{"id":9303,"date":"2023-12-07T10:46:10","date_gmt":"2023-12-07T08:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/?p=9303"},"modified":"2023-10-29T20:56:17","modified_gmt":"2023-10-29T18:56:17","slug":"meisterung-kontinuierlicher-verbesserung-der-a3-report-als-effektives-werkzeug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/meisterung-kontinuierlicher-verbesserung-der-a3-report-als-effektives-werkzeug\/","title":{"rendered":"Meisterung kontinuierlicher Verbesserung: Der A3-Report als effektives Werkzeug"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Unternehmen ihre Leistung kontinuierlich verbessern wollen, m\u00fcssen ihre Mitarbeiter lernen, Probleme selbst zu erkennen und zu l\u00f6sen. Dazu ben\u00f6tigen sie leicht handhabbare Instrumente. Au\u00dferdem m\u00fcssen sie in diesem Lernprozess von ihren F\u00fchrungskr\u00e4ften unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je komplexer bzw. vernetzter die Struktur eines Unternehmens ist, desto schwieriger ist es, eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung bzw. KVP-Kultur zu etablieren: In den Leistungserstellungsprozess sind dann neben den Mitarbeitenden einer Abteilung oder eines Bereiches meist auch Mitarbeitende integriert, die in anderen Unternehmen arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz in anderen Unternehmensbereichen oder sogar an anderen Standorten haben, sowie<br \/>\nKooperationspartner wie z.B. externe Dienstleister.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb ist es in solchen Projekten wichtig, den Mitarbeitenden und F\u00fchrungskr\u00e4ften einfach handhabbare Instrumente an die Hand zu geben, um &#8211; bereichs- oder gar unternehmens\u00fcbergreifend &#8211; die angestrebten Ver\u00e4nderungen und Verbesserungen parallel zum Tagesgesch\u00e4ft zu realisieren. Der A3-Report ist ein solches Instrument.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Probleml\u00f6se-Kompetenz erh\u00f6hen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser geht auf den Wirtschaftsingenieur Joseph M. Juran zur\u00fcck. Er empfahl vor etwa 60 Jahren japanischen Topmanagern, Probleml\u00f6sungen, Entscheidungsgrundlagen und Strategien aus Gr\u00fcnden der \u00dcbersichtlichkeit auf einem Blatt Papier im DIN-A3-darzustellen. Unter anderem Toyota folgte diesem Rat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der A3-Report gibt den Mitarbeitern eine Schablone an die Hand, welche Analyse- und Handlungsschritte beim L\u00f6sen eines Problems zu durchschreiten sind. Au\u00dferdem st\u00f6\u00dft das Arbeiten mit ihm bei ihnen einen Lernprozess an, der<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>zu einem tieferen Verst\u00e4ndnis der Probleme f\u00fchrt und<\/li>\n<li>ihnen die Kompetenz vermittelt, nachhaltige L\u00f6sungen zu entwerfen und zu realisieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der A3-Report basiert auf dem aus dem Lean Management bekannten PDCA-Zyklus, demzufolge jedes Problem zugleich eine Verbesserungschance ist. Dieser besteht aus vier Phasen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Phase 1: Plan. <\/em>In ihr werden das Problem und der Ist-Zustand beschrieben sowie die (Kern-)Ursachen des Problems analysiert. Au\u00dferdem wird der Ziel-Zustand formuliert. Zudem werden Messgr\u00f6\u00dfen f\u00fcr das Erreichen des Ziel-Zustands definiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Phase 2: Do.<\/em> In ihr werden die Ma\u00dfnahmen zum Erreichen des Ziel-Zustands fixiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Phase 3: Check.<\/em> In ihr wird die Wirksamkeit der Ma\u00dfnahmen kontrolliert, so dass diese bei Bedarf nachjustiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Phase 4: Act. <\/em>In ihr werden die bei der Probleml\u00f6sung gesammelten Erfahrungen evaluiert und hieraus Standards f\u00fcr das k\u00fcnftige Vorgehen ableitet, die als Basis f\u00fcr weitere Verbesserungen dienen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Der Aufbau eines A3-Reports<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber jedem A3-Report steht ein Titel wie zum Beispiel \u201eDie Bearbeitungszeit von Kundenanfragen senken\u201c oder \u201eDen Ausschuss beim Produzieren des Produkts xy reduzieren\u201c. Er benennt also das zu l\u00f6sende Problem. Danach folgen sieben Analyse- und Arbeitsschritte, die es beim L\u00f6sen des Problems und Implementieren eines neuen Standards zu durchschreiten gilt.