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Was erwartet die Wirtschaft von Einsteigern in Ausbildung und Beruf wirklich? Antworten darauf gibt eine neue Studie im Auftrag von WKO und IV.

„Qualifizierte Fachkräfte zeichnen den Wirtschafts- und Industriestandort Steiermark aus“, sind sich IV-Steiermark Präsident Georg Knill und WKO Steiermark Präsident Josef Herk einig. Die beiden Arbeitgebervertreter haben bei der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft (STVG) eine Evaluierung der Bildungsanforderungen von Unternehmen beauftragt, um „Einsteigern den Start in die berufliche Ausbildung zu erleichtern“, wie die beiden Präsidenten anlässlich der Vorstellung der Studienergebnisse betonten. „Wir möchten mithelfen, dass die Zeit der schulischen Ausbildung bestmöglich für die individuelle Zukunft jungen Menschen und einen optimalen Eintritt in die berufliche Bildung genutzt wird. Wir wissen welche Kompetenzen in der Praxis gebraucht werden und können dieses Know-how in den Bildungs- und Berufsorientierungsprozess einbringen.“, erklärt Georg Knill, Präsident der IV-Steiermark, die Motivation, diese Studie durchzuführen. Dem schließt sich auch der Präsident der WKO Steiermark, Josef Herk, an: „Wir leben in einer Zeit des Wandels, die auch jede Menge neue Herausforderungen mit sich bringt. Damit die Jugend dafür gerüstet ist, braucht es entsprechende Adaptionen unseres Bildungssystems. Aus diesem Grund haben wir als WKO auch in ein neues Talentcenter investiert, das in seinem ersten Jahr bereits von mehr als 5.000 Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Steiermark genutzt wurde. Eine wichtige Standortinvestition, schließlich wird unser wertvollster Rohstoff für die Zukunft – die Jugend – aufgrund der demografischen Entwicklung nicht nur immer knapper, er steckt in vielen Fällen auch in falschen Bildungswegen fest, wie die hohen Dropout-Quoten zeigen. Das wollen wir mit aller Kraft verhindern.“

Was Betriebe erwarten

246 steirische Unternehmen, die insgesamt rund ein Viertel aller steirischen Lehrlinge ausbilden, wurden im Rahmen der Erhebung „Anforderungen an EinsteigerInnen in die berufliche Bildung“ nach der Bedeutung von Kompetenzen und Kenntnissen in unterschiedlichen Berufsfeldern befragt. Analysiert wurden die Kompetenzfelder Mathematik, Deutsch, Englisch, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie persönliche und soziale Kompetenzen.

Kernaussagen aus der Studie

Mathematik

Gesunder Hausverstand ist gefragt. Kopfrechnen, Schätzen, Runden sowie ein Gefühl für Maßeinheiten sind bei über 90 Prozent der befragten Unternehmen im Arbeitsalltag wichtig. Weiters sind das Verstehen von Lösungswegen sowie das Erfassen und Darstellen von Sachverhalten in mehr als drei Viertel der Unternehmen von hoher Bedeutung.

Deutsch

Egal ob im Umgang mit Kollegen oder mit Kunden: Deutsch ist die wesentliche Voraussetzung für gelingende Zusammenarbeit. Dazu zählen vor allem das sinnerfassende Lesen (96 %), entsprechend der Situation zu kommunizieren (96 %) und das Schreiben als Hilfsmittel, beispielsweise für Notizen (90 %). Vor allem aber auch die Fähigkeit des aktiven Zuhörens.

Englisch

Den steirischen Unternehmen wichtig, dass die angehenden Fachkräfte in englischer Sprache grundlegende Dinge (87 %) wie einfache E-Mails verstehen und sich selbst in zusammenhängenden Sätzen (75 %) ausdrücken können. In einem Drittel der Unternehmen wird von Berufseinsteigern erwartet, dass sie aktiv an Gesprächen in englischer Sprache teilnehmen können.

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)

Im Umgang mit moderner IKT sind das Beherrschen gängiger PC Programme (Office), die E-Mail-Kommunikation (67 %), die Fähigkeit, im Internet zu recherchieren (58 %), in ausgewählten Branchen aber auch bereits Vorkenntnisse im Programmieren gefragt.

Persönliche und soziale Kompetenzen

Besonders einheitlich gestalten sich die Erwartungshaltungen von Ausbildungsbetrieben hinsichtlich der persönlichen und sozialen Kompetenzen künftiger Mitarbeiter. Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, selbständiges Arbeiten, Motivation, Genauigkeit, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen sind ebenso absolute „Musts wie Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft. Vor allem wünschen sich Unternehmen, dass Schulabsolventen realistische Vorstellungen von der Arbeitswelt haben. Dies ist als Auftrag für die weitere Intensivierung der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Schule – im Idealfall unter Einbindung der Eltern – zu verstehen.

Auswertung nach Berufen

Um jungen Menschen mit bereits konkreten Berufswünschen noch gezieltere Anhaltspunkte bieten zu können, wurden die Rückmeldungen der Unternehmen in fünf Berufs-Clustern zusammengefasst. Detaillierte Informationen liegen für Büro- und kaufmännische Berufe, elektrotechnische Berufe, die Bereiche Maschinen, Fahrzeuge und Metall, Gewerbe und Handwerk, den Handel und für den Tourismus vor.

Schnuppertage entscheiden primär über Aufnahme

Die Hauptkriterien, nach denen Unternehmen junge Mitarbeiter einstellen, sind über die Branchen hinweg einheitlich. Die Liste der Entscheidungsgrundlagen für die Auswahl von Berufseinsteigern wird vom persönlichen Eindruck, den Bewerber beim Bewerbungsgespräch und insbesondere im Rahmen von „berufspraktischen Tagen“ (Schnuppertage) hinterlassen, angeführt. 83 Prozent der Unternehmen geben an, im Rahmen des „Schnupperns“ sehr wichtige Eindrücke zu gewinnen, 75 Prozent im Zuge des Bewerbungsgesprächs. An dritter Stelle folgen Aufnahmetests, die für 24 Prozent der Betriebe sehr wichtig sind. Weitere wichtige Kriterien sind das aktuellst vorliegende (Abschluss-) Zeugnis (15 Prozent) und ergänzende Bewerbungsunterlagen (13 Prozent).

Schlussfolgerungen

IV-Präsident Knill sieht in der Studie einen weiteren Anlass, dem Thema der Digitalisierung nüchtern und sachlich zu begegnen: „Auch im Zeitalter der Digitalisierung wird von Berufseinsteigern in Mathematik keine Raketenwissenschaft. Die Studie steht unter www.dieindustrie.at/bildungsanforderungen zur Verfügung.

Quelle APA Ots

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