Schnell lesen

Stellen Sie sich vor, Sie könnten die Informationen, die Sie in Beruf und Alltag über das geschriebene Wort erhalten, in der halben Zeit erfassen. Sie würden deutlich schneller lesen und dabei alle Informationen zumindest gleich gut oder noch besser behalten. Im Laufe unserer Trainerlaufbahn konnten wir feststellen, dass für so gut wie alle Workshopteilnehmer dies und noch mehr mit ein klein wenig Training durchaus möglich ist. Schon im Lauf der Kurse stellen die Teilnehmer meist mit Begeisterung fest, dass sich ihre Lesegeschwindigkeit deutlich steigert. Sie gewinnen wertvolle Zeit, die Sie entweder privat für Familie oder Freizeitbeschäftigungen oder beruflich für die Aufnahme und Verarbeitung weiterer Informationen nutzen können.

Wollen auch Sie mehrere Wochen im Jahr Freizeit gewinnen? Müssen sie täglich zumindest eine Stunde im Job lesen? Sehr gut – steigern sich doch einfach durch Speed Reading ihre persönliche Lesegeschwindigkeit und erfassen sie dadurch auch gleich noch viel mehr vom Inhalt.

Bei Erlernen von Speed Reading ist es zunächst grundlegend, eine neue Sichtweise auf den Prozess des Lesens zu bekommen. Beim sogenannten „klassischen Lesen“ machen wir unbewusst eine Menge „Fehler“, die es auszuschalten gilt um das gewünschte Lesetempo zu erreichen.

Kennen Sie das Phänomen, dass bei Lesen immer wieder die Gedanken abschweifen und Sie sich immer wieder zur Ordnung rufen müssen um sich neuerlich auf den Text zu konzentrieren. Unbewusst machen Sie sogar noch mehr Pausen beim Lesen. Oder Sie springen sogar zurück um noch einmal sicherzugehen, ob Sie den Text wirklich verstanden haben. Ist dies wirklich nötig?

Die meisten Menschen lesen Wort für Wort, sehr viele lesen sich sogar innerlich selbst vor, sie hören sozusagen den Text vorgetragen von ihrer eigenen, oder manchmal auch von einer fremden Stimme. Die Wahrnehmung erfolgt also eher über einen akustischen Kanal. Das Wesentliche ist, dass wir die Lesetaktik nun auf einen optischen Weg umstellen. Wir lesen nicht mehr klassisch, wir nehmen wahr, und das nicht mehr Wort für Wort, sondern wir können innerhalb von Sekundenbruchteilen ganze Wortgruppen auf einmal wahrnehmen. Unbewusst machen Sie dies schon, zum Beispiel bleiben Sie vermutlich als Autofahrer vor einem Stoppschild stehen, ohne, dass sie den Text auf dem Schild bewusst gelesen haben, sie haben einfach das Schild als Ganzes mit dem Wortbild darauf wahrgenommen und sind (hoffentlich) stehengeblieben.

Alleine wenn ich in meinen Workshops mit den Teilnehmern an diesen Fehlern arbeite –und das ist erst die erste Stufe beim Erlernen des Schnelllesens- gibt es schon rasante Fortschritte im Lesetempo. Mittels einer sogenannten Lesehilfe, die in der Praxis nichts anderes ist als ein Stift, lernt der Leser den Blick kontinuierlich vorwärts zu führen, somit werden Pausen und Rücksprünge sofort bewusst gemacht und schnell vermieden. Die innere Stimme auszuschalten bzw. zumindest zu reduzieren ist zu Beginn besonders schwer. In erster Linie erfolgt dies durch Temposteigerung, so kann die innere Stimme ab einem gewissen Tempo gar nicht mehr jedes Wort mitsprechen. Alleine, wenn Sie die 50 häufigsten Worte nicht mehr mitsprechen, reduzieren sich die Auswirkungen dieses „Lesefehlers“ um ein Drittel.

