
Mitarbeiter geraten in Meetings oft in Stress, wenn sie auf ihre Aussagen eher kritische Rückmeldungen erhalten. Dann fühlen sie sich meist genötigt, sich zu rechtfertigen oder gar fortan zu schweigen – da sie nicht wissen, wie sie in solchen Situationen souverän reagieren können.
Kritische Fragen und Kommentare in Meetings auf Aussagen von ihnen verunsichern Mitarbeiter oft sehr. Insbesondere Personen, denen es ohnehin eher schwerfällt, in Gruppen das Wort zu ergreifen, fühlen sich dann oft – zurecht oder nicht – persönlich angegriffen. Deshalb seien hier einige Strategien und Techniken vorgestellt, die Ihnen helfen,
- in solchen Situationen innerlich ruhig zu bleiben und
- souverän auf solche Aussagen zu reagieren.
Konkretisierungsfragen: Sachlich statt emotional debattieren
Mit Konkretisierungsfragen können Sie emotional werdende Gespräche auf eine faktenbasierte Sachebene zurückführen. Insbesondere Aussagen, die solche Adverbien wie „immer“, „stets“ oder „nie“ enthalten, werden oft als Angriff empfunden. Ähnliches gilt für Sätze, die solche Eigenschaftswörter wie „chaotisch“, „planlos“, „oder „realitätsfremd“ enthalten, denn: Sie sind unkonkret, lassen viel Interpretationsspielraum und führen deshalb schnell zu Missverständnissen.
Angenommen ein Kollege sagt in einem Meeting zum Beispiel reagierend auf eine Aussage von Ihnen:
- „Sie kennen ja die Fakten nicht!“ oder
- „Die Analysen von Ihnen sind immer unvollständig!“.
Dann können Sie mit einer Konkretisierungsfrage, die nach Beispielen, Daten oder konkreten Situationen fragt, erkunden, worauf sich diese pauschale Aussage real bezieht.
So bringen Sie das Gespräch wieder auf eine sachliche Ebene und machen aus Behauptungen und Meinungsäußerungen überprüfbare Aussagen. Das bewirkt bei Ihnen ein besseres Verständnis der Kritik und schafft eine Grundlage, um hierauf konstruktiv zu reagieren, statt sich in Rechtfertigungen zu ergehen.
Hier einige Konkretisierungsfragen, die fast immer passen:
- Allgemeine Konkretisierungsfragen:
- „Was veranlasst Sie zu dieser Aussage?“
- „Worauf stützt sich Ihr Eindruck, dass …?“
- „Wie sind Sie zu dieser Einschätzung gelangt?“
- Fragen nach konkreten Beispielen:
- „Können Sie mir ein Beispiel hierfür nennen?“
- „Konkretisieren Sie dies bitte für mein Verständnis!“
- Fragen zur Klärung von Begriffen:
- „Was meinen Sie genau mit … (z.B. unfair, chaotisch)?“
- „Worin zeigt sich für Sie ein ‘chaotisches Verhalten’?“
- Fragen zur gewünschten Veränderung:
- „Wie sollte es aus Ihrer Warte anders sein?“
Stellen Sie offene Fragen, die man nicht nur mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann. Vermeiden Sie zudem Suggestivfragen, in denen Sie dem Gegenüber eine Antwort vorgeben; außerdem soweit möglich Warum-Fragen, da sie oft eine Abwehrhaltung beim Gegenüber bewirken. Zielführender sind Fragen wie „Wozu …?“, „Was …?“, oder „Wie kommt es dazu, dass …?“. Sie fördern eine lösungsorientierte Reflexion.
Pacing & Leading: kritische Stimmen einfangen und das Gespräch führen
Kritische Reaktionen auf Äußerungen in Meetings verursachen speziell bei Personen oft Stress, die es ohnehin Überwindung kostet, ihre Meinung, Bedenken usw. in Gruppen zu äußern. Die zweistufige Technik des Pacing & Leading hilft Ihnen, in solchen Situationen weder in ein Schweigen zu verfallen noch reflexartig eine Verteidigungshaltung einzunehmen, sondern das Gespräch souverän fortzuführen.
Beim Pacing greifen Sie zunächst einen Teil der Aussage der anderen Person auf und zeigen damit, dass Sie ihre Perspektive gehört und verstanden haben, ohne dieser automatisch in allen Aspekten zuzustimmen. Dadurch sinkt der Widerstand, und die Gesprächsbasis wird entspannter.
