mit dem Thema Agile Skalierung befasst und was es sich von einer Steigerung der Agilit\u00e4t verspricht. Danach schildern Experten an Praxisbeispielen die Prinzipien einer agilen Arbeitsweise, bevor Kollegen aus den Bereichen, die bereits agil arbeiten, \u00fcber ihre Erfahrungen mit den neuen, agilen Methoden berichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem so ein gewisses agiles Bewusstsein geschaffen wurde, kann mit den Vertretern der Bereiche ermittelt werden:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Inwieweit in ihren Bereichen das Einf\u00fchren agiler Arbeitsweisen \u00fcberhaupt m\u00f6glich sowie sinnvoll und zielf\u00fchrend w\u00e4re?<\/li>\n<li>Wenn ja, worin zeigt sich die gew\u00fcnschte Agilit\u00e4t bei der Alltagsarbeit und auf welche Handlungs-\/Aktionsfelder bezieht sie sich?<\/li>\n<li>Welche Ver\u00e4nderungen auf der Kultur- und Strukturebene sowie auf der Einstellungs- und Verhaltensebene sind n\u00f6tig, um das angestrebte Ver\u00e4nderung zu erreichen? Und:<\/li>\n<li>Auf welche in der Vergangenheit ergriffenen Initiativen kann aufgebaut werden, um das angestrebte Ziel zu erreichen?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letzteres ist auch wichtig, um den Mitarbeitern die l\u00e4hmende Angst zu nehmen, alles muss und wird sich \u00e4ndern \u2013 denn faktisch ist dies in der Praxis meist nur in Teilen der Organisation der Fall.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Einen Entwicklungsplan f\u00fcr jeden Bereich entwerfen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ergebnisse der Workshops k\u00f6nnen bezogen auf die einzelnen Bereiche sehr verschieden sein. Sie k\u00f6nnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bezogen auf die weitgehend automatisierte Produktion eines Masseng\u00fcterherstellers durchaus lauten: Ein Einf\u00fchren der agilen Methoden in unserer Produktion lohnt sich nicht, denn in ihr geht es weitgehend darum, zuverl\u00e4ssig ein- und dasselbe Produkt zu produzieren, das den definierten Qualit\u00e4tsstandards entspricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen sollten wir die bereits ergriffenen Initiativen im KVP- und Lean-Bereich intensivieren, die darauf abzielen, die Qualit\u00e4t der Leistung und Kundennutzen kontinuierlich zu steigern. Zudem sollten wir unsere F\u00fchrungskr\u00e4fte auf der Shopfloor-Ebene zu Kata Coaches ausbilden, die sukzessiv die Kompetenz ihrer Mitarbeiter erh\u00f6hen, eigenst\u00e4ndig Probleme zu erkennen und zu l\u00f6sen. Dar\u00fcber hinaus sollten wir jedoch das Bewusstsein der Mitarbeiter daf\u00fcr schulen, warum ein agiles Verhalten in unserem von rascher Ver\u00e4nderung gepr\u00e4gten Markt n\u00f6tig ist, damit sie mehr Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben, wenn zum Beispiel die Vertriebsmitarbeiter sie immer wieder mit Sonderw\u00fcnschen kontaktieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bezogen auf die Produktentwicklung kann das Workshop-Ergebnis lauten: Hier sollten wir das agile Arbeiten forcieren, weil sich au\u00dfer den Anforderungen der Kunden auch die technischen M\u00f6glichkeiten von uns und unseren Kunden rasch \u00e4ndern. Zudem sollten wir die Zusammenarbeit unserer Produktentwickler au\u00dfer mit dem Vertrieb, auch mit unserem Kundendienst bzw. unserem Service forcieren zum Beispiel durch entsprechende interdisziplin\u00e4re (Entwickler-)Teams, denn: Unsere Servicemitarbeiter bekommen bei ihren Kundenbesuchen am ehesten mit,<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>was unsere Kunden an unseren Produkten und Probleml\u00f6sungen sch\u00e4tzen oder nicht,<\/li>\n<li>wo bei ihnen neue Bedarfe entstehen und<\/li>\n<li>in welche Richtung bei ihnen die Entwicklung geht.