Die Steigerung des Tempos ist am Anfang, auch wenn Sie sich dabei meist sehr unsicher fühlen, das Um und Auf. Wir versuchen den sogenannten „Autobahn-Effekt“ zu nutzen. Sie kennen sicherlich die Alltagssituation im Verkehr: Sie steigen ins Auto und fahren im Stadtgebiet los, sind also beschränkt auf 50 km/h, danach fahren Sie auf die Stadtautobahn auf, empfinden die erlaubten 80 km/h als schnell, nach der 80er Beschränkung dürfen Sie auf der Autobahn 130 km/k fahren, sie beschleunigen, das Tempo wirkt auf sie rasant, aber bereits nach einigen Minuten haben Sie sich an die Geschwindigkeit gewöhnt und der Fuß auf dem Gas wird immer schwerer. Dann plötzlich: Baustelle, Beschränkung auf 80 km/h. Sie haben das Gefühl sie schleichen im Schneckentempo dahin, obwohl ihnen diese Geschwindigkeit vorher als Sie aus dem Stadtgebiet kamen, wirklich schnell vorkam. Genau diesen Effekt nutzen wir beim Speed Reading. Die Lesefähigkeit ist wie ein Muskel, den sie dehnen können. Sie befinden sich anfangs in ihrer sogenannten Komfortzone beim lesen. Diese dehnen wir durch Temposteigerung immer mehr aus und dann nehmen wir wieder ein wenig von der Geschwindigkeit heraus, sodass sie sich in einem viel höheren Tempobereich wohlfühlen, der ihnen zu Beginn noch sehr schnell vorkam.

Wenn sie sich einmal überwunden und die Komfortzone verlassen haben, haben fast alle Menschen zunächst das Gefühl gar nichts mehr zu verstehen. Dies ist verständlich, denn sie durften keine Pausen machen, nicht zurückspringen, wann immer sie sich unsicher fühlten und das auch noch bei rasantem Lesetempo und sie mussten auch noch die gewohnte innere Stimme reduzieren, das alles entgegen ihren jahrelangen Gewohnheiten. In den meisten Fällen geht das Textverständnis zurück. Dies ist natürlich sehr unangenehm, weil Sie natürlich auch am Ende noch wissen möchten, was Sie gelesen haben. Diese Tatsache lässt sich aber ganz einfach dadurch erklären, dass das Gehirn noch sehr auf die Vermeidung der „Lesefehler“ und später auch auf die eigentlichen Speed Reading Techniken konzentriert ist. Sind diese Techniken aber einmal „verinnerlicht“ hat das Gehirn wieder viel mehr Kapazität frei und mit etwas Übung kommt das Textverständnis zurück. Beim einen geht dies schneller, der andere braucht dafür vielleicht etwas länger, das ist wie beim Erlernen vom Autofahren oder 10-Finger-System an der Tastatur.

Viel Tempo gewinnen sie weiters dadurch, dass sie selbst lernen, ihre Augen in bestimmten Schemata über einen Text zu führen und dabei die Worte wahrzunehmen.

Zusätzlich können Sie vor allem bei großen Stoffmengen, bestimmte Techniken anwenden, an ein Buch heranzugehen. Das klassische Lesen eines Buches von vorne nach hinten ist bei diesen Mengen kaum mehr zu praktizieren. Die Bedeutung von Klapptext, Inhaltsverzeichnis, Überschriften, Grafiken und Fettgedrucktem wird erkannt.

Besonders hervorheben möchte ich am Ende noch die einfache Integration des Speed Reading Trainings in den Alltag. Sie üben täglich einige Minuten mit der Tageszeitung oder auch anhand der Freizeitlektüre und werden schon bald deutliche Fortschritte erkennen und den Mut fassen, Speed Reading auch in den beruflichen Alltag zu integrieren.

Über den Autor:

HütterMag. Gerald Hütter

Der Wirtschaftsinformatiker Mag. Gerald Hütter begeistert seit 2009 als Gedächtnis- und Speed Reading Trainer und Coaches Kunden im deutschsprachigen Raum. Als österreichische Kooperationspartner des bekannten Schweizer Gedächtnismeisters Gregor Staub [mega memory®] geben die ambitionierten Trainer vielen Menschen eine neue Sicht auf ihre eigene Leistungsfähigkeit.

Weitere Informationen über Mag. Gerald Hütter

 
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