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Hier sollte das Problem so beschrieben werden, dass alle involvierten Personen<\/li>\n<\/ol>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>das Problem und dessen Auswirkungen sowie<\/li>\n<li>die Relevanz einer Probleml\u00f6sung f\u00fcr das Erreichen der Unternehmensziele verstehen.<\/li>\n<\/ul>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li><em> Ist-Zustand\/-Situation. <\/em>Hier wird geschildert, was aktuell \u201eam Ort des Geschehens\u201c bzw. auf der operativen Ebene tats\u00e4chlich passiert. Au\u00dferdem wird analysiert, was die Betroffenen abh\u00e4lt, den Soll-Zustand zu erreichen. Der Ist-Zustand sollte m\u00f6glichst plastisch dargestellt werden. Zudem sollte bei den Report-Nutzern ein faktenbasiertes Verst\u00e4ndnis des Problems geschaffen werden \u2013 zum Beispiel mit Hilfe von Grafiken und Tabellen.<\/li>\n<\/ol>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li><em> Soll- bzw. Ziel-Zustand. <\/em>Dieser Zustand muss genau spezifiziert werden \u2013 auch weil ein R\u00fcckw\u00e4rtsdenken vom angestrebten Ziel in der Regel zu besseren L\u00f6sungen f\u00fchrt als eine L\u00f6sungssuche ohne definiertes Ziel. Die Beteiligten sollten sich auch fragen:<\/li>\n<\/ol>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Wie messen wir, ob unsere Verbesserungsinitiativen erfolgreich waren? Und:<\/li>\n<li>Welche Basis (zum Beispiel Kennzahl) nutzen wir als Vergleich?<\/li>\n<\/ul>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li><em> Ursachenanalyse. <\/em>Nun geht es darum, Ansatzpunkte f\u00fcr wirksame Ma\u00dfnahmen zu erkennen. Dabei hilft ein Ishikawa-Diagramm, auch Fischgr\u00e4ten-Diagramm genannt, mit dem die m\u00f6glichen Problem-Ursachen gesammelt werden. Ziel ist es, die Faktoren zu ermitteln, die einen direkten Einfluss auf das Problem haben.<\/li>\n<li><em> Gegenma\u00dfnahmen.<\/em> Hier werden die Ma\u00dfnahmen aufgelistet, um die Performance zu steigern. Wichtig ist es, beim Auflisten der Gegenma\u00dfnahmen klar zu benennen:<\/li>\n<\/ol>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>\u201eWelches\u201c (Teil-)Problem soll durch die Ma\u00dfnahme gel\u00f6st werden,<\/li>\n<li>\u201ewie\u201c wird es gel\u00f6st,<\/li>\n<li>\u201ewer\u201c ist f\u00fcr die Ma\u00dfnahme verantwortlich,<\/li>\n<li>\u201ewann\u201c und \u201ewo\u201c wird sie durchf\u00fchrt?<\/li>\n<\/ul>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"6\">\n<li><em> Erfolgsmessung. <\/em>\u00dcberpr\u00fcft wird, ob die Ma\u00dfnahmen zum geplanten Ergebnis f\u00fchrten. Zudem werden bei einer Zielabweichung die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr benannt. Die erzielte Wirkung wird dabei quantifiziert, wobei eine graphische Darstellung (Vorher-Nachher-Vergleich) die Verst\u00e4ndlichkeit erleichtert.<\/li>\n<li><em> Standardisierung und Follow-up. <\/em>Zum Schluss wird der Gesamtprozess evaluiert. Zudem wird reflektiert, welche Ma\u00dfnahmen ergriffen werden sollten, um die erreichten Verbesserungen zu sichern und weiter voranzutreiben. Folgende Fragen gilt es unter anderem zu beantworten:<\/li>\n<\/ol>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Was muss getan werden, um das Erreichte dauerhaft zu sichern?<\/li>\n<li>Auf welche anderen Aufgaben\/Probleme k\u00f6nnen wir unsere Erfahrungen \u00fcbertragen?<\/li>\n<li>Wen sollten wir \u00fcber unsere Erfahrungen informieren, damit auch andere Bereiche\/Teams hiervon profitieren?