<\/li>\n<\/ul>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die jeweiligen Besonderheiten beachten<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und bezogen auf den Vertrieb? Hier kann das Workshop-bzw. Analyse-Ergebnis zum Beispiel lauten. Unsere Vertriebsmitarbeiter sind schon sehr agil im Markt unterwegs. Jedoch sollten wir \u00fcber Informationssysteme nachdenken, die diese mit qualifizierten Marktdaten und Informationen dar\u00fcber, bei welchen Kundengruppen neue Bedarfe entstehen k\u00f6nnten, versorgen, damit sie noch agiler und zielgerichteter bei ihrer Arbeit vorgehen k\u00f6nnen. Zudem sollte unser Finanz- und Controlling-Bereich, da viele unserer Zielkunden Finanzierungsprobleme haben, \u00fcber neue Finanzierungsmodelle nachdenken, und unsere Verk\u00e4ufer anschlie\u00dfend darin schulen, wie diese die Modelle den Kunden schmackhaft machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die obigen Ausf\u00fchrungen sollen zeigen: Wenn es um das Thema \u201eAgile Skalierung\u201c geht, ist es wenig sinnvoll, die betreffenden Methoden sozusagen mit der Gie\u00dfkanne \u00fcber die gesamte Organisation auszugie\u00dfen. Daf\u00fcr sind die Aufgaben der Bereiche und deren Ausgangsvoraussetzungen zu verschieden. Vielmehr gilt es, ein abgestimmtes Gesamtkonzept zu entwerfen, das ausgehend vom \u00fcbergeordneten Ziel \u201eWir wollen als Unternehmen agiler am Markt agieren, damit wir auch mittel- und langfristig erfolgreich sind\u201c die Arbeit in den einzelnen Bereichen sowie ihre Kooperation gezielt entwickelt \u2013 und hierbei k\u00f6nnen die agilen Arbeitsweisen und -methoden eine unterschiedliche Rolle spielen. Oder anders formuliert: Agilit\u00e4t bei der Strategieumsetzung zeigt sich gerade darin, dass beim Umsetzen der Strategie auf der Bereichs- oder Shopfloorebene nicht nach Schema F verfahren wird, sondern die jeweiligen Rahmenbedingungen beachtet werden.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Das passende Framework w\u00e4hlen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Agile Skalierung selbst, also das Einf\u00fchren der agilen Methoden, werden im Markt verschiedene Frameworks, sprich Konzepte angeboten \u2013 zum Beispiel LeSS, Scrum@Scale und SAFe. Diese liefern jedoch alle keine Blaupause f\u00fcr das gesamte Unternehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass in der gesamten Organisation, agile Strukturen geschaffen und die agilen Arbeitsweisen eingef\u00fchrt werden, ist bei gr\u00f6\u00dferen Unternehmen, die im Gegensatz zu vielen Start-ups keine reinen Entwicklungsorganisationen sind, jedoch auch meist nicht n\u00f6tig. Unverzichtbar ist es jedoch bereichs- und hierarchie\u00fcbergreifend ein gemeinsames Grundverst\u00e4ndnis daf\u00fcr, warum ein agiles Arbeiten sowie eine interdisziplin\u00e4re und crossfunktionale Zusammenarbeit f\u00fcr das Entwickeln und Realisieren innovativer, komplexer Probleml\u00f6sungen in einer von rascher Ver\u00e4nderung gepr\u00e4gten Welt n\u00f6tig sind. Eine entsprechende Unternehmens- und F\u00fchrungskultur gilt es zu entwickeln. Dies gelingt nur mit einer tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung durch die Unternehmensspitze.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Zur Autorin:<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-664\" src=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kudernatsch-Daniela-Dr-dunkel-Web-120x120.jpg\" alt=\"Kudernatsch, Daniela\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kudernatsch-Daniela-Dr-dunkel-Web-120x120.jpg 120w, https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kudernatsch-Daniela-Dr-dunkel-Web-210x210.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/>Dr. Daniela Kudernatsch<\/strong> ist Inhaberin der Unternehmensberatung KUDERNATSCH Consulting &amp; Solutions in Stra\u00dflach bei M\u00fcnchen, die Unternehmen beim Umsetzen ihrer Strategie im Betriebsalltag unterst\u00fctzt. Sie ist Autorin des Buch \u201e<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3791032186\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;tag=diebildun-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;linkCode=as2&amp;creativeASIN=3791032186&amp;linkId=9c920f5a32024f4a7d83ed8c5d55810e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hoshin Kanri: Policy Deployment durch agile Strategieumsetzung<\/a>\u201c, von dem im April 2019 die 2. \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage erschienen ist.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fagile-skalierung-und-strategieumsetzung-die-wichtigsten-agilen-prinzipien-im-ueberblick%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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