Training

Wie müssen Männer und Frauen „gestrickt“ sein, die sich zum Beispiel als Führungskräfte- oder Vertriebstrainer selbstständig machen möchten? Welche Fähigkeiten brauchen sie?

Trainer- und Coaches-Ausbildnerin Sabine Prohaska erzählt Bernhard Kuntz im Interview, worauf es im Trainerberuf ankommt.

Frau Prohaska, welche Eigenschaften sollte ein angehender Trainer haben?

Zunächst gilt: Er muss die Menschen in ihrer Vielfalt lieben.

Warum?

Ein gut gebuchter Trainer arbeitet Woche für Woche mit circa 30 bis 50 Menschen zusammen, die er meist zuvor nicht kannte – Menschen, die sehr unterschiedlich „ticken“. Deshalb muss sich ein Trainer schnell auf die unterschiedlichsten Personen einstellen können. Außerdem muss er jedem Teilnehmer das Gefühl vermitteln können: Ich schätze Dich als Person – sonst verschließen sich die Teilnehmer.

Aber ein Menschenfreund zu sein, genügt vermutlich  für den Trainerberuf nicht?

Selbstverständlich gehört mehr dazu. Eine didaktische und gruppendynamische Kompetenz ist ein Muss, um Wissen zu vermitteln. Zudem sollte jeder Trainer eine kleine „Rampensau“ sein. Denn sein Platz im Seminar ist vorne – im Rampenlicht. Zugleich darf er  aber nicht zu selbstverliebt sein. Ihm muss stets bewusst sein: Es geht nicht um meine Entwicklung, sondern um die der Teilnehmer. Also muss er sich bei Bedarf auch zurücknehmen können.

Gut oder nur routiniert?

Wie wichtig ist die eigene Weiterbildung?

Sehr wichtig. Sonst besteht die Gefahr, dass der Trainer irgendwann nur noch ein routinierter, aber kein guter Trainer mehr ist. Zudem sollte er sich regelmäßig Feedback von erfahrenen Kollegen einholen. Denn Trainer stehen in der Regel, wie Lehrer, alleine vor der Gruppe. Entsprechend selten erhalten sie ein qualifiziertes Feedback.

Worauf sollte sich das Feedback beziehen?

Auf alles, was den Trainerberuf ausmacht. Zum Beispiel darauf, wie der Trainer Lerninhalte präsentiert. Oder wie er mit den Teilnehmern umgeht. Oder in schwierigen Trainingssituationen reagiert. Denn jeder Mensch hat blinde Flecken.

Ziel: selbstbestimmt leben und arbeiten

Warum werden so viele Menschen Trainer, Berater oder Coach? Lockt sie das große Geld?

Viele angehende Trainer kommen aus gut bezahlten angestellten Jobs. Äußere Umstände oder die Frage nach dem Sinn ließen in ihnen jedoch den Entschluss reifen: Ich will Trainer werden. In der Regel ist der Wunsch nach Erfüllung das wichtigste Motiv. Viele wollen selbstbestimmter leben und arbeiten, weshalb sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Verdienen Trainer heute noch das große Geld?

Das hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel der Branche. Im Bankensektor werden höhere Tagessätze als im Sozialbereich bezahlt. Auch die Inhalte spielen eine Rolle. Verhandlungstrainings werden besser honoriert als Kommunikations-Grundlagenseminare. Und keinesfalls sollte man das Thema Selbstvermarktung vergessen.

Auch als Newcomer?

Ja, denn die Newcomer sind noch No-names im Markt, die kaum jemand kennt. Also müssen sie sich vermarkten. Zudem brauchen sie einen gewissen unternehmerischen „Biss“. Ohne ihn können sie im Markt nicht Fuß fassen. Denn inzwischen gibt es Trainer, aber auch Berater und Coachs, wie Sand am Meer.

Authentisch sein, authentisch bleiben

Brauchen Newcomer eine eindeutige Positionierung?

Mit den Fragen „Wofür stehe ich?“, „Was kann ich besonders gut?“ und „Wer sind folglich meine Zielkunden?“ muss sich jeder Trainer intensiv befassen.

Warum?

Damit er ein effektives Marketing betreiben kann und damit er als Person authentisch bleibt. Denn Training ist ein „people business“. Das heißt: Wenn sich Unternehmen für einen Trainer entscheiden, dann tun sie dies auch aufgrund von dessen Persönlichkeit. Zum Beispiel, weil sie überzeugt sind: Dieser Trainer kommt, weil er ein eher hemdsärmeliger Typ ist, bei unseren Produktionsmitarbeitern gut an. Deshalb sollten Trainer auch als Person Flagge zeigen – um sich erkennbar von ihren Mitbewerbern abzuheben.

Was gilt es beim Beruf Trainer noch zu beachten?

Dasselbe wie für bei jedem anderen Beruf: Nicht jeder ist für ihn geeignet. Wer Angst vor fremden Menschen hat, sollte kein Verkäufer werden – und auch kein Trainer. Und: Als Trainer lässt sich zwar gutes Geld verdienen. Doch auch für diesen Beruf gilt: Ohne Fleiß kein Preis.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Bernhard Kuntz

Über den Autor: Bernhard Kuntz

Bernhard Kuntz ist der PRofilBerater GmbH, Darmstadt, die Bildungs- und Beratungsanbieter beim (Online-)Marketing unterstützt. Er ist Autor u.a. der Bücher „Die Katze im Sack verkaufen“, „Fette Beute für Trainer und Berater“ und „Warum kennt den jeder?“.

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