<\/li>\n<\/ul>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">F\u00fchrungskr\u00e4fte werden Lernbegleiter<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeit mit dem A3-Report erfordert von allen Beteiligten spezielle F\u00e4higkeiten \u2013 speziell den F\u00fchrungskr\u00e4ften. Sie m\u00fcssen sich intensiv mit den wertsch\u00f6pfenden Prozessen befassen; zudem m\u00fcssen sie sich (auch) als Lernbegleiter ihrer Mitarbeiter verstehen. Ein solches Selbstverst\u00e4ndnis der F\u00fchrungskr\u00e4fte ist f\u00fcr den Auf- und Ausbau einer KVP-Kultur in Unternehmen unverzichtbar. Deshalb feilen zurzeit viele Unternehmen an neuen F\u00fchrungskr\u00e4fteentwicklungskonzepten. Dabei orientieren sie sich h\u00e4ufig am Lean Leadership-Development-Modell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses unterscheidet in der Kompetenzentwicklung von F\u00fchrungskr\u00e4ften vier Stufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Stufe 1: Sich als F\u00fchrungskraft selbst entwickeln<\/em>. Dahinter steckt die Annahme, dass es k\u00fcnftig eine Kernkompetenz von F\u00fchrungskr\u00e4ften ist, das eigene Verhalten und Wirken zu reflektieren und die eigene Performance systematisch zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Stufe 2: Andere Menschen coachen und entwickeln. <\/em>Die zweite Kompetenz-Stufe beinhaltet die F\u00e4higkeit, als F\u00fchrungskraft andere Personen so zu entwickeln, dass diese ihrerseits die Kompetenz erwerben, ihr Verhalten und Wirken zu reflektieren und eigene Lernprozesse zu initiieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Stufe 3: Das t\u00e4gliche Sich-Verbessern (Kaizen) unterst\u00fctzen.<\/em> Hier geht es darum, Gruppen von Mitarbeitern (Teams, Abteilungen) in eine Richtung auszurichten und den kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu sichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Stufe 4: Eine Vision schaffen und die Ziele abstimmen.<\/em> In die letzte Entwicklungsstufe sind im Idealfall alle F\u00fchrungskr\u00e4fte eingebunden. Nun geht es darum, das Silo-Denken zu \u00fcberwinden und alle Aktivit\u00e4ten in der Organisation so aufeinander abzustimmen, dass die Unternehmensziele erreicht werden.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Innovationskraft der Organisation erh\u00f6hen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von einer F\u00fchrungskr\u00e4fteentwicklung, die sich an diesem Kompetenz-Modell orientiert, versprechen sich die Unternehmen, dass sich die Innovationskraft und -geschwindigkeit ihrer Organisation erh\u00f6ht; au\u00dferdem, dass sie sukzessiv zu einer Entlastung der F\u00fchrungskr\u00e4fte f\u00fchrt. Denn je mehr Kompetenz und Routine ihre Mitarbeiter im eigenst\u00e4ndigen L\u00f6sen von Problemen haben, umso komplexere Aufgaben k\u00f6nnen sie ihnen \u00fcbertragen und umso seltener m\u00fcssen sie als \u201eTrouble-Shooter\u201c agieren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Autor:<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-662\" src=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-120x120.jpg\" alt=\"Georg Kraus\" width=\"120\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-120x120.jpg 120w, https:\/\/www.weiterbildungsmarkt.net\/magazin\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kraus-Georg-Dr-ohne-Brille-2007-210x210.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/>Dr. Georg Kraus<\/strong> ist gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Unternehmensberatung Kraus &amp; Partner, Bruchsal. Er ist unter anderem Lehrbeauftragter an der Universit\u00e4t Karlsruhe, der IAE in Aix-en-Provence, der St. Gallener Business-School und der technischen Universit\u00e4t Clausthal.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fmeisterung-kontinuierlicher-verbesserung-der-a3-report-als-effektives-werkzeug%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.weiterbildungsmarkt.net%2Fmagazin%2Fmeisterung-kontinuierlicher-verbesserung-der-a3-report-als-effektives-werkzeug%2F&text=Meisterung%20kontinuierlicher%20Verbesserung%3A%20Der%20A3-Report%20als%20effektives%20Werkzeug\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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