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Der Einzug digitaler Technologien in den österreichischen Mittelstand ist nicht mehr aufzuhalten: Bei mehr als jedem zweiten Unternehmen (56 Prozent) spielen digitale Technologien bereits jetzt eine mittelgroße oder große Rolle für das eigene Geschäftsmodell. Nur acht Prozent schreiben der Digitalisierung keinerlei Einfluss auf das eigene Geschäftsmodell zu. Besonders stark ist der Einfluss der Digitalisierung bei großen Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz (63%) bzw. im Dienstleistungs-Sektor (67%).

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 900 mittelständische Unternehmen in Österreich befragt wurden.

Viele Unternehmen in Österreich haben schon Anpassungen vorgenommen oder sind gerade inmitten eines Veränderungsprozesses: Mehr als jedes vierte Unternehmen (28%) hat bereits in den vergangenen fünf Jahren teils deutliche Änderungen am eigenen Geschäftsmodell vorgenommen. Nur rund drei von zehn Mittelstandsunternehmen (31%) sahen sich bislang zu keinerlei Veränderungen ihres Geschäftsmodells gezwungen. Besonders starke Veränderungen gab es bislang bei Dienstleistern (34%), im Handel (29%) und in der Industrie (26%).

Martin Unger, Partner bei EY Österreich, kommentiert: „Österreich ist ein Technologie- und Industriestandort und hat eine bedeutende Handels- und Dienstleistungslandschaft. Hier bekommen die Unternehmen die Folgen der digitalen Revolution ganz unmittelbar zu spüren. Gleichzeitig entstehen in den kommenden Jahren neue Geschäftsmodelle und Wachstumschancen. Viele Mittelstandsunternehmen in Österreich haben das erkannt und die Weichen gestellt. Verlieren werden die Unternehmen, die zu lange an ihrem über Jahre oder Jahrzehnte bewährten Geschäftsmodell festhalten und nicht in alternativen oder diversifizierten Geschäftsmodellen denken.“

Die wichtigsten Treiber dieser Transformationsprozesse in heimischen Unternehmen sind vor allem neue Technologien (40%), die das Kundenverhalten ändern und neue Wettbewerber auf den Plan treten lassen. Weitere Gründe für Änderungen der Geschäftsmodelle sind ein gestiegener Kosten- bzw. Margendruck (39%) und ein verändertes Kaufverhalten der Kunden (38%).

Österreichs Unternehmen sehen Digitalisierung als Chance

Mehr als jedes zweite Mittelstandsunternehmen (53%) bewertet die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft für das eigene Unternehmen als Chance, nur rund jeder 16. Befragte (6%) sieht in ihr in erster Linie eine Bedrohung. Am positivsten eingestellt sind Unternehmen in den Bereichen Dienstleistungen (57%), Industrie (54%) und Handel (53%). Auffällig: Je umsatzstärker ein Unternehmen, desto mehr Potenzial sieht es in der digitalen Revolution. Große Unternehmen (69%) mit Umsätzen von mehr als 100 Millionen Euro sehen Digitalisierung deutlich eher als Chance als jene in der Umsatzgröße zwischen 30 und 100 Mio. Euro (53%) bzw. unter 30 Mio. Euro (47%).

Die größten Möglichkeiten erkennen die heimischen Unternehmen in einem direkteren Zugang zu Kunden (65%) beziehungsweise der Ansprache neuer Kunden und Zielgruppen durch digitale Technologien (60%). Zudem erhoffen sich Unternehmen durch digitale Technologien besseres Wissen über Kundenwünsche bzw. eine einfachere Markterschließung (47%).

Fast die Hälfte hat im letzten Jahr in Digitalisierung investiert

Für die Anpassung ihrer Geschäftsmodelle öffnen Österreichs Unternehmen auch die Geldkoffer: 48 Prozent haben im vergangenen Jahr nennenswerte Investitionen in die Digitalisierung des eigenen Geschäfts vorgenommen, bei großen Unternehmen mit Umsätzen über 100 Millionen Euro pro Jahr sind es sogar 60 Prozent. Am meisten investiert haben Unternehmen aus dem Bereich Dienstleistung (55%), gefolgt von Industrie und Handel (je 49%).

Insgesamt 69 Prozent sehen überhaupt keine Hindernisse für Investitionen in die Digitalisierung im eigenen Unternehmen. Am ehesten bremsen begrenzte finanzielle Möglichkeiten (15%) sowie fehlendes Know-how (9%) bzw. Personal (8%) die Investitionspläne der heimischen Unternehmen.

Gut jedes vierte Unternehmen (27%), das in den vergangenen fünf Jahren noch nicht stärker in die Digitalisierung des eigenen Geschäfts investiert hat, möchte dies im laufenden Jahr nachholen. Am meisten investieren Österreichs Mittelstandsunternehmen mit Abstand in mobile Technologien (57%), digitale Plattformen (53%) und soziale Netzwerke (43%). 25 Prozent stecken Geld in Analysen, 20 Prozent in Cloud-Technologien. Immerhin neun Prozent investieren bereits in 3-D-Druck.

