Querdenker, Spinner oder Verschwörungstheoretiker

Nicht wenige Berater, Trainer, Speaker und Coaches bezeichnen und vermarkten sich selbst als „Querdenker“. Damit machen sich selbst für mögliche Kunden suspekt – spätestens seit die sogenannte Querdenker-Bewegung regelmäßig zu sogenannten „Anti-Corona-Demos“ aufruft.

Ich gestehe, ich war noch nie ein Freund der selbsternannten „Querdenker“ unter den Beratern, Trainern, Coaches und Speakern, denn die meisten von ihnen, die ich bisher traf, waren eher „Phantasten“.

Lieber „be-denken“ und „durch-denken“ als „quer-denken“

Das heißt, sie waren felsenfest davon überzeugt, meine zuhause im stillen Kämmerchen entwickelten Gedanken, sind revolutionär und einzigartig. Faktisch waren sie jedoch meist eher Ausdruck einer narzisstischen Persönlichkeit oder zeugten sie von einer geringen Marktkenntnis. Zudem war das „Quer-gedachte“ in der Regel kaum „durch-dacht“ – also voller Ungereimtheiten und Widersprüche.

Soweit meine ganz persönliche Erfahrung, warum sich bei mir stets die Nackenhaare kräuseln, wenn bei uns ein Berater anruft, der sich selbst als „Querdenker“ bezeichnet. Dann denke ich fast automatisch: Vorsicht, ein schwieriger Kandidat!

Querdenker oder Verschwörungstheoretiker?

Soweit so gut. Doch seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland, seit die Querdenker-Bewegung immer wieder zu Demonstrationen aufruft, bei denen alle möglichen verwirrten Geister lautstark ihre Bedenken gegen die Corona-Politik der Bundesregierung äußern, verstehe ich nicht mehr, wie sich Berater gleich welcher Couleur auf ihrer Webseite, in ihren Social-Media-Accounts usw. selbst als „Querdenker“ bezeichnen können. Ebenso könnten sie dort schreiben: „Ich bin ein Spinner.“

Und allerspätestens seit der bayerische Ministerpräsident Markus Söder angeregt hat, dass der Verfassungsschutz sich stärker mit der Querdenker-Bewegung befasst, sollte eine solche Selbst-Attribution von allen Berater-Webseiten verschwinden – außer deren Inhaber wollen ihr Geschäft endgültig ruinieren, denn: Zumindest bei Unternehmen erzeugen sie damit nur unnötigen Erklärungsbedarf bzw. machen sie sich selbst suspekt.

„Achtung, ich bin zwar ein Querdenker, doch nicht allgemeingefährlich!“

Einigen der selbsternannten Querdenker, die ich kenne, dürfte es schwer fallen, das Selbstklebe-Etikett „Querdenker“ zum Beispiel von ihren Webseiten zu Webseiten zu entferne, denn sie sind regelrecht in das Selbstbild „Ich bin ein Querdenker“ verliebt.

Ihnen empfehle ich auf ihrer Webseite oder in ihrem LinkedIn- oder Xing-Account, sofern dies zutrifft, einen Hinweis zu platzieren „ACHTUNG, ich bin zwar ein Querdenker, doch kein Anhänger der Querdenker-Bewegung“ – ähnlich wie dies vor Jahren viele Berater bezogen auf die Scientology-Bewegung taten, reagierend auf die Befürchtung vieler Unternehmen „Vorsicht, der von uns eingekaufte Berater könnte ein Scientologe sein“.

Autor: Bernhard Kuntz

Bernhard Kuntz

Über den Autor: Bernhard Kuntz

Bernhard Kuntz ist der PRofilBerater GmbH, Darmstadt, die Bildungs- und Beratungsanbieter beim (Online-)Marketing unterstützt. Er ist Autor u.a. der Bücher „Die Katze im Sack verkaufen“, „Fette Beute für Trainer und Berater“ und „Warum kennt den jeder?“.

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