Aufgrund der stetig steigenden psychischen Belastungen und Erkrankungen sowie der damit verbundene volkswirtschaftliche Schaden sind Evaluierungen von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz mit qualitätsgerechten Methoden gute Möglichkeiten diesem Anstieg Herr zu werden. Aufgrund der Kostenreduktion durch eine höhere Produktivität sowie der Stärkung des persönlichen Wohlbefindens kommt es zu einer win-win Situation für ArbeitgeberInnen und Arbeitnehmer.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind im Vormarsch

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind im Vormarsch, bringen Unternehmen Umsatzeinbußen und sind somit für ArbeitgeberInnen ein ernstzunehmender Faktor. Studien kommen zu folgenden Ergebnissen:

  • 3,3 arbeitsbedingte Ausfallstage weisen Menschen auf, welche einem psychischen Belastungsfaktor ausgesetzt sind1
  • Gemeinsam mit Italien stellt Österreich das Schlusslicht beim Mental Health Index2
  • Österreich hat innerhalb der Vergleichsländer der OECD Studie die zweithöchste Suizidrate2
  • Produktivitätsverlust bildet den Schwerpunkt volkswirtschaftlicher Belastungen2
  • Laut WKO sind psychische Erkrankungen mittlerweile die zweitgrößte Ursache für Invaliditätspensionen, der diesbezügliche durchschnittliche Krankenstand beträgt 31,4 Tage, die volkswirtschaftlichen Kosten liegen bei 7 Milliarden Euro3
  • Die Kosten beispielsweise für Burn Out für einen mittleren Betrieb bei Späterkennung könne zwischen 17 400 bis 29 900 Euro bzw. 2,2% – 3,8% der durchschnittlichen Personalkosten pro Betrieb betragen4.

Ziel der Evaluierung psychischer Belastungen

Seit 01. Jänner 2013 sind ArbeitgeberInnen verpflichtet psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu evaluieren. Das ASchG besagt, dass die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen umfassend vor Gefahren zu schützen ist. Mit der Novelle des ASchG wird nun auch festgehalten, dass unter Gefahren neben physischen auch psychische Belastungen gemeint sind.  Dies hat nun zum Ziel, einen notwendigen Bewusstseinsbildungsprozess bei den Verantwortlichen in den Betrieben zu unterstützen und die Auseinandersetzung mit diesem Thema in den Betrieben zu intensivieren.

ArbeitgeberInnen müssen beeinträchtigende Arbeitsbedingungen erkennen und diese durch entsprechende Maßnahmen gezielt verbessern. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsplatzevaluierung ist daher von den Betrieben zu prüfen, ob arbeitsbedingte physische und psychische Belastungen vorliegen, welche wiederum zu Fehlbeanspruchungen führen können.

Es ist ein Prozess mit dem Ziel einer ständigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Vorrangig ist dabei der kollektive Gefahrenschutz und nicht der individuelle. Evaluiert werden Verhältnisse und nicht einzelnes individuelles Verhalten. Die Evaluierung behandelt vor allem psychische Fehlbelastungen, welche zu Störungen des körperlichen und geistigen Wohlbefindens führen können.

Prozess der Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz

Nach Bildung einer Steuergruppe (bestehend beispielsweise aus Entscheidungsträgern, SVP,…) werden kritische Arbeitsbereiche oder Belastungsfaktoren identifiziert. Nach dem Verschaffen eines Überblicks erfolgt die Detailplanung: In welcher Abteilung wird begonnen? Zeitpunkt des Erfassens der Belastungen für die jeweiligen Organisationsbereiche? Zeitrahmen?

Die Belastungen werden mittels standardisierten und geeigneten Erhebungsinstrumente erfasst. Aufgezählt werden können hier z.B.: schriftliche Befragung, moderierte Gruppen-Interviews bzw. Einzelinterviews, Beobachtungsinterviews. Diese Verfahren analysieren qualitätsgesichert arbeitsbedingte psychische Belastungen.

Im Anschluss erfolgt eine Analyse der konkret negativ belastenden Arbeitsbedingungen, um dann kollektiv wirksame Maßnahmen ableiten zu können.

Wenn die Maßnahmen umgesetzt und deren Wirksamkeit überprüft wurde, kann eine Dokumentation über die ermittelten und beurteilten Belastungen erstellt werden, welche dann im Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Dokument festzuhalten sind. Natürlich wird aber auch auf die Ressourcen und positive Aspekte des Unternehmens geachtet, um dies vor allem den MitarbeiterInnen wieder bewusst zu machen.

Evaluierung von vier Themenbereiche

Folgende vier Themenbereiche werden bei der Arbeitsplatzevaluierung berücksichtigt:

1. Aufgabenanforderungen und Tätigkeiten (z.B: Körperliche und geistige Belastungen)

2. Organisationsklima (z.B: Mangelhafte Zusammenarbeit, Informationsmängel)

3. Arbeitsumgebung (z.B: Klimatische und akustische Belastungen)

4. Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation (z.B: Störungen/Unterbrechungen, ungenügend gestalterische Arbeitsprozesse)

Die Verbesserung der Arbeitsorganisation, Optimierung der Arbeitsumgebung und der Arbeitszeitgestaltung, ausgewogene Informationsweitergabe und gelebte Wertschätzung und Anerkennung sind für alle ein Gewinn – für ArbeitgeberInnen sowie für ArbeitnehmerInnen.

Argumente für eine ausführliche Evaluierung

Als erster Punkt ist zu erwähnen, dass eine Evaluierung Gesetzgeber vorgeschrieben wird und somit eine gesetzliche Pflicht ist. Das Arbeitsinspektorat überprüft auch die gesetzten Maßnahmen in Folge der Evaluierung, vor allem die oben angeführten Themenbereiche.

Ganz klar führt es auch zu einer deutlichen Imageverbesserung des Betriebs und zu einer Kostenreduktion aufgrund höherer Produktivität der MitarbeiterInnen. Eine Erfolgsanalyse lenkt auch den Blick auf die Ressourcen. Die win – win Situation führt zu verbesserten Rahmenbedingungen, Stärkung des persönlichen Wohlbefindens der MitarbeiterInnen und somit zu einer nachhaltigen Personalpolitik.

Über den Autor:

Andreas UrichMag. Andreas Urich arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater, Trainer, Coach, Mediator, Supervisor sowie Lebens- und Sozialberater in einer Praxis in Linz und Vöcklabruck. Neben seinen Themenbereichen wie Konfliktmanagement, Stress- und Zeitmanagement führt er oben angeführte Evaluierungen von psychischen Belastungen in Betrieben durch.

Weitere Informationen über Mag. Andreas Urich

Zitierte Quellen:

1 WIFO, Donauuniverstität Krems, Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen (Zitiert nach Schneider & Dreer, 2013)

2 BM für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, PVA und Integrated Consulting Group, Studie „Seelische Gesundheit in Österreich“, 2012 (zitiert nach Schneider & Dreer, 2013)

3 WKO, Psychische Erkrankungen kosten jährlich 7 Mrd Euro.

4JKU Studie, Schneider & Dreer, Volkswirtschafliche Analyse eines rechtzeitigen Erkennes von Burn Out, 2013

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