Digitalisierung verschärft Wettbewerb für Mittelstandsunternehmen

Durch neue technologische Möglichkeiten verschärft sich aber auch der Wettbewerb: 45 Prozent der Unternehmen in Österreich rechnen für die kommenden fünf Jahren mit neuen, bislang branchenfremden Wettbewerbern im eigenen Geschäftsfeld, rund jeder 12. Befragte sogar in erheblichem Umfang. Mit der intensivsten Wettbewerbsverschärfung rechnen Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche und dem Handel. Die „Disruptoren“ werden vor allem von Seiten des Handels und aus dem Dienstleistungssektor erwartet.

Dementsprechend betrachten Unternehmen auch das Entstehen neuer Wettbewerber durch niedrigere Marktzugangsschwelle sowie steigenden Kosten- und Margendruck (je 43%) als die zwei größten Bedrohungen durch die Digitalisierung. Ebenfalls Sorgen bereitet ihnen die potenzielle Vernichtung bestehender immaterieller Werte (40%). 38 Prozent haben Datenschutz-Bedenken, 30 Prozent fürchten die Entwertung des eigenen Produktes durch neue Technologien.

Jedes zweite Unternehmen ändert sein Geschäftsmodell

Ob Onlinebezahlung, digitale Kundenbetreuung oder automatisierte Produktion – der Einfluss der digitalen Revolution auf heimische Mittelstandsunternehmen wird ungebremst steigen und zwingt immer mehr Betriebe dazu, sich neu zu erfinden. Fast jeder Zweite (43,4%) bereitet schon jetzt eine Anpassung des Geschäftsmodells innerhalb der nächsten fünf Jahre vor, fast jeder Zehnte (9,5%) möchte dieses sogar deutlich verändern. Insgesamt gehen drei Viertel (74%) der Mittelstandsunternehmen in Österreich davon aus, dass die Bedeutung digitaler Technologien für ihr Unternehmen in den nächsten fünf Jahren steigen wird, jeder Dritte (33%) rechnet sogar mit einer deutlichen Steigerung.

Digitale Technologien verändern vor allem Kundenbeziehungen

Am stärksten zeigt sich der Einfluss digitaler Technologien in der Art und Ausgestaltung von Kundenbeziehungen. 73 Prozent jener Unternehmen, für die digitale Technologien eine Rolle spielen, interagieren mit ihren Kunden teilweise oder sogar ausschließlich auf digitalem Weg. 68 Prozent beobachten eine starke Nutzung von mobilen Endgeräten, für 49 Prozent manifestiert sich die Bedeutung digitaler Technologien vor allem in Online-Produktverkauf und -Bezahlung. 40 Prozent bemerken den Einfluss neuer digitaler Möglichkeiten vor allem in Form von stärker integrierten Lieferketten mit Partnern.

Große Mittelständler setzen stärker auf Digitalisierung

Gerade bei den kleineren Mittelständlern könnte das Potenzial der Digitalisierung allerdings noch stärker genutzt werden, die etwa durch flexible Produktion oder Vernetzung ihrer Produkte stark profitieren würden. Dennoch spielen digitale Technologien „nur“ bei 53 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatz bis zu 30 Millionen Euro eine sehr große oder mittelgroße Rolle. In der Umsatzklasse zwischen 30 und 100 Millionen Euro liegt der Anteil bereits bei 55 Prozent und in der Umsatzklasse über 100 Millionen Euro sogar bei 63 Prozent. Demensprechend haben auch deutlich mehr große Unternehmen (60%) im vergangenen Jahr nennenswerte Investitionen in die Digitalisierung getätigt als mittlere (50%) oder kleinere (42%) Betriebe.

Auch in Zukunft wird sich an der unterschiedlichen Nutzung digitaler Technologien nicht viel ändern. Während lediglich 30 Prozent der kleineren Unternehmen von einer deutlich größeren Bedeutung in den kommenden fünf Jahren ausgehen, sind es bei den großen Unternehmen 43 Prozent.

„Sich für die Zukunft strategisch aufzustellen, darf keine Frage der Größe sein“, warnt Martin Unger. „Digitale Technologien werden künftig noch mehr als heute integraler Bestandteil von Unternehmensstrategien sein. Händler können ihren Kunden aufgrund digitaler Kundendaten beispielsweise individuelle Produkt- und Preisvorschläge machen. Autos oder Waschmaschinen diagnostizieren Fehler selbst und machen Reparaturen somit einfacher. Diese Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein. Und für Unternehmen, die die Weichen richtig und rechtzeitig stellen, ergeben sich mehr Chancen als Risiken.“

Wien ist Hotspot der Digitalisierung

In puncto Digitalisierung geben Mittelstandsunternehmen aus Wien den Ton an: Für zwei Drittel (66%) der Unternehmen mit Sitz in der Hauptstadt spielen digitale Technologien bereits jetzt eine mittelgroße oder große Rolle, gefolgt von Salzburg (61%) und Oberösterreich (60%). Demensprechend haben dort auch die meisten Unternehmen ihren Sitz, die ihr Geschäftsmodell in den letzten fünf Jahren geändert haben (36,8%), knapp gefolgt von Niederösterreich (34,4%) und Salzburg (34,3%). Unternehmen aus Wien investierten außerdem gemeinsam mit Kärntner Betrieben am öftesten (je 53,1%) in die Digitalisierung.

Quelle: EY

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