Beim Leading führen Sie das Gespräch dann in die Richtung, die Sie brauchen oder sich wünschen: also zum Beispiel hin zu den Fakten, Lösungen und nächsten Schritten. In der Kombination mit Konkretisierungsfragen entsteht so eine elegante Doppelstrategie: Erst nehmen Sie die Spannung aus der Situation, dann lenken Sie das Gespräch in konstruktive Bahnen.
Schritt 1: Pacing
- Ziel: Rapport herstellen, das Gegenüber fühlt sich verstanden.
- Technik: Aspekte der Aussage oder Sichtweise des Gegenübers kurz bestätigen oder wiederholen; ohne Zustimmung zur gesamten Kritik.
- Beispiele:
- „Ich verstehe, dass Ihnen die Prognose im Moment zu optimistisch erscheint …“
- „Sie haben recht, die Zahlen im 2. Quartal waren unter Plan …“
Schritt 2: Leading
- Ziel: Das Gespräch in die gewünschte Richtung lenken (z. B. Faktenanalyse, Lösungsorientierung, nächste Schritte).
- Technik: Nach dem Pacing sofort die eigene Botschaft platzieren.
- Beispiele:
- „… und genau deshalb habe ich diese Analyse vorbereitet.“
- „… und deshalb schlage ich vor, dass wir die drei größten Kostentreiber genauer prüfen.“
Schritt 1 und 2 kombiniert
- Pacing + Leading in einem:
- „Ich verstehe, dass Ihnen der Aufwand hoch erscheint, doch die Projektdaten zeigen, dass wir damit langfristig Kosten sparen.“
- „Ich sehe, dass … – und deshalb …“
Weitere Techniken für einen souveränen Auftritt
Neben den Konkretisierungsfragen und dem Pacing & Leading können Sie weitere Gesprächstechniken nutzen, um auch in angespannten Situationen professionell und souverän zu reagieren.
Metakommunikation: über den Gesprächsprozess sprechen
Wenn in Gesprächen der Ton kritisch oder die Dynamik schwierig wird, thematisieren Sie dies und schlagen Sie eine Änderung der Struktur vor.
Beispiele:
- „Ich merke, dass gerade viele kritische Punkte aufkommen. Wollen wir sie der Reihe nach besprechen, damit wir für jeden eine Lösung finden?“
- „Lassen Sie uns klären, worauf wir uns heute fokussieren wollen.“
Sich Zeit verschaffen und Ruhe ins Gespräch bringen
Nutzen bzw. schaffen Sie kleine Pausen, um Ihre Gedanken zu sortieren und souverän zu antworten.
Beispiele:
- „Das ist ein wichtiger Punkt. Ich schaue kurz in die Zahlen.“
- „Lassen Sie mich die Daten aus dem letzten Quartal kurz heranziehen, bevor ich antworte.“
Schritt-für-Schritt-Technik: Kritik in kleine Teile zerlegen
Zerlegen Sie pauschale Aussagen in einzelne Aspekte, um gezielter darauf eingehen zu können.
Beispiele:
- „Sie sprechen drei Punkte an. Mit welchem möchten Sie beginnen?“
- „Lassen Sie uns zuerst den Umsatz, dann die Kosten und zuletzt die Investitionen betrachten.“
„Ja, und …“-Technik: Zustimmung mit Erweiterung
Ersetzen Sie das abwehrende „Ja, aber …“ durch ein „Ja, und …“ und fügen Sie Ihre Sicht hinzu.
Beispiele:
- „Ja, das ist ein hoher Wert und gleichzeitig zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr, dass wir deutlich effizienter wurden.“
- „Ja, dieses Risiko besteht und genau deshalb haben wir einen Plan B vorbereitet.“
Das souveräne Reagieren einüben und trainieren
Üben Sie die genannten Techniken im Alltag, damit Sie in ihrer Anwendung eine gewisse Routine erlangen. Ich verspreche Ihnen, wenn Sie dies tun, werden Sie künftig in Meetings auf kritische Bemerkungen nicht nur gelassener reagieren. Sie werden anschließend auch häufiger das Gefühl haben: Das Meeting ist so gelaufen, wie ich es gewünscht habe.
Dadurch steigt Ihr Mut, in Meetings Dinge zu äußern, von denen Sie vermuten, diese könnten zu kritischen Reaktionen führen. Denn Sie wissen ja: Ich kann hierauf souverän reagieren.
Autorin: Sabine Prohaska

















